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Netzwerk gegen Fracking

Erdbeben und giftiges Wasser

Drensteinfurt/Sen...

Um nochmals ein deutliches Zeichen gegen Fracking und andere Methoden zur Förderung von Erdgas zu setzen, hatte die Stadt Drensteinfurt zahlreiche Bürgermeister aus der Umgebung eingeladen, um gemeinsam ein Netzwerk „Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gegen Fracking“ zu gründen.

Anna Spliethoff

Die Bürgermeister und die von ihnen entsandten Vertreter unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung gegen Gasbohren und gründeten ein Netzwerk gegen Fracking. Foto: -anf-

Was Erdgasgewinnung mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Methode anrichten kann, wird in Medienberichten schon seit vielen Jahren gezeigt. Im Münsterland machen Konzerne wie „ExxonMobil“ und „HammGas“ dennoch für ihre Projekte Werbung. Doch die Gemeinden in der Region wehren sich. Sie setzen Zeichen gegen das Fracking und andere Methoden zur Förderung von Erdgas.

Ein weiteres Zeichen des Protestes wurde am Mittwochabend in der Alten Post gesetzt. Die Stadt Drensteinfurt hatte zahlreiche Bürgermeister aus der Umgebung eingeladen, um gemeinsam ein Netzwerk „Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gegen Fracking“ zu gründen. Stadtoberhäupter oder deren Vertreter aus Steinfurt, Weeze, Havixbeck, Ascheberg, Ostbevern, Beelen, Borken, Bocholt, Sendenhorst, Beckum, Oelde und Horstmar waren gekommen, um eine Erklärung gegen Gasbohrungen zu unterschreiben. Ihr Interesse an weiteren Schritten haben die Bürgermeister aus Isselburg, Breuna, Billerbeck, Rheda-Wiedenbrück, Sassenberg und Schermbeck angemeldet.

Doch zunächst wurde den Anwesenden die Problematik noch einmal deutlich vor Augen geführt. Zu Gast war Andreas Noltemeyer, Ortsbürgermeister von Völkersen, einer kleinen Ortschaft nahe Bremen. Bereits seit 1992 wird dort Erdgas gefördert. Die Folgen seien ebenso erschreckend wie verheerend. Lange habe man Erdgas in Völkersen als saubere Energieform geschätzt, bis ein Unfall publik geworden sei, der alles verändert habe. Aus unterirdischen Rohren sei das Wasser ausgetreten, das zuvor für die Förderung des Gases benutzt worden war. Es handelte sich um vergiftetes Wasser. „Nie ist das Thema Giftstoffe in den Mund genommen worden“, kritisiert Bürgermeister Andreas Noltemeyer noch heute die Verschwiegenheit der Konzerne. Doch für Völkersen sei es nun längst zu spät gewesen. Eine Fläche von rund 400 000 Quadratmetern sei bereits verunreinigt gewesen.

Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, die ans Licht brachte, dass die verbauten Rohre, aus denen das vergiftete Wasser ausgetreten war, nicht für den verwendeten Zweck zugelassen waren. „Weder die Materialien sind oft geeignet, noch die Bohrplätze, die genutzt werden“, erklärte Noltemeyer. Am 22. November 2012 bebte die Erde in Völkersen spürbar. Ein Erbeben der Stärke 2,8 erschütterte die Ortschaft. Geophysiker hätten nachgewiesen, dass die Erdgasförderung für dieses Beben verantwortlich sei. Und auch die Zahl der Krebsfälle steige. Ein Zusammenhang mit den Giftstoffen in der Umwelt werde vermutet. Und in Völkersen werde bislang nur auf herkömmlichem Weg Erdgas gefördert. „Fracking potenziert das Ganze um ein Vielfaches“, betonte Noltemeyer zum Abschluss.

Die Mienen der anwesenden Bürgermeister sprachen Bände. Dass derartige Folgen tatsächlich auftreten könnten, war wohl einigen nicht bewusst.

Auch Stefan Henrichs, Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen Gasbohren in Drensteinfurt, war „fast sprachlos über die Horrorszenarien, die man da geschildert kriegt.“ Und Bürgermeister Carsten Grawunder zeigte eine wichtige Tatsache auf: „Wir haben erreicht, dass hier bis heute nichts passiert ist. Aber wir haben keine gesetzlichen Veränderungen erreicht.“ Taten müssten folgen. Gesetzentwürfe müssten gestoppt werden. Sonst werde es auch das Münsterland bald mit vergiftetem Wasser und Erdbeben zu tun bekommen.

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