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Spontane Aktion findet riesige Resonanz

Gewaltige Hilfsbereitschaft

Drensteinfurt

Es war eine spontan initiierte Hilfsaktion zweier Freundinnen mit Verwandtschaft in der Ukraine. Mittlerweile rollen vier 40-Tonner mit Hilfsgütern in die Region. Und für weitere Unterstützung – gebraucht werden vor allem Lebensmittel – sind die Initiatorinnen dankbar.

Von Dietmar Jeschke

Die Resonanz auf die spontan initiierte private Hilfsaktion ist gewaltig. Julia Rogmann (l.) und Ute Eichmann haben derzeit alle Hände voll zu tun, die zahlreichen Spenden zu sortieren. Foto: Dietmar Jeschke

Während der Berg von Kisten und Säcken im Carport quasi stündlich wächst, klingelt das Handy von Julia Rogmann im Minutentakt. Am Ohr hat die Drensteinfurterin dabei allerdings längst nicht mehr nur Freunde und Bekannte. „Ich hatte sogar schon Anrufe aus Dülmen und Kiel“, schildert sie. Aus gutem Grund, denn während der brutale Krieg in der Ukraine die Menschen auch in Deutschland zutiefst bewegt, wissen viele schlichtweg nicht, wie und wo sie helfen können.

Bei Julia Rogmann und ihrer Freundin Katharina Hofmann aus Amelsbüren sind Spendenwillige jedoch an der richtigen Adresse. Denn da Hofmanns Verwandtschaft im Kriegsgebiet lebt, hatten die beiden Freundinnen bereits kurz nach Beginn des russischen Einmarsches die Idee, die Betroffenen vor Ort zu unterstützen. Die entsprechenden Aufrufe dazu erfolgten zunächst nur per Telefon, Whatsapp und in den sozialen Medien. Die Resonanz darauf war jedoch innerhalb kürzester Zeit gewaltig. Und so wurden innerhalb von nur wenigen Tagen gleich vier 40-Tonner auf die Reise in Richtung Kriegsgebiet geschickt.

Dankbar dafür ist Julia Rogmann vor allem der Spedition Verwohlt aus Vreden. Denn auch sie hatte von der Aktion erfahren und spontan die entsprechenden Fahrzeuge samt Personal kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Besondere: „Die Fahrer stammen allesamt aus der Ukraine“, schildert Julia Rogmann. Zwei von ihnen seien aktuell auf dem Weg in Richtung Kiew. Verbunden mit dem persönlichen Ziel, auf dem Rückweg einige Familienmitglieder aus dem Kampfgebiet herauszuholen. Die übrigen Transporte sind für das polnisch-ukrainische Grenzgebiet bestimmt, wo derzeit Hunderttausende Ukrainer versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Viele der dort Eintreffenden haben bereits tagelange Reisen und lange Wartezeiten hinter sich – und das mitunter ohne Dach über dem Kopf. Entsprechend wichtig, erklärt Ute Eichmann, die die Spendenaktion in Drensteinfurt im Namen der Kleiderkammer der evangelischen Kirchengemeinde unterstützt, sei nun vor allem alles, was zum Überleben draußen bei winterlichen Temperaturen benötigt wird. Um einen „Spendenstau“ von Dingen, die am Ende nicht wirklich benötigt werden, zu vermeiden, haben Eichmann und Rogmann eine klare Liste zusammengestellt. „Und etwas anderes nehmen wir auch gar nicht an“, schildert Julia Rogmann. Im Einzelnen gefragt sind vor allem Zelte, Schlafsäcke und Isomatten. Hinzu kommen saubere Kanister für Trinkwasser, Stromkabel, Abschleppseile, Werkzeuge aller Art, Schutzbrillen, Arbeitshandschuhe, Schutzhelme, Herrenschuhe ab Größe 44, Babybedarf, Medikamente gegen Erkältung, kleine Feuerlöscher, Taschenlampen, Batterien und natürlich ganz besonders Lebensmittel. „Alles was haltbar ist – wie Nudeln, Mehl, Zucker, Tütensuppen oder Konserven“, erklärt Ute Eichmann. Konkret wisse man vom Hilferuf einer rund 15 000-köpfigen Gemeinde, deren Bürgermeister dringend um 60 Tonnen Lebensmittel bittet. „Die Leute dort haben nichts mehr zu essen“, schildert Julia Rogmann.

Die Spendenbereitschaft, die beide bislang erfahren haben, sei enorm. Auch, was die Bereitschaft zu Geldspenden betrifft, wobei man in den vergangenen Tagen erst noch klären musste, ob deren Empfang und Verwaltung über das Spendenkonto der evangelischen Kirchengemeinde erfolgen kann. Am Mittwochnachmittag gaben die Organisatorinnen nun dazu grünes Licht. Um die Versorgung vor allem im Grenzgebiet aufrecht zu erhalten, wünschen sich die beiden Organisatorinnen nun vor allem Unterstützung beim Transport.

Wer Fahrzeuge und Fahrer stellen kann, kann sich bei Julia Rogmann,  01 51 / 50 47 63 17, oder bei Ute Eichmann,  01 72 / 7 39 53 25, melden. Ebenso vermitteln sie die jeweiligen Spendekontonummern und nehmen auch weiterhin Sachspenden in Empfang. Abgegeben werden können diese am Haus Rogmann an der Fanny-Mendelssohn-Straße 19 a, bei Ute Eichmann, Heimstättenweg 7, sowie an der Kleiderkammer der evangelischen Martinskirche an der Bahnhofstraße. Allein dort, schildert Eichmann, hätten die freiwilligen Helfer am Dienstag rund 100 Säcke sortiert

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