1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Drensteinfurt
  6. >
  7. „Singen tut einfach gut“

  8. >

75 Jahre Kirchenchor „Cantate Domino“ Walstedde

„Singen tut einfach gut“

Walstedde

Vor wenigen Wochen, an Christi Himmelfahrt, jährte sich bereits zum 75. Mal die Geburtsstunde des Kirchenchores der Pfarrei St. Regina, der seit dem Jahr 2019 unter dem Namen „Cantate Domino“ firmiert und vorher besser als „Kirchenchor St. Lambertus Walstedde“ bekannt war. Sein Markenzeichen ist Offenheit und Leidenschaft.

Von Simon Beckmann

Das Adventskonzert in der St.-Lambertus-Kirche ist stets das Highlight im Jahresprogramm des Kirchenchores. Foto: Simon Beckmann

Mit ihrem Gesang erreichen sie die Herzen der Menschen und lassen für einen Moment die Alltagssorgen verschwinden. Mit ihrer Offenheit schaffen sie eine Wohlfühloase für jeden, der sich den Sängerinnen und Sängern anschließen will. Und mit ihrer Leidenschaft zur Musik begeistern sie während ihrer Auftritte regelmäßig das Publikum – und das bereits seit 1946. Vor wenigen Wochen, an Christi Himmelfahrt, jährte sich bereits zum 75. Mal die Geburtsstunde des Kirchenchores der Pfarrei St. Regina, der seit dem Jahr 2019 unter dem Namen „Cantate Domino“ firmiert und vorher besser als „Kirchenchor St. Lambertus Walstedde“ bekannt war.

„Gesang und Geselligkeit waren und sind bei uns immer miteinander verbunden. Wir nehmen jeden mit offenen Armen auf“, erklärt Vorsitzende Marianne Wiebusch, was sie an der Gemeinschaft des Chores so schätzt. Ebenso weiß sie um die Wichtigkeit des Kirchenchores. Schließlich verbinde das Singen die Menschen und rege das Miteinander an. „Singen tut einfach gut“, bringt sie es auf den Punkt.

Singen verbindet Menschen

Das schienen auch schon die Lambertusdörfler vor mehr als 75 Jahren zu wissen. Die Gründung des heutigen Kirchenchores geht nämlich auf einen Zusammenschluss zweier Gruppen – eines Damenchores und einer Choralgruppe – zurück. Ersterer wurde von Käthe Koch gegründet, um sich bei den Bürgerinnen und Bürgern für die Aufnahme im Lambertusdorf zu bedanken. „Sie kam im Krieg aus Münster nach Walstedde, um sich hier zu erholen“, berichtet Wiebusch. 1945 folgte dann der erste Auftritt des Damenchores.

Bereits vor dem Krieg hatte der Organist und damalige Küster Johannes Peiler eine Choralgruppe mit einigen Männern ins Leben gerufen, die sich zum wöchentlichen Proben getroffen hatten, bis sie ihren Kriegsdienst ableisten mussten. Erst als der Küster aus der Gefangenschaft zurückkehrte, fanden wieder Proben statt. „1946 beschlossen die beiden Chorleiter dann, als gemischter Chor aufzutreten“, sagt die heutige Vorsitzende. „Der erste Auftritt war an Ostern 1946, die offizielle Gründung der Chorgemeinschaft Walstedde an Christi Himmelfahrt.“ Die musikalische Leitung habe damals „Töne“ Vliex übernommen, der von allen nur „Mozart“ genannt worden sei.

Zusammenschluss aus Damenchor und Choralgruppe

Seitdem verzaubert die Gesangsgemeinschaft – das jüngste Mitglied ist 40, das Älteste 87 – das Publikum. Als musikalische Höhepunkte lassen sich unter anderem die feierliche Messe anlässlich des 700-jährigen Bestehens der Pfarrgemeinde im Jahr 1976, die Schubertmesse 1997 oder die Krönungsmesse von Mozart 2015 nennen. Aber auch bei den Altarweihen in Walstedde (1987), Ameke (1998) und Drensteinfurt (2008) wirkte der Chor musikalisch mit.

