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Hilfsbereitschaft nach Unwetter-Katastrophe

Dutzende Kartons für Hagen gepackt

Drensteinfurt

Die Flutkatastrophe hat in wenigen Augenblicken ganze Ortschaften verwüstet. Hilfsbereitschaft und Solidarität sind dieser Tage groß – so auch in Stewwert, wo sich aus einer kurzen WhatsApp-Nachricht binnen weniger Stunden eine große Spendenaktion entwickelte.

Von Simon Beckmann

Christian und Holger Notz sowie Marcel Woelke und Mike Petersen (v.l.) freuen sich über die große Spendenbereitschaft. Foto: Simon Beckmann

Überall Schlamm und Geröll, noch immer steht vielerorts das Wasser meterhoch, und die Infrastruktur ist teilweise komplett zerstört: Die Flutkatastrophe hat in wenigen Augenblicken ganze Ortschaften und Städte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verwüstet.

Bei all dem hervorgerufenen Leid zeigt sich in den Tagen danach aber auch eines: Hilfsbereitschaft und Solidarität sind groß – so auch in Stewwert, wo sich aus einer kurzen WhatsApp-Nachricht am Freitagabend binnen weniger Stunden eine große Spendenaktion entwickelte.

„Was hier an Sachspenden zusammengekommen ist, ist einfach nur unglaublich. Damit haben wir nicht gerechnet“, sagte Initiator Holger Notz am Sonntagabend im Saal der Gaststätte „La Piccola“. Hinter dem 34-Jährigen und seinen Helfern aus dem Bekanntenkreis und von der Fahne des Drensteinfurter Bürgerschützenvereins lagen zu diesem Zeitpunkt zwei Tage stundenlanger Arbeit. „Wir haben alles, was von den Menschen gespendet wurde, vorsortiert, damit die Helfer vor Ort so wenig Aufwand wie möglich haben“, berichtete Notz. Ob Bücher, Kleidung, Spielzeug, Schulsachen, Hundefutter, Getränke, Hygieneartikel oder Lebensmittel: Alles ist gut beschriftet in verschiedenen Kartons verstaut und lagert nun in zwei großen Garagen zwischen. „Man konnte sich hier im Saal zwischenzeitlich kaum bewegen“, waren die Helfer von der Resonanz immer noch vollkommen überwältigt. Für Notz nachhaltig beeindruckend: „Menschen, die uns Sachen gespendet haben und noch etwas Zeit hatten, haben spontan einfach mitgeholfen und mitsortiert.“

Holger Notz

Dass seine WhatsApp-Nachricht, die er wegen eines Bekannten verfasst hatte, eine solche Hilfsbereitschaft entfacht, hätte der Stewwerter nicht gedacht. „Philipp Kramer ist gebürtiger Drensteinfurter und wohnt mittlerweile in Hagen. Er war wegen eines Junggesellenabschieds hier – und kurzfristig ist dann die Idee entstanden“, blickte Notz zurück. „Philipp selbst hatte Glück und ist nicht betroffen, weil er etwas höher wohnt. 300 Meter vor seiner Haustür ist allerdings alles zerstört“, schob der 34-Jährige hinterher. „Beim Anblick der Bilder wollten wir aber trotzdem helfen.“

Im Saal der Gaststätte "La Piccola“ wurden die Sachspenden stundenlang sortiert. Foto: Foto: Simon Beckmann

In rasantem Tempo verbreitete sich die von Notz verfasste Nachricht in zahlreichen Gruppen. „Ich habe meine eigene WhatsApp selbst mindestens 15 Mal zurückgeschickt bekommen“, erzählte der Initiator. Die ersten hilfsbereiten Menschen hätten ihn dann am Samstagmorgen um sieben Uhr angerufen. Danach stand sein Telefon nicht mehr still. Und auch der Saal im „La Piccola“ füllte sich innerhalb weniger Stunden mit Unmengen an Sachspenden. „Die Leute kamen nicht nur hier aus Drensteinfurt, sondern auch aus Ahlen, Oelde oder sogar aus Münster“, schilderte Notz. „Selbst kleine Kinder haben uns ihre Spielsachen überreicht, damit der Nachwuchs in Hagen nicht mit leeren Händen dasteht.“ Helfer Mike Petersen brachte es auf den Punkt: „Wir halten zusammen, wenn es darauf ankommt.“

Auch Unternehmen helfen

Dankbar ist der Initiator nicht nur seinen 30 bis 40 Helfern, sondern auch einigen örtlichen Unternehmen. So stellte etwa „Markt 1“ ausreichend Verpackungsmaterial zur Verfügung. „Von Merten & Storck haben wir zudem ganz viel stabile Kartonage geschenkt bekommen“, so Notz. Ebenfalls ihre Hilfe zugesichert hat die Spedition AKL Sattelschlepper. „Sie transportiert die gesammelten Sachspenden nach Hagen“, erörterte der 34-Jährige. Wann genau das geschehe, stehe aber noch nicht fest. „Die Sammelstellen sind angesichts der zahlreichen Spenden vollkommen überlastet. Deswegen sind wir in ständigem Kontakt mit den Helfern vor Ort und bringen die Sachen erst dorthin, wenn es passt“, informierte der Drensteinfurter über das weitere Vorgehen. Im Zuge dessen sei er vor allem auch „La Piccola“-Inhaber Ramiz Al-Sahli dankbar, der seinen Saal und die Garagen für die Aktion gerne entbehrt. „So haben wir keinen Stress und können die Sachspenden in aller Ruhe rüber fahren“, sagte Notz. Lebensmittel und Hygieneartikel sollen allerdings schon zeitnah nach Hagen transportiert werden.

Falls größere Möbel wie Kleiderschränke oder Betten benötigt werden sollten, können der Stewwerter und seine Unterstützer ebenfalls Hilfe anbieten. „Wir haben eine Liste geführt, auf die wir zurückgreifen können.“

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