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Drensteinfurt macht bei Städtenetzwerk mit

Wer hat „Bock“ auf Klimaschutz ?

Drensteinfurt

Lüdinghausen hat sich aus dem Städtenetzwerk „Klimaschonende Entscheidungen“ zurückziehen müssen. Glück für Drensteinfurt, das den freien Platz einnehmen darf. Jetzt werden zwölf Haushalte gesucht, die sich in Sachen Klimaschutz im Alltag beraten lassen wollen.

Von Nicole Evering

Bei dem Projekt geht es um mehr Klimaschutz im Alltag, etwa Lebensmittel unverpackt einzukaufen oder das Lastenrad statt des Autos zu nutzen. Foto: dpa

Münster hat sich schon vor einiger Zeit auf den Weg in Richtung Klimaneutralität gemacht. Bis 2030 soll diese erreicht werden. Ein Baustein: Zuvor ausgebildete Klimatrainer helfen zwölf Familien dabei, Klimaschutz in ihren Alltag zu integrieren und das individuelle Verhalten nachhaltig zu verändern. Daraus hat sich das Städtenetzwerk „Klimaschonende Entscheidungen“ entwickelt, um diese Idee in die Breite zu tragen. Und durch einen glücklichen Zufall hat Drensteinfurt die Chance bekommen, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Düsseldorf, Bielefeld, Essen, Gelsenkirchen, Wuppertal, Bottrop und der Kreis Steinfurt haben sich in dem Netzwerk mit Vorreiter Münster zusammengeschlossen. Und auch die Stadt Lüdinghausen gehörte ihm an. Sie musste allerdings wegen Personalengpässen in der Verwaltung aus dem auf drei Jahre angelegten Projekt aussteigen. Drensteinfurt wird diese Lücke füllen, dafür hat sich der Stadtrat am Montagabend einstimmig ausgesprochen.

Gefördert von der Nationalen Klimaschutzinitiative

Schon im Juni hatte die CDU den Antrag gestellt, Klimatrainer nach münsterischem Vorbild auszubilden. Daraufhin hatte ein Arbeitskreistreffen unter Beteiligung des Essener Büros Gertec stattgefunden, das auch das Städtenetzwerk berät. „Wenngleich ich sofort Interesse an diesem Netzwerk bekundet habe, war eine Teilnahme zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr möglich, da das Projekt bereits als Fördermaßnahme bei der Nationalen Klimaschutzinitiative angemeldet war“, schrieb Bürgermeister Carsten Grawunder in der Beschlussvorlage.

Dann allerdings zog sich Lüdinghausen zurück. „Der Tausch von zwei Kommunen ist normalerweise nicht möglich“, betonte der Bürgermeister am Montag. In diesem Fall aber habe der Geldgeber, das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Zustimmung signalisiert. „Es hat mich gefreut, dass uns diese Möglichkeit eingeräumt wird“, so Grawunder – der insbesondere der Bürgerinitiative gegen Gasbohren (Bigg) dankte, auf deren Anregung hin der Kontakt zustande gekommen war.

Bürgermeister Carsten Grawunder

Zustimmung zur Projektteilnahme – die mit Kosten von rund 30.000 Euro, verteilt auf drei Jahre, verbunden sein wird – kam aus allen Fraktionen. „Alle Maßnahmen zum Klimaschutz sind gute Maßnahmen“, befand Bernhard Meyer (Grüne). Auch Sabrina Salomon (CDU) lobte die Initiative, stellte dabei jedoch infrage, ob man als kleiner Ort von Ideen aus Großstädten wie Düsseldorf oder Essen tatsächlich profitieren könne. „Wir müssen schauen, ob das am Ende Relevanz hat für uns.“ Denn neben den „Reallaboren“ in den Haushalten soll das Netzwerk in erster Linie dem Austausch und damit der Erzielung von Synergieeffekten dienen.

Nun sucht die Stadt insgesamt zwölf Familien oder Einzelpersonen, „die Bock haben, sich dem Thema zuzuwenden“, appellierte der Bürgermeister. Dabei soll es um mehr Klimaschutz bei Konsum und Ernährung, Wohnen und Energie sowie Mobilität gehen. Die Bürger sollen im Zuge des Projekts auch mit Anbietern von klimaschonenden Produkten und Dienstleistungen zusammengebracht werden. Markus Wiewel (CDU) ergänzte, dass dafür „ganz normale Verbraucher“ gesucht würden, also niemand, der sich jetzt schon intensiv mit dem Thema Klimaschutz im Alltag beschäftige. Der Effekt sei dann einfach größer.

CO2-Fußabdruck reduziert

In Münster habe im Schnitt jeder teilnehmende Haushalt innerhalb des Projektzeitraums seinen CO2-Fußabdruck um 2,5 Tonnen reduziert, heißt es in der Beschreibung von Gertec. „Die meisten haben viel mehr umgesetzt, als sie sich zu Anfang zugetraut haben: Das Auto wurde häufiger stehen gelassen, Urlaubsreisen bewusster geplant und auf Flugreisen verzichtet. Alte, stromfressende Kühlschränke wurden gegen neue ausgetauscht. In Workshops haben sie gelernt, Putzmittel selbst herzustellen und Lebensmittel haltbar zu machen. Die Haushalte eint eine besondere Erfahrung: Sie können aktiv etwas für den Klimaschutz tun, und das macht auch noch Spaß.“

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