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Neuer Verein „Traber-Herz“

Mitglieder sind zugleich Pferdebesitzer

Drensteinfurt

In Drensteinfurt gibt es einen neuen Verein. „Traber-Herz“ wurde am 4. Juni gegründet, ist als gemeinnützig anerkannt und verfolgt mild- und wohltätige Zwecke. Das ist einzigartig in der Region. Wer Mitglied wird, tut Gutes – und wird gleichzeitig Mitbesitzer eines Trabrennpferdes.

Von Matthias Kleineidam

Die Gründungsmitglieder des Vereins „Traber-Herz“ kommen alle aus Drensteinfurt (v.l.): Esteban und Jing Gaido, Heike und Rodegang Elkendorf, Katrin und Markus Diekhoff, Melanie Reisch, Thorsten Schlüter, Claudia Reinländer und Dennis Krönke. Das Pferd auf dem Bild ist aber nicht die dreijährige Stute „Lilly Marleen H“. Foto: Verein

„Sinn und Zweck des Vereins ist es laut Satzung, bedürftigen Kindern und Jugendlichen zu helfen. Außerdem wollen wir ihnen den Pferdesport näherbringen“, sagt Rodegang Elkendorf. Der 51-Jährige ist eins von zehn Gründungsmitgliedern und engagiert sich als zweiter Vorsitzender und Sportwart des Vereins. Markus Diekhoff – der 43-Jährige ist Mitglied des NRW-Landtags sowie Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Drensteinfurt und des Kreisverbandes Warendorf – fungiert als erster Vorsitzender, Esteban Gaido als Kassierer.

Die Idee, sich in dieser Richtung zu engagieren, kam Elkendorfs Ehefrau Heike vor gut zwei Jahren, als ein Kegelbruder ihres Mannes starb und neben seiner Frau drei kleine Kinder hinterließ. Den Überlegungen folgte die Umsetzung – doch die zog sich hin. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt habe lange gedauert, sagt Elkendorf, der im gleichen Atemzug die tolle Unterstützung der Behörde bei der Gründung hervorhebt.

Mitgliedschaft ab zehn Euro im Monat

Eine Mitgliedschaft im Verein „Traber-Herz“ kostet zehn Euro pro Monat. „Nach oben gibt es natürlich keine Grenze“, sagen Elkendorf und Diekhoff. „Das Geld kommt eins zu eins guten Zwecken zugute.“ Zum einen wohltätigen. Als Beispiele nennt Elkendorf eine Rutsche für die Kita und die Unterstützung von Vereinen bei der Beschaffung von Materialien. „Auch der Adressat muss gemeinnützig sein“, betont Diekhoff. Mildtätig kann der Verein ebenfalls unterstützen – zum Beispiel Familien, die in Not geraten sind. Die Bedürftigkeit werde in Zusammenarbeit mit dem Finanzamt und der Stadtverwaltung geprüft. „Wenn du unter dem doppelten Hartz-IV-Einkommen liegst, bist du berechtigt, Mittel für mildtätige Zwecke in Anspruch zu nehmen“, erklärt Diekhoff. Und Elkendorf ergänzt: „Dass wir mildtätige Zwecke verfolgen dürfen, macht den Verein einzigartig in der Region.“

Wichtig ist es den beiden Vorsitzenden, darauf hinzuweisen, dass die Mitgliedsbeiträge zu 100 Prozent Kindern und Jugendlichen zugute kämen. Die Beiträge seien gleichzeitig eine Spende und daher steuerlich absetzbar. Das Pferd, dessen Mitbesitzer die Mitglieder zugleich sind, werde über Spenden finanziert. Das heißt: „Von den Beiträgen geht nichts in das Pferd, es läuft komplett autark. Es kommen keinerlei Kosten und Verpflichtungen auf die Mitglieder zu“, betont Elkendorf.

Rodegang Elkendorf

Um das Trabrennpferd mit dem Namen „Lilly Marleen H“ kümmert sich Tim Schwarma. Der Profifahrer aus der Gemeinde Weeze am Niederrhein trainiert die dreijährige Stute unentgeltlich. „Dort ist sie zum Selbstkostenpreis untergebracht“, sagt Elkendorf, der seit fünf Jahren selbst Trabrennsportler ist. Auch ein Hufschmied ist gefunden. Björn Spangenberg wird das Pferd kostenlos beschlagen.

Auf Dauer soll „Lilly Marleen H“ Gewinne bei Rennen erwirtschaften, die wiederum für Aktionen von „Traber-Herz“ genutzt werden. „Es ist quasi eine eigene kleine Wohltätigkeits-Lotterie“, sagt Diekhoff. Die Qualifikation zum Trabrennpferd hat die Stute bereits absolviert. Eine Durchschnittszeit von 1:25 Minuten pro Kilometer war gefordert, sie schaffte Anfang Juni eine 1:18,5. „Das ist eine sensationell schnelle Zeit“, weiß Elkendorf.

20 Starts pro Jahr

Rund 20 Starts pro Jahr sind geplant. Im Sulky werden der Trainer und Nachwuchsfahrer sitzen. Der Vorteil: Junge Amateurfahrer bekommen die besten Startplätze. Die Mitglieder werden über die Entwicklung und die Starts von „Lilly Marleen H“ auf dem Laufenden gehalten, die Rennen im Internet übertragen.

Stand 9. Juli hat der gemeinnützige Verein bereits 30 Mitglieder. Bei 100 Mitgliedern käme „Traber-Herz“ auf Beiträge von 12 000 Euro im Jahr. „Das ist eine Summe, mit der du was bewegen kannst“, sagt Elkendorf. Er, Diekhoff und die acht anderen Gründungsmitglieder aus Stewwert – den Verein zu führen, ist schließlich mit Arbeit verbunden – erhoffen sich großen Zuspruch.

Denn „Traber-Herz“ will nicht nur Gutes tun, indem der Verein mild- und wohltätige Zwecke verfolgt, sondern hat es sich auch zur Aufgabe gesetzt, Kinder und Jugendliche mit dem „extrem teuren Pferdesport“ (Elkendorf) vertraut zu machen und ihnen den Umgang mit den Tieren zu ermöglichen. „Wir wollen wegkommen vom elitären Ruf, Gestüte und Trabrennbahnen besuchen und Kindern die Gelegenheit bieten, im Sulky zu sitzen.“ Für den Herbst planen die Verantwortlichen, einen Bus zu chartern und mit Kindern und Jugendlichen einen Tag auf einem Pferdehof zu verbringen.

Zu erreichen ist der Verein „Traber-Herz“ per E-Mail an mail@traberf-herz.de. Die Internetseiten befinden sich derzeit im Aufbau.

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