Diamanthochzeit im Hause Rottmann

In der Pause hat es gefunkt

Drensteinfurt

An größere Feiern ist bekanntlich aktuell nicht zu denken. Entsprechend werden es Roswitha und Rudi Rottmann auch bei einem „guten Essen“ belassen. Heute feiert das Paar seine Diamanthochzeit. Und am kommenden Samstag wird Rudi Rottmann 95 Jahre alt.

Simon Beckmann

Hoffen, dass noch lange alles so bleibt, wie es ist: Roswitha und Rudi Rottmann. Heute feiern sie ihre Diamantene Hochzeit. Und am Samstag wird Rudi Rottmann 95 Jahre alt. Foto: Simon Beckmann

Verständnis füreinander, eine gute Kommunikation und nichts verschweigen. Oder wie es Roswitha Rottmann in Richtung ihres Mannes Rudi formuliert: „Mal hast du den Dickkopf, mal habe ich den Dickkopf. Und jeder gibt mal nach.“ Für die beiden Stewwerter ist dies das „Rezept“ für eine gute Ehe – und das schon seit 60 Jahren. Schließlich steht bei den beiden am heutigen Donnerstag ein ganz besonderes Jubiläum an: nämlich die Diamantene Hochzeit.

Kennengelernt haben sich Roswitha, geborene Hoffmann, und Rudi Rottmann beim Frühlingsfest im Kolpinghaus. „Das war am 1. Mai 1958“, weiß die 82-Jährige noch ganz genau. „Nachmittags war auf dem alten Sportplatz ein Handballturnier. Abends bin ich dann mit meiner Cousine feiern gegangen“, ergänzt sie. „Mir sind als erstes die schönen blauen Augen von Roswitha aufgefallen“, erinnert sich der 94-Jährige an die erste Begegnung zurück. Sie habe irgendwann plötzlich vor der Bühne gestanden, auf der er selbst als Schlagzeuger respektive „Bumser“, wie er es lachend nennt, mit seiner Band „Die Raudis“ für Stimmung sorgte. „In der Pause haben wir uns dann unterhalten und fanden uns sofort sympathisch“, berichtet Rudi Rottmann. „Wenn es funkt, dann funkt es einfach“, bringt es seine Ehefrau auf den Punkt.

Natürlich hielt das heutige Jubelpaar im Anschluss Kontakt und verabredete sich regelmäßig zu Treffen – obwohl einige Entfernung zwischen beiden Wohnorten lag. Roswitha Rottmann wohnte damals nämlich noch in Vohren, einer Bauerschaft, die zur Stadt Warendorf gehört. „Dorthin sind wir nach unserer Flucht aus Schlesien 1945 gekommen“, erzählt die 82-Jährige. Dagegen nannte Rudi Rottmann Drensteinfurt seine Heimat. Dort wurde er am 8. Mai 1926 geboren. „Ich habe noch meinen Großvater kennenlernen dürfen, der der letzte Postillon in Stewwert gewesen ist“, sagt er.

Nach der Volksschule absolvierte er eine Ausbildung zum Technischen Zeichner und arbeitete 30 Jahre lang für die Münsteraner Firma Tepper und danach bis zur Rente als Planer und Zeichner für die Großküchenfirma Hötte. Weil er wegen seines kriegswichtigen Berufes UK – also „unabkömmlich“ – gestellt war, erlebte er auch den Einmarsch der Alliierten in seiner eigenen Heimat mit. „Man konnte nur staunen, mit welchem Materialaufwand die Amis gekommen waren. Fahrzeuge, soweit man sehen konnte, zwischendurch immer wieder Panzer“, so der Stewwerter.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gründete Rudi Rottmann mit einigen Freunden eine Band. Unter dem Namen „Die Raudis“ verbreitete die Gruppe in der nahen Umgebung gute Laune. „Während des Kriegs war Tanzmusik verboten. Danach waren die Säle alle richtig voll“, blickt der Musikliebhaber zurück. „Und wir waren überall gerngesehene Musiker.“ Das sei eine schöne Zeit gewesen, finden sowohl Roswitha als auch Rudi Rottmann. „Durch die Band haben wir uns ja auch kennengelernt.“

1959 verlobten sich die beiden. Zwei Jahre später folgte die Hochzeit. „Am 6. Mai 1961 haben wir uns auf dem Amt in Stewwert das Ja-Wort gegeben. Sechs Tage später dann noch einmal in der Marienkirche in Warendorf“, berichtet das Jubelpaar. Gefeiert wurde anschließend auf dem Hof der Eltern von Roswitha Rottmann. 1962 erblickte Tochter Martina das Licht der Welt. Drei Jahre später wurde Sohn Frank, der vor vier Jahren gestorben ist, geboren. 1967 komplettierte Tochter Anke die Familie, die heute außerdem durch vier Enkelkinder bereichert wird.

In ihrer Freizeit war das Jubelpaar schon immer gerne an der frischen Luft unterwegs. „Wir sind früher gerne spazieren gegangen und waren später sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs“, erzählen die beiden. „Das war immer richtig schön.“ Auch die Gartenarbeit, die Renovierung des mehr als 200 Jahre alten Elternhauses von Rudi Rottmann und die geteilte Leidenschaft für Musik nahm viel Platz im Leben der beiden Drensteinfurter ein. Heute verbringen Roswitha und Rudi Rottmann immer noch sehr viel Zeit gemeinsam. Sie kocht gerne und probiert Neues in der Küche aus. Er liest viel. „Wir unterhalten uns nach wie vor sehr viel und haben nette Gespräche miteinander“, schildern die Rottmanns ihren Alltag.

Ihre Diamantene Hochzeit feiern sie nicht. „Das ist ja auch wegen der Pandemie nicht erlaubt“, wissen sie. Stattdessen wird es ein „leckeres Festessen“ zu zweit geben. „Wir lassen es uns gut gehen“, verraten sie. Gleiches gilt auch für den 95. Geburtstag von Rudi Rottmann am kommenden Samstag. Für die Zukunft wünschen sich die beiden, dass sie noch viel Zeit zusammen verbringen dürfen: „Wenn es noch lange so bleibt, wie es jetzt ist, das wäre toll.“

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