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Zahlen sprechen deutlich für zweiten Kunstrasenplatz

Hybrid ist aus dem Spiel

Drensteinfurt

Als Alternative zum bisherigen „Grascheplatz“ und einem möglichen zweiten Kunstrasengeläuf hatte die FDP im Zuge der Haushaltsberatungen einen möglichen Hybridrasen ins Spiel gebracht. Doch wie ein Gutachterbüro im Bauausschuss schilderte, macht der im Erlfeld wenig sind.

Von Dietmar Jeschke

Morgens freies Feld – abends bis zu vierfach geteilt: Der SVD bemängelt seit Jahren, dass der im Winter allein bespielbare Kunstrasenplatz im Erlfeld nicht ausreicht. Nun stehen die Zeichen klar auf Bau eines zweiten Kunstrasenfeldes. Foto: Dietmar Jeschke

Er liegt mittlerweile nicht nur in der Luxus-, sondern auch in der Mittelklasse voll im Trend. Doch was für den Automobilbau gilt, gilt bekanntlich nicht unbedingt für den Bau von Sportstätten. Denn was letztere betrifft, machte Ingenieur Oliver Schneider vom Labor für Landschafts- und Sportstättenbau in Osnabrück am Montagabend den Mitgliedern von Bau- und Sportausschuss anhand einiger konkreter Zahlen klar, so bleibt der sogenannte „Hybrid“ wohl auch künftig ein reines Privileg der Oberklasse. Und die, so Schneider weiter, hat durchaus klangvolle Namen, wie er mit einer kleinen Auswahl namhafter Bundesligisten, für die sein Unternehmen tätig ist, belegte.

Dass der sogenannte „Hybridrasen“ als mögliche Alternative zum bisherigen und als unbespielbar geltenden „Grascheplatz“ sowie eines von CDU und SVD geforderten zusätzlichen und damit zweiten Kunstrasenplatzes im Sportzentrum im Erlfeld überhaupt zur Debatte stand, war dem Vorstoß der FDP während der jüngsten Haushaltsberatungen geschuldet. Denn als umweltfreundlichere – und möglicherweise kostengünstigere – Variante zum reinen Kunstrasen hatten die Freien Demokraten eine Mischung aus Faserstoff und Naturrasen ins Spiel gebracht. Ob diese tatsächlich auch für den Amateurbereich in Frage kommt, sollte nun das von der Stadt beauftragte Gutachterbüro klären. Und dessen Votum war am Ende recht eindeutig. Denn einem Verein wie dem SVD würde er eine solche Lösung persönlich nicht empfehlen, schilderte Oliver Schneider.

Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass die Nutzungsdauer eines Hybridrasens nur unwesentlich höher ist als die eines reines Naturrasens. Da letzterer bekanntlich im Winter nicht wächst und sich somit auch nicht regenerieren kann, ist er nur für gut 800 Stunden im Jahr bespielbar. Eine Mischung aus Naturrasen und Fasern komme auf rund 900 Stunden. „Kunstrasen ist dagegen 24 Stunden am Tag bespielbar. Und das, solange kein Schnee liegt“, schilderte der Sachverständige. Und auch beim Thema Kosten bekommt die Hybridlösung keinen Stich. Werden für die reine Spielfläche eines Kunstrasenfeldes je nach Ausführung zwischen 495.000 und 550.000 Euro fällig, kommt ein Hybridrasen auf etwa 571.000 Euro. Ein neuer Naturrasen würde mit rund 325.000 Euro zu Buche schlagen – jeweils ohne Flutlichtanlagen & Co., versteht sich.

Noch schlechter schneidet der Hybridrasen bei den Sanierungskosten ab. Zum einen, weil bereits alle neun bis zehn Jahre ein kompletter Austausch notwendig ist. Zum anderen, weil die Mischung aus Kunstfasern und Rasen am Ende reiner Sondermüll ist. Kostenpunkt insgesamt: rund 731.000 Euro. Der Oberflächentausch einer modernen und zwischen zwölf und 15 Jahren bespielbaren Kunstrasenfläche kostet dagegen lediglich zwischen 230.000 und 302.000 Euro. Ein neues Naturrasengeläuf käme auf etwa 105.000 Euro.

Der Kunstrasen liegt dazu bei den Pflegekosten vorne. Die nämlich schlagen im Jahr mit 13.000 Euro zu Buche, während sie beim Hybridrasen bis zu 67.000 Euro und beim Naturrasen etwa 37.000 Euro betragen.

Gemessen an den tatsächlichen Nutzungsstunden bedeuten die genannten Zahlen, dass ein etwa 2000 Stunden pro Jahr bespielbarer Kunstrasen mit etwa 30 bis 35 Euro pro Stunde zu Buche schlägt. Bei nur rund 950 Stunden, die ein Hybridrasen im günstigsten Fall bespielt werden kann, liegt der Stundenanteil mit knapp 162 Euro fast fünf Mal so hoch. Fazit aus Sicht des Sachverständigen: Orientiert an der Nutzungszeit ist der Kunstrasen bei optimaler Auslastung nicht nur die wirtschaftlichste, sondern auch die ökologischste Variante. Und die rückte Ausschussvorsitzender Markus Wiewel (CDU) auch gleich in den Fokus der nächsten Fachausschusssitzung im März. Bis dahin nämlich soll nun noch geklärt werden, welche Form von Kunstrasen am Ende tatsächlich zum Zuge kommt. Nachdem mit Kunststoffgranulat verfüllte Beläge aufgrund ihres Mikroplastikanteils nicht mehr zugelassen sind, stehen Varianten mit einer reinen Sand- oder aber einer Sand-Kork-Mischverfüllung zur Auswahl. Dazu gibt es bereits moderne Modelle, die gänzlich ohne zusätzliches Füllmaterial auskommen.

Eine vielleicht doch noch mögliche natürliche Alternative, wie sie Andreas Kurzhals (FDP), anregte, scheint dagegen bereits jetzt vom Tisch. Denn selbst wenn nicht nur ein, sondern gleich zwei neue Naturrasenplätze geschaffen werden würden, würde dies nichts an der eingeschränkten Nutzungsdauer ändern. „Die Plätze können im Winter nicht bespielt werden“, betonte Sportausschussvorsitzender Andreas Brinkmann (CDU).

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