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Translozierung eines Hofgebäudes aus Vellern nach Drensteinfurt in Planung

Neue Heimat für vernachlässigtes Denkmal

Drensteinfurt

Noch steht das alte Hofgebäude in einer Bauerschaft im Beckumer Ortsteil Vellern. Dort soll es abgebaut und originalgetreu in Drensteinfurt wieder aufgebaut werden. So zumindest sehen es bisherige Pläne vor. Translozierung nennen Fachleute diesen besonderen Umzug.

Dieses Hofgebäude, das derzeit noch in einer Vellerner Bauerschaft steht Foto: privat

Translozierung: Dieser Begriff gehört eher nicht in den alltäglichen Wortschatz von Max und Erika Mustermann. Er beschreibt das Verfahren des dokumentierten Abbaus eines Gebäudes, seines Transports an einen neuen Standort und seines möglichst originalgetreuen Wiederaufbaus. Über die Pläne einer solchen Gebäudeversetzung ist jüngst der Schul-, Kultur- und Sportausschuss der Stadt Beckum informiert worden. Das Ziel der Reise soll Drensteinfurt sein.

Denkmal ist vernachlässigt

Wie den öffentlich zugänglichen Sitzungsunterlagen zu entnehmen ist, geht es um ein Hofgebäude in der Bauerschaft Hesseler im Ortsteil Vellern. Es sei mit der Objektnummer 203 in die Denkmalliste der Stadt Beckum eingetragen und befinde sich gegenwärtig in einem vernachlässigten Zustand, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Erhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen sind in den letzten Jahrzehnten ausgeblieben. Der Eigentümer hat wiederholt vorgetragen, dass eine wirtschaftliche Nutzung des Baudenkmals am jetzigen Standort nicht möglich sei.“

Schädigungen durch die nahe Autobahn

Als Hauptgrund führt der Eigentümer die Emissionen der nur 100 Meter entfernt liegende A 2 an. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) habe sich nach mehreren Ortsterminen dieser Einschätzung angeschlossen. Durch eine Translozierung könne dem öffentlichen Interesse am Erhalt des Baudenkmals Rechnung getragen werden. Nun hat sich in Drensteinfurt offenbar ein Interessent für das Objekt gefunden.

Derzeit ist ein Ahlener Architekturbüro damit beauftragt, die Gebäudeversetzung zu planen, heißt es in der Vorlage. Das Verfahren sehe vor, dass zunächst eine denkmalrechtliche Erlaubnis zur Versetzung und vorherigen Restaurierung bei der zuständigen Unteren Denkmalbehörde der Stadt Beckum beantragt werde. Das Amt werde nach Prüfung der Pläne Kontakt zum LWL herstellen. Vor dem Abbau des Baudenkmals müsse eine weitere Erlaubnis zur Löschung des Baudenkmals aus Beckums Denkmalliste beantragt werden; gleichzeitig müsse die Untere Denkmalbehörde der Stadt Drensteinfurt das translozierte Objekt in ihre Denkmalliste eintragen lassen.

Vierständer-Fachwerkhauses an sich ist denkmalwürdig

Der LWL habe bereits eine gutachterliche Stellungnahme verfasst, berichtet Beckums Bauamt weiter: „Darin heißt es, dass grundsätzlich die Versetzung eines Baudenkmals in nahezu allen Fällen nicht ohne Verlust der Denkmaleigenschaft möglich ist.“ Denn Objekt und Umgebung führten in der Regel zu einer starken denkmalkonstituierenden Abhängigkeit voneinander. In diesem Fall erscheine eine Versetzung an einen anderen Standort jedoch möglich. „Die Bedeutung des Baudenkmals wird maßgeblich von dessen Konstruktionsform und deren künstlerisch-handwerklicher Ausführung bestimmt. Diese Eigenschaften vermögen die sich aus der Verortung resultierende städtebauliche Bedeutung bei Weitem zu übertreffen.“ Heißt: Bei diesem Baudenkmal ist der Standort eher zweitrangig, die Bauweise des Vierständer-Fachwerkhauses an sich ist denkmalwürdig.

Der LWL gibt drei wesentliche Faktoren für den Erhalt der Denkmaleigenschaft vor: erstens eine fachgerechte Reparatur und Sicherung der Konstruktion am jetzigen Standort, zweitens eine substanzschonende Versetzung und drittens die Wiederaufstellung im gleichen Kulturraum, dem östlichen Münsterland.

Standort in Drensteinfurt ist noch offen

Ein solcher wäre mit dem nur rund 30 Kilometer entfernt liegenden Drensteinfurt wohl gefunden. Wohin genau das Baudenkmal versetzt werden könnte, dazu will die Untere Denkmalbehörde der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion derzeit keine Auskunft geben. Die Angelegenheit sei „noch nicht in trockenen Tüchern“

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