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Pfarrer em. Ludger Funke nimmt sich gerne Zeit

Mit „Herz und Seele“ Seelsorger

Drensteinfurt

Pfarrer Ludger Funke lebt seit drei Jahren in Drensteinfurt. Viel Zeit hat er seitdem auch im Malteserstift St. Marien verbracht, hält dort – im Wechsel mit den anderen Pastoren in der Gemeinde – Gottesdienste, macht Geburtstagsbesuche – und ist eben auch „mit Herz und Seele“ Seelsorger, wie er selbst sagt.

Nicole Evering

In der Kapelle des Malteserstifts feiert Pfarrer em. Ludger Funke in Nicht-Corona-Zeiten gerne Gottesdienste. Foto: Nicole Evering

Im Eingangsbereich des Malteserstifts St. Marien hängt eine silberne Tafel. Darauf stehen viele Namen, die der Einrichtungs- und der Pflegedienstleitung zum Beispiel. Hinter der Bezeichnung „Seelsorge“ steht auch einer: Pfarrer Ludger Funke.

Fast ein Vierteljahrhundert hat Funke als leitender Pfarrer im Ruhrgebiet, genauer in Duisburg-Homberg, gearbeitet: mit kleinen Steppkes, mit Kommunionkindern und mit Senioren. In Stewwert darf er nun etwas kürzertreten und Aufgaben seinen Kräften entsprechend wahrnehmen. „Vom Alter her bin ich ja mittlerweile ein Weggefährte der Bewohner hier“, sagt er schmunzelnd. Der Terminkalender des 73-Jährigen ist nicht mehr so vollgepackt wie früher. „Ich nehme mir, zum Beispiel bei Kondolenzgesprächen, heute mehr Zeit für den Einzelnen. Die Menschen merken doch, ob man in Eile ist, schneller spricht und ständig auf die Uhr schaut.“ Oder ob das Gegenüber eben wirklich zuhört und Interesse zeigt.

Resonanz: Das ist eines der Lieblingswörter von Pfarrer Funke und sein grundsätzlicher Wunsch für die Arbeit in der Seelsorge. Dass nämlich Gespräche keine Einbahnstraße sein sollten, sondern Austausch. Achtsamkeit sei dafür eine wichtige Voraussetzung. Er selbst hat weniger Stress, weil er keine eigene Gemeinde mehr leiten muss, und er nimmt sich diese Zeit auch. „Sogar meine Telefongespräche dauern nun länger. Dabei rede ich selbst eigentlich gar nicht mehr als früher – die anderen Leute tun es. Das beobachte ich mit dem größten Vergnügen“, sagt der Emeritus mit einem Lächeln.

Unterstützung von Ehrenamtlichen

Derzeit sind wegen der Corona-Krise Besuche im Malteserstift nicht oder nur in Ausnahmefällen gestattet. Normalerweise findet jeden Freitag eine katholische Messe in der hauseigenen Kapelle statt. Die hält auch oft Pfarrer Funke, denn in Stewwert ist für ihn alles gut mit der Leeze zu erreichen. „Dann werden die Schiebetüren geöffnet, und neben den Bewohnern und Angehörigen kommen immer auch Besucher von außerhalb“, freut sich Funke über den stets hohen Zuspruch in Nicht-Corona-Zeiten. Unterstützt wird der jeweils zelebrierende Geistliche von ehrenamtlichen Helfern, die die Kommunion auch auf den Stationen an diejenigen verteilen, die nicht mehr persönlich am Gottesdienst teilnehmen können.

Insbesondere von seinen Geburtstagsbesuchen im Malteserstift kann der leidenschaftliche Fahrradfahrer ein paar Anekdoten erzählen. Wie er zum Bespiel einer Seniorin gratulieren wollte, über die eine Mitarbeiterin ihn im Vorfeld unterrichtet hatte: „Sie reagiert leider nicht mehr so gut.“ Funke, wahrlich nicht auf den Mund gefallen, wollte das „doch erst mal sehen“. Er setzte sich zu ihr, kam ins Plaudern, erzählte von sich, Gott und der Welt, ließ sich und der Frau Kaffee bringen. „Dann haben wir mit den Tassen angestoßen – und sie strahlte über das ganze Gesicht“, erinnert sich der Emeritus. „In solchen Momenten bin auch ich beschenkt.“

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