Walstedder Kolpingsfamilie wird 60 Jahre alt

Sozial, religiös und umweltbewusst

Walstedde

Ihre Mitglieder haben eine bewegte Geschichte erlebt – mit vielen Höhen, aber auch mit einigen Tiefen. Dennoch ist die Walstedder Kolpingsfamilie ihren Prinzipien immer treu geblieben. In diesem Jahr steht der 60. Geburtstag an. Gefeiert wird jedoch – vorerst – nicht.

Von Simon Beckmannund

Vorsitzender Hans-Jürgen Thamm hält die Gründungsurkunde in den Händen. In den 60 Jahren Kolpinggeschichte ist viel passiert. Bereits 88 Mal wurden Schrott- und Altkleider gesammelt. Früher wurde auch Fußball gespielt und Karneval gefeiert. Foto:

Es ist zwar nicht der größte Verein im Lambertusdorf, dafür aber sicherlich einer der aktivsten: Denn die Walstedder Kolpingsfamilie bietet normalerweise Jahr für Jahr ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm – gespickt mit Veranstaltungen aus Kirche, Umwelt, Sozialem und Geselligem – an, das stets gut besucht und wahrgenommen wird. In diesem Jahr nun würde unter normalen Umständen auch eine ganz besondere Feier anstehen. Schließlich gibt es den katholischen Sozialverband im Lambertusdorf seit dem 23. April 1961 und damit seit 60 Jahren. Coronabedingt liegen die Planungen für die Party aber erst einmal auf Eis.

Entstanden ist die Kolpingsfamilie in Walstedde aus dem damaligen Gewerbeverein, einer örtlichen Vereinigung selbstständiger Handwerker und Geschäftsleute. „Es gab Probleme in der Organisation und Betreuung, und deswegen wurde während der Jahreshauptversammlung 1960 gefordert, dass etwas passieren muss“, weiß Hans-Jürgen Thamm, der heute die Kolpingsfamilie leitet. Als Vorschlag unterbreiteten Eduard Lindfeld und Bäckermeister Willi Becker den Mitgliedern, eine Kolpingsfamilie zu gründen. „Das fanden die Anwesenden gut. Also konnten entsprechende Vorbereitungen eingeläutet werden“, berichtet Thamm. Nach einiger Arbeit im Hintergrund – unter anderem wurde mit Probst Clemens Konermann gesprochen, der seine Unterstützung mit den Worten „Der Probst steht dahinter“ zusicherte – folgte am 24. März 1961 der Gründungsbeschluss. „Schon zu diesem Zeitpunkt waren 44 Personen dem Verein beigetreten“, erzählt Thamm.

Einen Monat später, am 23. April, wurde die Kolpingsfamilie dann feierlich gegründet. Nach einer Gemeinschaftsmesse mit Bannerweihe ging es für alle Beteiligten in die Gaststätte Menninghaus, um dort den Gründungsakt, welcher musikalisch vom Kolpingchor Sendenhorst begleitet wurde, zu vollziehen.

In den nachfolgenden Jahren wuchs die Anzahl der Mitglieder stetig an. Zudem bot die Walstedder Kolpingsfamilie neben geselligen Zusammenkünften auch verschiedene Bildungsmaßnahmen an. „Kolping war damals auch länderübergreifend aktiv. Drei Kolpingbrüder haben 1964 eine Kapelle in Österreich gebaut“, erläutert Thamm. Regelmäßig wurde auch zu Theaterstücken eingeladen. Zudem wurde 1963 der Jungkolping gegründet.

Mitte der 1970er-Jahre wurde der Zusammenhalt des katholischen Sozialverbands im Lambertusdorf allerdings auf die Probe gestellt. „Der Verein stand kurz vor der Auflösung. Es kriselte, weil die Veranstaltungen kaum noch besucht wurden“, erinnert sich der heutige Vorsitzende. Die Lösung sei ein Krisengipfel mit dem damaligen Präses Pfarrer August Oberwies gewesen. „Eine Neugründung wurde beschlossen. Es war ein Aufstieg wie der Phönix aus der Asche“, zitiert Thamm aus der Rede zum 50. Jubiläum vor zehn Jahren und ergänzt: „Der Verein blühte nach seiner tiefen Krise rasch wieder auf.“

Als Beweis konnte man die Mitgliederzahl heranziehen, die in den 1980er-Jahren auf 188 anwuchs. Ein Grund für den Erfolg waren drei Jungkolping-Gruppen. „Vor allem beim Fußball waren wir immer richtig gut“, sagt Thamm. „Unser bestes Ergebnis war der dritte Platz bei den Diözesanmeisterschaften“, fügt er hinzu. Außerdem wurden in dieser Zeit Veranstaltungen wie die mittlerweile traditionelle Schrott- und Altkleidersammlung ins Leben gerufen. „Zu Beginn haben wir auch noch Papier gesammelt. Irgendwann hat die Stadt dann die entsprechende Mülltonne eingeführt“, blickt der erste Vorsitzende zurück. Davor habe die Kolpingfamilie aber 700 Tonnen Papier zusammentragen können. „Mittlerweile sind wir bei 88 durchgeführten Sammlungen. Dabei sind seit 1976 rund 2580 Tonnen Schrott und 125 Tonnen Altkleider zusammengekommen“, bilanziert er.

Ende der 1980er-Jahre folgte dann die Auflösung des Walstedder Jungkolpings. Die Ursache seien – so Thamm – mangelndes Interesse der Kinder und Jugendlichen an dem Verein sowie eine berufliche Veränderung der damaligen Gruppenleiter gewesen. Dementsprechend nahm die Mitgliederzahl in den folgenden Jahren immer weiter ab.

Was dagegen blieb, war ein buntes und abwechslungsreiches Programm, das auf den „drei Säulen“ der Walstedder Kolpingsfamilie – das sind familienhafter Gemeinschaftssinn, Kirche und Soziales sowie Umweltbewusstsein – beruht. „Schützenfeste, Kochkurse, Wanderungen, die Gestaltung von Messen und Andachten, Besichtigungen verschiedener Institutionen oder die Schrott- und Altkleidersammlungen“, nennt Thamm nur einige von vielen Aktivitäten. Zu diesen zählen seit vielen Jahren auch die Europatouren, die im Jahreskalender immer einen Höhepunkt darstellen. „Wir waren unter anderem schon in Prag, Dresden, Amsterdam, Rom, Brügge oder Straßburg“, bemerkt der Vorsitzende, der diese Fahrten organisiert. Groß gefeiert wird das 60-jährige Jubiläum übrigens nicht. „Wir haben wegen der Pandemie kein Programm geplant. Da setzen wir auf Spontaneität“, sagt Thamm. Der Vorstand würde die Mitglieder – das sind zurzeit 63 – rechtzeitig informieren.

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