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Grabstätte von Günter Udo Terhoch

Stein hat auch Symbolcharakter

Drensteinfurt

20 Jahre nach der Rückkehr in seine alte Heimat und drei Jahre nach seinem Tod hat sich der Kreis für Günter Udo Terhoch geschlossen. Seine letzte Ruhestätte auf dem jüdischen Friedhof hat nun auch einen Grabstein erhalten, der im Beisein seiner Witwe enthüllt worden ist.

Von Nicole Everingund

Nun hat die letzte Ruhestätte von Günter Udo Terhoch auf dem jüdischen Friedhof auch einen Grabstein. Foto: Foto: Nicole Evering

Günter Udo Terhochs Rückkehr in die Stadt seiner Kindheit jährt sich in diesen Tagen zum 20. Mal. Im Juni 2001 kamen er und seine Frau Beatriz Gil Terhoch aus dem brasilianischen Sao Paulo nach Drensteinfurt zurück, mehr als 60 Jahre nach der Vertreibung seiner Familie durch die Nazis. 2018 starb er im Alter von 84 Jahren und wurde auf dem jüdischen Friedhof an der Kleiststraße bestattet. Dort schloss sich am Dienstagabend ein Kreis.

Denn nun, drei Jahre später, hat das Grab auch einen Stein. „Und dafür bedurfte es einer aufmerksamen Mitbürgerin“, richtete Bürgermeister Carsten Grawunder seinen Dank an Bettina Reher, die vor dessen Tod guten Kontakt zu Günter Udo Terhoch gehabt hatte.

Für die Ewigkeit

Mit ihrem Wunsch, einen Grabstein fertigen zu lassen, hatte sich Reher an den Synagogenverein gewandt, dessen Vorsitzender Heiko Schwarz die Idee gerne aufgriff. „Hier war etwas unvollständig, das wir zu Ende bringen mussten. Erst jetzt ist es eine vollständige Begräbnisstätte.“ Wie für jüdische Gräber üblich, werde es für die Ewigkeit Bestand haben. „Der Grabstein dient auch als Stein des Anstoßes für Gespräche. Und er hat einen enormen symbolischen Charakter“, betonte Schwarz, der als Lehrer der Teamschule auch die politische und geschichtliche Bildung in diesem Bereich im Blick hat. Es sei unser aller Aufgabe, jeglicher Form von Antisemitismus entgegenzutreten – „egal ob von rechts oder von links“.

Die Enthüllung des Grabsteins nahmen Terhochs Witwe Beatriz Gil Terhoch und Bürgermeister Carsten Grawunder vor. Foto: Foto: Nicole Evering

Diesen Worten schloss sich Bürgermeister Carsten Grawunder an: Die Vergangenheit habe eine Wunde hinterlassen, die man nie ganz schließen könne. Sie dürfe sich niemals wiederholen, „da sind wir alle gefordert“. Er selbst habe Terhoch nicht persönlich gekannt, wertete es aber als schönes Signal, dass dieser in seine Heimat zurückgekehrt war und offenbar mit dem Erlebten habe abschließen können.

Heiko Schwarz, Vorsitzender Synagogenverein

Mit dem Rückhalt aller vier Ratsfraktionen sei Bettina Rehers Idee dann umgesetzt worden. „Sie wäre sogar persönlich bereit gewesen, für die Finanzierung des Grabsteins aufzukommen“, erläuterte Grawunder, der aber fand: „Das geht gar nicht.“ In Absprache mit dem Synagogenverein habe die Stadt dann eine Spende getätigt, mit der der Grabstein beim Rinkeroder Steinmetzbetrieb Werner Schlüter in Auftrag gegeben werden konnte.

„Es ist ein Kalksandstein aus der Nähe von Hannover“, erklärte Steinmetz Klaus Habicht zur Herkunft des Materials. Die Schrift auf dem aus einem Stück gearbeiteten Grabstein sei handgezeichnet und nicht, wie heute oft üblich, per Sandstrahl oder Computer aufgebracht.

Jüdisches Trauergebet

Die Enthüllung des Grabsteins nahmen Terhochs Witwe und der Bürgermeister gemeinsam vor, nachdem Archivar Dr. Ralf Klötzer zwei Gebete vorgetragen hatte, darunter das jüdische Trauergebet, das typischerweise bei Beerdigungen gesprochen wird. Zu der kleinen Gedenkfeier hatten sich auch Vertreter aller Fraktionen, Ortsvorsteher Josef Waldmann, Teamschulleiterin Anja Sachsenhausen sowie das Ehepaar Dr. Kurt und Dr. Sabine Omland eingefunden, die sich als langjährige Vorsitzende des Synagogenvereins sehr um die Aufarbeitung der Schicksale der jüdischen Mitbürger verdient gemacht haben.

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