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Thema „Textilien“ in der Teamschule

„Faire Woche“: Raus aus dem „Klamotten-Wahn“

Drensteinfurt

Dass das Prinzip der „Globalisierung“ durchaus seine Grenzen hat, erlebt Europa derzeit vor allem auf dem Energiemarkt. Dass es aber auch viele andere Gründe dafür gibt, die rein menschlichen Folgen der Weltwirtschaft durchaus in Frage zu stellen, demonstrieren zurzeit die Teamschüler im Rahmen der „Fairen Woche“ der Stadt.

Die Resonanz auf die Befragung war gewaltig. Im Schulforum präsentierten die Schüler Henrik Helmer, Maurice Berger und Fabjola Shembi sowie Projektleiterin Elisabeth Juhl (v.l.) das stattliche Ergebnis. Foto: Dietmar Jeschke

Es funktioniert letztendlich nur durch eine Bewusstseinsänderung. Und die erreicht man bekanntlich nur, indem man das Gespräch sucht und sein Gegenüber zum Nachdenken anregt, um so am Ende tatsächlich an dessen innerer Einstellung zu „feilen“.

Genau das haben Lehrerin Elisabeth Juhl und die Schüler der Fairtrade-Gruppe der Teamschule in den vergangenen Tagen versucht. Im Rahmen der „Fairen Woche“, in deren Mittelpunkt in diesem Jahr vor allem das Thema „Textilien“ stand, haben die Schüler Henrik Helmer, Fabjola Shembi und Maurice Berger sowie die übrigen Aktiven der Gruppe den Dialog mit ihren Mitschülern gesucht – verbunden mit zwei eigentlich „ganz einfachen“ Fragen: „Was ist für dich ein gutes Leben?“. Und: „Was kannst du tun, damit alle Menschen ein gutes Leben führen können?“.

Der Reigen an Antworten ist nicht nur inhaltlich, sondern auch umfänglich mehr als vielfältig. Denn an der großen Wand im „Mensa-Forum“ prangt seit dieser Woche eine mehrere Meter lange Plakatwand mit unzähligen Gedanken, Vorschlägen, Meinungen und Anregungen. Das Besondere: „Die Schüler gehen dort nicht einfach vorbei. Sie bleiben auch in den Pausen stehen um zu lesen, was Mitschüler und Lehrer über das Thema so denken“, schildert Projektleiterin Elisabeth Juhl.

Apropos Lehrer: Sie waren natürlich auch eingebunden – und das nicht nur organisatorisch, sondern auch inhaltlich. Im Zuge der Motto-Woche hatten die Pädagogen zunächst den Mitgliedern der Fairtrade-Gruppe die Klassen geöffnet, damit sie dort ihr Projekt vorstellen konnten. Und als es um das Ausfüllen der bunten Antwortkärtchen ging, waren eben auch die Klassenlehrer gefragt. Die Resonanz, schildert Neuntklässler Henrik Helmer, sei überaus positiv gewesen – und das bis hinunter in den Eingangsjahrgang, der sich ganz besonders interessiert gezeigt habe. Sowohl den Fünftklässlern wie auch den älteren Teamschülern hatten Elisabeth Juhl und ihre jugendlichen Mitstreiter zuvor einiges über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern berichtet, in denen vielfach vor allem junge Menschen gefordert sind, um lange Schichten unter desolaten Bedingungen für einen Minimallohn zu schieben, damit die eigene Familie überleben kann – und in westlichen Ländern Jeans, T-Shirts und Turnschuhe zu Kampfpreisen angeboten werden können.

Aspekte, die sich in den Hunderten von Antworten der Schüler und Lehrer durchaus widerspiegeln. Denn befragt danach, was ihnen selbst „für ein gutes Leben wichtig ist“, stand die Familie meist ganz oben auf der Liste – oft gefolgt von Stichworten wie „Gesundheit“, „Freunde“, „Haus“ oder „Essen und Trinken“. Dinge, die bekanntlich viele Altersgenossen der Teamschüler in Asien, Afrika und Südamerika nicht oder längst nicht ausreichend haben. Wie sich das ändern lässt? „Kleidung spenden, wenn sie zu klein ist“, lautet ein Vorschlag. „Fair gehandelte Produkte kaufen“, ein anderer. Aber nicht nur so lassen sich menschenwürdige Arbeitsbedingungen schaffen, lebenswichtige Ressourcen sparen und dem vor allem für viele Entwicklungsländer schon jetzt lebensbedrohlichen Klimawandel Einhalt gebieten. Denn handeln, so die Meinung der Teamschüler, lasse sich auch auf andere Weise ganz konkret vor Ort. „Mietwohnungen anstatt Häuser bauen“, heißt es etwa in einer Stellungnahme. Und was das eingangs erwähnte Motto-Thema „Textilien“ betrifft, so könnte sicher auch getrost auf das eine oder andere neue Kleidungsstück verzichtet werden, wenn denn das alte einfach aufgetragen und dazu mancher Modetrend einfach ignoriert würde, meinen nicht wenige der Sekundarschüler und Lehrer.

Die Idee zur gesamten Aktion, betont Pädagogin Elisabeth Juhl abschließend, sei übrigens allein aufseiten der Schüler entstanden und entwickelt worden. „Ich selbst habe sie nur organisatorisch begleitet“, sagt sie.

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