1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Drensteinfurt
  6. >
  7. „Die Grenze ist überschritten“

  8. >

Randale, Brandstiftung und zahlreiche Anzeigen wegen Corona-Verstößen

„Die Grenze ist überschritten“

Drensteinfurt

Hinter den Einsatzkräften liegt ein arbeitsreiches Wochenende. Gleich mehrfach brannte es – unter anderem in der Bahnunterführung, wo Unbekannte stapelweise WN-Ausgaben angezündet hatten. Außerdem gab es etliche Anzeigen wegen Corona-Verstößen.

Dietmar Jeschke

Etliche Drensteinfurter Leser mussten am Samstagmorgen auf ihre gewohnte WN-Ausgabe verzichten. Unbekannte hatten in der Nacht stapelweise Zeitungspakete entwendet und sie in der Bahnunterführung in Brand gesetzt. Foto: Dietmar Jeschke

Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt hatten am Wochenende in Drensteinfurt alle Hände voll zu tun. Neben zwei Verkehrsunfällen – an der Kreuzung Ahlener Weg und B 58 war es am Samstag zu einem Zusammenstoß beim Abbiegen gekommen, am Sonntag hatte sich ein Autofahrer auf dem Merscher Weg überschlagen – waren es vor allem zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Verordnung sowie Randale und Brandstiftung, die Rettungs- und Ordnungskräfte am Freitagabend auf Trab hielten.

Wie die Polizei mitteilt, hatten unbekannte Täter zunächst eine Ablagestation für die Botenverteilung der Westfälischen Nachrichten geplündert. Die Zeitungen verstauten sie in Einkaufswagen, schoben diese in die Fuß- und Radwegunterführung am Bahnhof und zündeten sie dort an. Der Zustelldienst hatte dies zwar zügig bemerkt, konnte als Ersatz für die betroffenen Bezirke allerdings kurzfristig nur noch die Lokalausgabe aus Münster organisieren.

Wenig später brannte dann abermals der bereits erst kürzlich angezündete Altkleidercontainer an der Sendenhorster Straße. Dank aufmerksamer Zeugen konnte die Feuerwehr die Flammen rasch löschen.

Polizisten kontrollierten einige Zeit später am Bahnhof einen 17-jährigen Münsteraner und einen 16-jährigen Sendenhorster. „Aufgrund der räumlichen und zeitlichen Nähe könnten die Jugendlichen für die Brände verantwortlich sein“, teilt die Kreispolizeibehörde mit. Weitere Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei in Ahlen,  0 23 82 / 96 50, oder per E-Mail an poststelle.warendorf@polizei.nrw.de zu melden.

Reichlich zu tun hatte auch der Bereitschaftsdienst des Ordnungsamtes, der am Wochenende unterwegs war, um die Einhaltung der verschärften Corona-Regeln zu überwachen. Insgesamt wurden zwölf Anzeigen erstattet. Dazu gab es 17 mündliche Verwarnungen.

Gegen 21.20 Uhr trafen die städtischen Bediensteten auf dem Spielplatz am Grünen Grund auf eine Gruppe Jugendlicher. Sechs Beteiligte machten sich aus dem Staub. Von drei weiteren wurden die Personalien aufgenommen. Einer der Kontrollierten hielt es dabei nicht ganz so genau – und machte falsche Angaben. Wenig später fielen drei weitere Personen auf, die mit Alkohol unterwegs waren. Sie suchten während der Belehrung das Weite. Gegen 21.50 Uhr trafen die Kontrolleure auf vier Personen, die sich auf dem Ossenbecker Sportplatz aufhielten. Ein stark alkoholisierte Jugendlicher wurde seinem Vater übergeben.

Gegen 22.10 Uhr hielten sich acht weitere Personen am Aldi-Markt auf, von denen einige den Mitarbeitern des Ordnungsamtes bereits bekannt worden. Drei weitere Personen, die sich in einem Wartehäuschen am Bahnhof aufhielten, wurden von der Polizei überprüft. Gegen 22.50 Uhr dann musste erneut die Feuerwehr ausrücken. Im Schlosspark hatte eine größere Gruppe ein Lagerfeuer angezündet. Vier von ihnen konnte die Polizei dingfest machen. Sie erwarten nun Verfahren wegen Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung, Hausfriedensbruch und Müllverbrennung. Am Samstagabend dann trafen die Ordnungsamtsmitarbeiter auf insgesamt acht Bürger, die sich nicht an die nächtliche Ausgangssperre hielten. Diverse Verwarnungen gab es zudem am Sonntagnachmittag auf den Sportplätzen in Drensteinfurt und Walstedde wegen Verstoßes gegen die Kontaktbeschränkungen.

Eine böse Überraschung erlebte dazu ein Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes am Samstagmorgen. Ein unbekannter Täter hatte ihm – offensichtlich aus Rache für eine vorherige Kontrolle – in der Nacht ein Kennzeichen seines vor der Haustür geparkten Autos gestohlen, verbunden mit dem „Gruß“ auf der Windschutzscheibe „Mich kriegst Du nie“. „Das ist schon eine klare Grenzüberschreitung“, reagierte Bürgermeister Carsten Grawunder wütend und auch entsetzt darüber, dass städtische Mitarbeiter, die lediglich ihren hoheitlichen Aufgaben nachgehen, zur persönlichen Zielscheibe von gefrusteten Bürgern werden.

Bereits am Wochenende hatte sich Grawunder in den sozialen Netzwerken klar positioniert, nachdem dort Kritik an den Maßnahmen des städtischen Ordnungsamt geäußert worden war. „Das Verhalten der Störer ist völlig inakzeptabel. Ich kann nicht verstehen, wie nach einer solchen Nacht auf ,dem Ordnungsamt‘ herumgehackt werden kann“, so der Bürgermeister. „Wir alle wünschen uns nichts sehnlicher, als endlich die Pandemie zu überwinden und zur Normalität zurückzukehren. Jeder, der die Zahlen sieht, muss aber auch erkennen, dass wir noch Geduld brauchen. Und wir dürfen unsere Zuversicht nicht verlieren. Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, werde ich zusätzlich einen Sicherheitsdienst beauftragen.“

Startseite