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Juristin Christine Olderdissen über das Gendern

Verhasst – und doch sinnvoll

Drensteinfurt

Die einen lieben es, die anderen hassen es: Auf Einladung des Unternehmerinnen-Netzwerks klärte Journalistin Christine Olderdissen in ihrem Vortrag „Genderleicht“ über Vorurteile und Fehler auf und erzählte, weshalb es in der Gesellschaft durchaus sinnvoll ist, an manchen Stellen zu gendern.

Von Pia Sofie Bartmann

Juristin und Journalistin Christine Olderdissen macht sich für eine Sprache stark, in der das Gendern alle mitnimmt – fair und inklusiv. Foto: Pia Sofie Bartmann

Wie kann man das Gendern elegant in die Sprache mit einbeziehen, ohne dass wichtige Formulierungen verkompliziert werden? Diese Frage stellte sich nicht nur die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Drensteinfurt, Elke Göller, sondern auch der Verein Unternehmerinnen-Netzwerk Drensteinfurt (UND).

„Schön, dass Sie alle den Weg hierher gefunden haben“, begrüßte Göller die Anwesenden in der Alten Post, bevor sie an Luise Richard, Sprecherin des UND, weitergab. „In meinem Beruf betreue ich Kunden, bei denen das Gendern ein großes Thema ist. Anfang des Jahres habe ich Christine Olderdissens Buch gelesen und mich entschlossen, sie zu einem Vortrag nach Drensteinfurt einzuladen“, so Richard.

Christine Olderdissen hat Rechtswissenschaften studiert und ihr Referendariat am Kammergericht in Berlin absolviert, bevor sie an der Deutschen Journalistenschule in München ihre Ausbildung zur Journalistin machte. Heute produziert sie Image-Filme, gestaltet Webseiten und ist seit Jahrzehnten fürs Fernsehen unterwegs.

Onlineportal für gendersensible Medienarbeit

Seit 2019 ist sie Projektleiterin bei Genderleicht.de, einem Onlineportal des Journalistinnenbundes für gendersensible Medienarbeit. Im Januar 2022 erschien ihr Buch „Genderleicht – Wie Sprache für alle elegant gelingt“. Auf Fortbildungen bringt sie Menschen das Thema Gendern näher und sorgt dafür, dass Vorurteile ausgeräumt werden.

„Das Gendern ist modern und zeitgemäß“, sagte Olderdissen direkt zu Beginn ihres Vortrages. Man könne auf angenehme Art und Weise eine Geschlechtergerechtigkeit in die Sprache einfügen, wenn man einige wichtige Regeln beachte. „Wir brauchen eine Sprache, die alle mitnimmt. Fair und inklusiv für Mann, Frau, Trans- und nicht-binäre Personen“, führte Olderdissen aus. So sei die maskuline Form heute nicht mehr aktuell. Es sei jedoch nie offen thematisiert worden, um wen es beim Gendern eigentlich genau geht, kritisierte sie.

Ein Fremdkörper im Wort

„Das Gender-Sternchen, über das sich viele aufregen und das als Fremdkörper im Wort gesehen wird, steht im Grunde einfach für die geschlechtliche Vielfalt der Menschen.“ Dabei gäbe es so viele Alternativen und Synonyme, die anstelle der maskulinen oder femininen Beschreibungen eingesetzt werden könnten und durch die man in den meisten Fällen sogar auf das Sternchen verzichten könne.

„Die Beidnennung ist zum Beispiel schon häufiger geworden. Man kann geschlechtsneutrale Ausdrücke verwenden oder eine gemischte Aufzählung, die auch das Lesen leichter macht“, so Olderdissen.

Bei all den kontroversen Diskussionen sei jedoch eine wichtige Menschengruppe völlig außen vor gelassen worden. „Niemand hat daran gedacht, dass der Gender­stern nicht barrierefrei ist“, betonte die Journalistin. „Blinde, sehbehinderte Personen, Menschen im Autismus-Spektrum oder mit wenig Erfahrung im Lesen stolpern immer wieder darüber und werden auch in der Programmierung ihrer Sprachcomputer komplett alleine gelassen.“ Das müsse sich ändern, und deshalb sei es wichtig, den Genderstern nur an den Stellen zu benutzen, an denen es sich nicht vermeiden lässt.

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