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„Polittalk“ der IG Werbung

Kontrovers, fair und ziemlich heiß

Drensteinfurt

Knapp 140 Zuschauer vor Ort und rund 380 übers Internet: Das Interesse am von der IG Werbung organisierten „Polittalk“ war groß. Auf dem Podium stellten sich die Bürgermeister- und die Spitzenkandidaten der Parteien den Fragen, die die Bürger im Vorfeld hatten einreichen können.

Nicole Evering

Frank Haberstroh (3.v.r.) moderierte die „Elefantenrunde“ in der Dreingau-Halle. Die knapp 140 Zuschauer verfolgten die Diskussion auf dem Podium. Foto: Dietmar Jeschke

Bei einem frisch gezapften Pils an der Theke könnte man sie eigentlich alle treffen. Nicht aber bei demselben Konzert, dafür sind die Musikgeschmäcker zu unterschiedlich. Ingo Stude und Markus Wiewel könnten stattdessen überlegen, mal gemeinsam in den Urlaub zu fahren: Griechenland ist für beide ein beliebtes Reiseziel. Beim Essen gehen die Vorlieben auseinander: Von Sauerbraten über italienische Küche bis hin zu frisch Gegrilltem reichten die Nennungen. Schon die lockere „Lieblings“-Vorstellungsrunde ließ erahnen: Der Abend würde inhaltlich kontrovers werden. Sachlich und fair blieb er aber trotzdem.

Zum ersten Mal hatte die IG „Werbung für Drensteinfurt“ im Vorfeld einer Kommunalwahl zur Diskussionsrunde mit allen Spitzenkandidaten eingeladen. Launig moderiert von Radio-WAF-Chefredakteur Frank Haberstroh, stellten sich die Anwärter für den Chefsessel im Rathaus, Heidi Pechmann (Die Grünen) und Carsten Grawunder (parteilos), sowie die Parteienvertreter Markus Wiewel (CDU), Ingo Stude (SPD) und Sonja Berstermann-Kowalke (FDP) den Fragen der Bürger.

Etwa 140 Interessierte verfolgten, gemäß der Corona-Schutzverordnung mit viel Abstand, die muntere und informative Runde in der sommerlich warmen Dreingau-Halle. Noch einmal 385 Menschen – in der Spitze schauten 140 gleichzeitig zu – schalteten den Livestream auf YouTube ein. So konnte IGW-Vorsitzende Martina Lammersmann die Veranstaltung am Ende als Erfolg werten: „Uns war es wichtig, die Informationen aus den Wahlprogrammen der Parteien an die Bürger zu bekommen. Das hat geklappt.“

Thematisch breit aufgestellt

Thematisch zur Sprache kamen unter anderem der ausbaufähige Tourismussektor, die mögliche Ansiedlung eines neuen Gewerbegebietes an der B 58, die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt samt notwendiger Renaturierung der Werse, die Unterstützung der Landwirtschaft, Straßenausbauprojekte, neue Baugebiete und die damit einhergehende erhöhte Verkehrsbelastung, der Ausbau erneuerbarer Energien, Bildung, Digitalisierung und die Jugend.

Hitzig wurde es beim Baugebiet „Mondscheinweg“. Für dieses hätten die Grünen gerne das Konzept einer Klimaschutzsiedlung im Bebauungsplan verankert gesehen. „Das haben Sie verhindert“, wandte sich Pechmann in Richtung der CDU. Dies umzusetzen, hätte zu erheblichen Verzögerungen in der Planung geführt, entgegnete Wiewel. Auch SPD und FDP hatten den Bürgern dahingehend nicht zu viele Auflagen machen wollen. „Bauen und Wohnen müssen bezahlbar bleiben“, meinte Stude. Die nun privatrechtlich festgesetzten Standards (Dachbegrünung, Photovoltaik, Anschluss ans geplante Nahwärmenetz) seien hoch, so Grawunder – vielleicht sogar höher als bei einer Klimaschutzsiedlung.

Debatte zur Innenstadtentwicklung

Auch das Thema Innenstadtentwicklung wurde kontrovers diskutiert. Die FDP setzt weiterhin auf einen zweiten, größeren Drogeriemarkt. Und auch die Sozialdemokraten wollen außerhalb des Stadtkerns mehr Handel zulassen. „‚Rossmann‘, ‚Fressnapf‘ und ‚Schuhpark‘ ansiedeln und gleichzeitig eine belebte Innenstadt haben: Beides zusammen funktioniert nicht“, meinte Wiewel. Pechmann sieht dringenden Handlungsbedarf bei Geschäften für junge Leute. Und Grawunder kündigte ein Projekt an, um der heimischen Wirtschaft den Einstieg in den Online-Handel zu erleichtern. „Wer heute seine Waren nicht im Netz anbietet, der ist verloren.“

Angesprochen auf die Bürgermeisterwahl gab Wiewel zu, dass die CDU gerne einen eigenen Kandidaten aufgestellt hätte – sich aber in den eigenen Reihen niemand gefunden habe. Grawunder habe indes bewiesen, dass er sich auch als Moderator zwischen den Parteien verstehe. Sie habe es damals im Osten selbst erlebt, ohne Demokratie, ohne Meinungsfreiheit, so Pechmann. Mit ihrer Kandidatur habe sie den Menschen eine Wahlmöglichkeit geben wollen. Von dieser sollten, ganz grundsätzlich, am 13. September möglichst viele Gebrauch machen.

Die Aufzeichnung des Livestreams ist auf der Homepage der IGW zu finden. Weitere Fotos vom „Polittalk“ gibt es auf www.wn.de.

Kommentar: Viele Sieger, ein Problem

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