Heute gehört der Gesang der Sängerinnen und Sänger etwa an Ostern, Fronleichnam, Allerheiligen oder Weihnachten zu den festen Terminen im Jahreskalender. Ebenfalls tritt der Kirchenchor während des Wallfahrt-Gottesdienstes in Telgte oder bei verschiedenen Maiandachten auf. „Die eine oder andere Schützenmesse haben wir ebenso schon mitgestaltet oder bei vereinsinternen Geburtstagen, Ehejubiläen oder Beerdigungen unserer verstorbenen Mitglieder gesungen“, erläutert Wiebusch. Hinzu würden „weltliche Auftritte“ wie etwa beim Dorftag in Walstedde oder beim Weihnachtsmarkt in Drensteinfurt kommen. „Auch bei der Markplatzeinweihung in Stewwert, bei einem Fernsehgottesdienst und einer Radiomesse sind wir aufgetreten“, schildert sie.

Zum jährlichen Highlight lädt „Cantate Domino“ immer am dritten Advent ein. Dann veranstaltet der Kirchenchor in der Walstedder St.-Lambertus-Kirche sein traditionelles Adventskonzert, dessen Ursprung auf das Jahr 1976 zurückgeht. „Damals haben sich Klaus Finck mit dem Kirchenchor und Walter Gollan mit dem evangelischen Posaunenchor zusammengeschlossen, um eine ‚Kirchenmusikalische Andacht zum Advent‘ zu veranstalten“, weiß Wiebusch. Diese besinnliche Feierstunde sei so gut angekommen, dass sie fortan jedes Jahr angeboten wurde. Im Laufe der Jahre entwickelte sich daraus dann das Adventskonzert. Für zehn Jahre, von 1991 bis 2001, wirkte dabei zudem der evangelische Kirchenchor Herbern-Walstedde unter der Leitung von Marie-Luise Voß mit. „Von dieser gelebten Ökumene und den gesammelten Erfahrungen schwärmen noch heute viele Chormitglieder.“

Zum Proben treffen sich die 50 Sängerinnen und Sänger ein Mal wöchentlich im Alten Pfarrhaus. Darüber hinaus veranstaltet der Kirchenchor verschiedene Ausflüge. Bislang war die Gesangsgemeinschaft bereits in Einbeck, Celle, Berlin, Worms, Papenburg, Wiesbaden, Bocholt und Belgien. Am letzten Probentag vor den Sommerferien wird immer gemütlich gegrillt.

Gefeiert wird das 75-jährige Jubiläum übrigens erst im kommenden Jahr. „Wir haben das coronabedingt auf 2022 verschoben“, erklärt Wiebusch, die auf eine Möglichkeit hofft, das diesjährige Adventskonzert stattfinden zu lassen. Wie die Jubiläumsfeierlichkeit genau aussehen soll, steht noch nicht fest. Eine Sache allerdings schon: Gesang und Geselligkeit sollen wieder miteinander verbunden werden.

Personen

Von 1946 bis 1965 war Theo Greive Vorsitzender des Kirchenchores. Danach übernahmen Alfons Scheffer (1965 bis 1971), Hedwig Schmoranz (1971 bis 1999), Margret Borgschulte (1999 bis 2007), Klaus Gawlista (2007 bis 2015) und Gabriele Lassner (2015 bis 2019) dieses Amt. Aktuell ist Marianne Wiebusch die erste Vorsitzende. Geleitet wird der Chor seit 2002 von Kantorin Miriam Kaduk. Ihre Vorgänger waren Klaus Finck (1975 bis 2002), Studiendirektor Ferdinand Huismann (1972 bis 1975) und „Töne“ Vliex (1946 bis 1969). Von 1969 bis 1972 fanden aufgrund einer Erkrankung des damaligen Chorleiters keine Proben statt. Als Präses begleiteten Pfarrer Clemens Konermann (1946 bis 1954), Vikar Joseph Kramer (1954 bis 1961), Pfarrer Antonius Raußen (1961 bis 1973), Pfarrer August Oberwies (1974 bis 2000), Pfarrer Dieter Trockel (2000 bis 2001), Pfarrer Matthias Hembrock (2001 bis 2015) und Pfarrer Martin Goebel (2016 bis 2018) den Kirchenchor. Seit 2018 ist Pfarrer Jörg Schlummer der Präses der Gesangsgemeinschaft. -sibe-

Startseite