Drensteinfurter Tafel bedient Kunden mit dem Lastenrad

Umweltfreundlicher Lieferservice

Drensteinfurt

Es gibt Kunden, die meiden den persönlichen Kontakt aus Gründen des Coronaschutzes. Andere sind nicht mehr so gut zu Fuß. Für sie hat sich das Team der Tafel-Ausgabestelle nun eine Lösung einfallen lassen: Ab sofort gibt es einen Lieferservice per E-Lastenrad.

Von Dietmar Jeschkeund

Nach einigen Probe-Kilometern hatte Brigitta Hörbelt den „Dreh“ raus. Sie liefert ab sofort mit dem Lastenrad samt E-Unterstützung Lebensmittelkisten an Drensteinfurter Tafelkunden aus, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Foto: Dietmar Jeschke

Es ist – Dank elektronischer Unterstützung – nicht unbedingt viel Kraftaufwand erforderlich. Dafür aber doch ein wenig Übung. „Anfangs hat man das Gefühl, man kippt um“, lacht Brigitta Hörbelt. Doch nach den ersten Proberunden hatte sie den sprichwörtlichen „Dreh“ rasch heraus. Und die ersten Einsatzkilometer kann sie mittlerweile auch vorweisen. Einmal pro Woche liefert sie mit dem neuen Lastenrad Lebensmittel aus. Und zwar an Menschen, die auf Grund der Corona-Pandemie auf unnötige Kontakte verzichten wollen oder müssen. Oder an solche, die auf Grund ihres Alters nicht mehr so gut zu Fuß sind, um sich selbst während der Öffnungszeiten der Tafel-Ausgabestelle an der Wagenfeldstraße einzudecken.

So auch am Dienstagmorgen, als bereits kurz nach der Öffnung reger Betrieb in den Tafel-Räumlichkeiten herrschte. Während sich die Helfer hinter der Ladentheke um die Kundenwünsche kümmerten, wurden im Lager fleißig Kartons für die Auslieferung gepackt. Und zwar mit so eigentlich allem, was es zum Leben braucht: Brot, Milchprodukte, Obst und Gemüse, das Rudi Naerger und seine Fahrerkollegen zuvor von den örtlichen Märkten eingesammelt hatten. Und das nicht mehr nur mit Hilfe des recht schnuckeligen kleinen E-Autos samt Kühlaufbau, das der Verein kurz nach Öffnung der Ausgabestelle angeschafft hatte. Denn zum Fuhrpark gehört mittlerweile ein gleichfalls elektrischer Nissan-Transporter, den die Aktiven vor allem aus Mitteln der Pfandspenden-Aktion des Discounters Lidl vor einigen Monaten anschaffen konnten.

„Das Problem war einfach, dass wir mit dem kleinen Fahrzeug keine Paletten transportieren konnten“, schildert Tafel-Kassiererin Petra Holler-Kracht. Gerade Paletten sind es aber, die die Supermärkte gerne im Vorfeld mit Waren zusammenstellen, die für den Verkauf nicht mehr unbedingt, für den Verzehr aber sehr wohl noch geeignet sind. „Wir mussten teilweise die Kollegen in Ascheberg bitten, ob sie uns nicht noch eine Palette vorbeibringen können“, schildert Rudi Naerger, zweiter Vorsitzender der Drensteinfurter Tafel.

Nach langem Vorlauf hatte die Drensteinfurter Ausgabestelle im April vor zwei Jahren erstmals ihre Pforten geöffnet. Mittlerweile hat sich die Einrichtung fest etabliert. Zum registrierten Kundenstamm zählen rund 170 Haushalte mit etwa 360 Personen. Waren es anfangs vor allem Geflüchtete, die für Unterstützung dankbar waren, so hat sich die Klientel mittlerweile doch ein wenig geändert. „Es sind auch viele Rentner dabei“, schildert Rudi Naerger. In den vergangenen Monaten kamen einige temporäre Kunden hinzu, die durch Kurzarbeit in Folge der Corona-Pandemie finanziell ziemlich zu knapsen hatten.

Weitere Helfer sind willkommen

Damit alle Kunden mit allem, was notwendig ist, versorgt werden, sind jede Woche rund 25 Helfer im Einsatz. Und es dürften ruhig noch einige mehr sein. „Vor allem montags und freitags fehlen uns Leute, um das Gemüse zu sortieren“, berichtet Petra Holler-Kracht. Doch auch im Fahrdienst herrscht mitunter Personalnot. Denn aus Angst davor, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren, haben sich einige Aktive vorübergehend ausgeklinkt. „Und ob die wiederkommen, müssen wir erst einmal abwarten“, schildert Rudi Naerger, der als „Mädchen für alles“ immer dann einspringt, wenn irgendwo „Not am Mann“ ist.

Weitere Unterstützung wünschen sich die Vereinsmitglieder aber auch in finanzieller Hinsicht. Es gebe zwar immer mal wieder Einzelspenden im Rahmen besonderer Aktionen – das Lastenrad etwa wurde mit Fördermitteln aus der einmaligen Corona-Sofort-Hilfe des Landes für die Tafeln in NRW angeschafft. Was der Verein jedoch ebenso dringend braucht, sind regelmäßige Einnahmen, um die laufenden Kosten für Miete – es wurde mittlerweile noch ein zusätzlicher Lagerraum am Ahlener Weg angemietet – sowie für Strom und Nebenkosten zu decken.

Infos für Helfer

Wer die Tafel bei der Sammlung, Sortierung und Ausgabe von Lebensmitteln unterstützen möchte, der findet weitere Infos unter tafel-drensteinfurt.de. Auf der Homepage gibt es zudem Hinweise zu den Ausgabezeiten und zu Spendenmöglichkeiten. Für persönliche Infos steht Kassiererin Petra Holler-Kracht unter ' 0151 / 64 81 26 70 zur Verfügung.

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