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„Homologie“: Schulkabarett mit Timo Schweitzer

Gleich und doch ganz anders

Drensteinfurt

Es ist ein Begriff mit recht eindeutiger Sprachwurzel, denn schließlich bedeutet „Homo“ schlichtweg „Mensch“. Dass sich hinter dem Wort „Homologie“ aber gleich wohl sehr viel mehr verbirgt, erläuterte Kabarettist und Theaterpädagoge Timo Schweitzer am Mittwoch in der Teamschule

Das „Anderssein“ durchaus vollkommen normal ist, machte Kabarettist und Theaterpädagoge Timo Schweitzer anhand einiger unterhaltsamer, multimedialer Beispiele deutlich. Foto: Dietmar Jeschke

Es ist ein Begriff, der umgangssprachlich recht eindeutig konnotiert ist. Obwohl das angesichts der lateinischen Sprachwurzel mit Namen „Homo“ eigentlich unsinnig ist, den schließlich heißt dies ganz einfach nur „Mensch“. Aber was hat es dann mit dem Begriff „Homologie“ auf sich? Ganz einfach: „Er beschreibt, dass wir alle gleich und doch ganz anders sind“, brachte es Timo Schweitzer kurz und knapp auf den Punkt. Als „Aushilfslehrer Malte Anders“ war der Frankfurter Kabarettist und Theaterpädagoge am Mittwochvormittag zu Gast in der Teamschule, um dort die immer noch vielfach tabuisierten Themen Diversität, Homosexualität und Transgender einmal tatsächlich „ganz anders“ zu beleuchten.

Unter anderem mit einem Ausflug in die Tierwelt. Denn wer weiß schon, dass Homosexualität mittlerweile bei nicht weniger als 1500 Tierspezies nachgewiesen ist – und im Schnitt jeder fünfte Pinguin einen Partner des gleichen Geschlechtes liebt? Und dann gibt es noch die besondere Art der Bonobos. Denn wenn bei den Zwergschimpansen einmal Nahrungsknappheit herrscht, dann heißt es schlichtweg „Make love – no war“ – und das ganz unabhängig vom Geschlecht, erklärte Schweitzer den Neunt- und Zehntklässlern. „Danach wird dann alles ganz brüderliche geteilt – Problem gelöst. Stellt Euch das mal in euer Cafeteria vor.“

Trotz aller offensichtlichen Natürlichkeit stehen jedoch bekanntlich homosexuelle Menschen nach wie vor vor nicht wenigen Problemen. Und die beginnen schon beim berühmten „Coming out“ und den damit verbundenen Reaktionen in der eigenen Familie. „Mittlerweile ist es es mir erlaubt, meinen Freund mit nach Hause zu bringen. Das durfte ich lange Zeit nicht“, schilderte Schweitzer. Der Grund hatte einen Namen – und der heißt „Oma Else“. Um so erstaunter, so Schweizer weiter, sei er schließlich gewesen, als die Großmutter irgendwann nicht lange um den berühmten „heißen Brei“ redete, sondern schlichtweg fragte: „Wills Du nicht mal irgendwann heiraten. Es gibt da draußen doch so viele schöne Kerle.“ „Sie hat es von Anfang an gewusst – und war auch nicht sauer, dass man es hier verheimlicht hatte“, schilderte der Comedian. „Warum auch? Denn schließlich rennt ja auch niemand durch die Siedlung, um jedem zu erzählen, dass er hetero ist.“

Der kurzweilige, mit vielen kleinen Spitzen und etlichen Lachern garnierte Auftritt des Theaterpädagogen in der Sekundarschule ist, so Leiterin Anja Sachsenhausen, nur der Auftakt auf dem Weg hin zur „Schule der Vielfalt“. Wie schon im Rahmen des Aktionsprogramms „Schule ohne Rassismus“ wolle man künftig mit verschiedenen kleineren Aktionen einen aktiven Beitrag hin zu einer nachhaltigen Antidiskriminierung leisten – auch und gerade, was die Themen Sexualität und Geschlechterrollen betrifft. Aufgabe sei es nämlich, die Schülerinnen und Schüler zu „mündigen Bürgern“ zu erziehen. Und dazu gehöre eben auch der Umgang mit Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung.

Das Projekt „Schule der Vielfalt“ findet übrigens als Kooperation des Landesschulministeriums und etlicher weiterer Einrichtungen statt. „Ziel ist es, Vorbehalte aufzugreifen, zu sensibilisieren und zu informieren“, sagt Sachsenhausen. „Vor allem will das Projekt deutlich machen, wie massiv Lesbisch- und Schwulsein von den Jugendlichen selbst an der Schule thematisiert wird – häufig ohne jede pädagogische Intervention.“

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