Drensteinfurt will sich an Verbrennungsanlage in Wuppertal beteiligen

Wohin mit dem Klärschlamm?

Drensteinfurt

Klärrückstände sollen mit Blick auf die enthaltenen Schadstoffe künftig nicht mir in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Aufgrund der gesetzlichen Neuregelung sucht die Stadt nun nach Entsorgungsalternativen – und will sich an einem Großprojekt in Wuppertal beteiligen.

Dietmar Jeschke

Ohne die Kläranlage wäre ein normales Leben in der Stadt nicht möglich, landet doch jede Badewannenfüllung und Toilettenspülung hier. Derzeit wird die Anlage umfassend modernisiert. Foto: Dietmar Jeschke

Viele jahrzehntelang war die Antwort einfach: Das, was im Klärbecken übrig bleibt, landet als Dünger auf dem Acker. Genauso, wie es eben auch mit der Gülle aus der Landwirtschaft passiert. Mittlerweile sieht die Sache allerdings nicht nur bei der Gülle ein wenig komplizierter aus. Da Klärschlamm oft mit einem hohen Anteil an Schadstoffen belegt ist, wird sein Einsatz als Dünger zunehmend kritisiert. Wie einigen Quellen zu entnehmen ist, soll allein die Menge an Mikroplastik, die über den ausgebrachten Klärrückstand jährlich in den Boden gelangt, größer sein, als die Menge, die in den Weltmeeren landet. Aber wohin dann mit dem Klärschlamm? Eine Frage, die am Dienstag die Mitglieder des städtischen Betriebsausschusses beschäftigen wird.

Hintergrund ist dabei die im Jahr 2017 geänderte Abfallklärschlammverordnung, die klare Regeln und Fristen zum Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Ausbringung als auch zum Recycling vom im Klärschlamm befindlichen Phosphor beinhaltet. Um diese Regeln auch unter wirtschaftlichen Aspekten umzusetzen, wurde rund um Düsseldorf und Wuppertal bereits im Jahr 2019 ein Kooperationsvertrag geschlossen und die „Klärschlammverwertung Buchenhofen GmbH“ gegründet, schildert Markus Freise als Leiter des Abwasserbetriebs. Ziel der Gesellschaft ist es, eine eigene Klärschlammverbrennungsanlage auf dem Gelände der Kläranlage Buchenhofen in Wuppertal zu errichten, deren Kapazität für die Menge reichen soll, die die beteiligten Gesellschafter benötigen. Im Klartext: Die veranschlagte Kapazität liegt bei 36 000 Megagramm Trockenrückstand – also bei 36 000 Tonnen getrocknetem Klärschlamm, die wiederum der vierfachen Menge an feuchtem Rückstand entsprechen. Die Anteile der beteiligten Städte an der neuen Verbrennungsanlage sollen dem Verhältnis des von ihnen angelieferten Klärschlamms entsprechen.

Ein Projekt, an dem sich die Drensteinfurter Stadtverwaltung gerne beteiligen möchte. Das allerdings nur im Kleinformat. Denn bei „nur“ 225 Tonnen Klärrückstand aus Drensteinfurt würde der städtische Anteil an der neuen Anlage gerade einmal 0,625 Prozent betragen. Dafür, erklärt Markus Freise, biete die Beteiligung sowohl eine langfristige als auch eine wirtschaftliche Entsorgungssicherheit. „Neben der mit hohen Umweltstandards verbundenen Klärschlammentsorgung werden auch zukünftige technische und rechtliche Entwicklungen in dem Gemeinschaftsunternehmen für alle Partner gewährleistet“, betont Freise.

In einigen Nachbargemeinden, in denen bereits ebenfalls über eine entsprechende Beteiligung diskutiert wurde, wird dies aber zumindest politisch anders gesehen. Und das gleich aus mehreren Gründen, die auch die Stadt Drensteinfurt betreffen würden. So würde eine gesellschaftliche Beteiligung an der künftigen Verbrennungsanlage trotz relativ geringer Klärschlammmenge recht erhebliche Investitionen bedeuten (siehe Info-Kasten). Außerdem wäre der Einstieg mit einer äußerst langfristigen Bindung verbunden, was wiederum einen Wechsel zu einem gegebenenfalls günstigeren Anbieter weitestgehend ausschließen würde. Zudem stehen bislang erst grobe Zahlen im Raum. Wie hoch die Investitionen der beteiligten Gemeinden am Ende tatsächlich sein werden, ist bislang kaum abzuschätzen. Hinzu kommt der Umweltaspekt: Der Drensteinfurter Klärschlamm müsste zur Anlage in Buchenhofen nicht weniger als rund 100 Kilometer transportiert werden. Und da die Wersestadt zudem nur Kleinstanteilseigner im Kreise der Großgesellschafter aus der Rheinregion wäre, hätte sie bei strategischen Entscheidungen quasi kein Mitspracherecht.

Baukosten von rund 60 Millionen Euro

Im Juli 2019 haben die Entwässerungsbetriebe der Städte Düsseldorf und Münster sowie der Aggerverband, der Bergisch-Rheinische Wasserverband und der Wupperverband sich auf eine gemeinsame Klärschlammentsorgung geeinigt. Gemeinsam wollen die Gesellschafter der „Klärschlammverwertung Buchenhofen GmbH“am Wuppertaler Standort Buchenhofen ihre Klärschlämme in einer neuen Mono-Klärschlammverbrennungsanlage entsorgen. Die Planungsaufträge wurden Anfang 2020 vergeben. Die neue Verbrennungsanlage biete, so die Gesellschaft, „technisch und wirtschaftlich gute Voraussetzungen für die gesetzlich ab 2029 geforderte Rückgewinnung von Phosphor, der zu einem erheblichen Anteil in der Verbrennungsasche enthalten ist. Dieser für den Menschen überlebenswichtige Rohstoff ist in der Natur endlich. Daher soll er künftig zurückgewonnen werden.“ Nach ersten Schätzungen sollen die Baukosten rund 60 Millionen Euro betragen. Bei einem Anteil von 0,625 Prozent würde dies für Drensteinfurt eine Beteiligung von rund 400 000 Euro bedeuten.

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