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Migranten-Verein „WeBiKul“

Durch Bildung zur Integration

Kreis Warendorf

Der Migranten-Verein „WeBiKul“ macht sich für ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Deutschen und Migranten stark. Er wurde jetzt als Träger der freien Jugendhilfe im Kreis anerkannt.

Beate Kopmann

Alltagsorientierung wird im Rahmen des Deutschkurses für Frauen geboten. Das Bild zeigt eine Exkursion in ein Restaurant. Analog zum Unterrichtsthema (Lektion „Speisen und Getränke“) wurde im Restaurant gelernt: Wie bestelle ich auf Deutsch? Wie ist eine Menükarte strukturiert? Wie frage ich nach der Rechnung? – Und vieles mehr. Foto:

Etwas irritierend ist der erste Eindruck schon. „Westfälisches Bildungs- und Kulturzentrum“ steht auf dem Klingelschild an der Bülstraße 16 in Warendorf. Der Geschäftsführer des Vereins, Erol Kaplan, öffnet die Tür. Kurz darauf erscheint seine Frau Hatice im Eingang. So richtig „westfälisch“ wirken die beiden nicht.

Aber Hatice erzählt stolz, dass sie in Deutschland geboren ist: in Augsburg. Ihr Mann Erol kam 2001 nach Deutschland, studierte Chemie und BWL. Seine Frau machte eine Ausbildung als Industriekauffrau bei Siemens und studierte später Bildungswissenschaften an der Fernuniversität Hagen.

Heute arbeiten beide für das „Westfälische Bildungs- und Kulturzentrum“, abgekürzt nennt sich der Verein „WeBiKul“. Die Eheleute Kaplan und weitere Vereinsmitglieder machen sich für ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Deutschen und Migranten stark.

Hatice Kaplan

„Wir wollen die humanistischen Werte und das Demokratie-Bewusstsein fördern“, unterstreicht Hatice, Mutter von drei Kindern. Auf der Webseite des Vereins ist nachzulesen, dass die pädagogische Förderung und soziale Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Frauen das Ziel ist. Dabei will der Verein sowohl Zugewanderte als auch Einheimische ansprechen.

Dieser Ansatz hat das Jugendamt des Kreises Warendorf überzeugt – so sehr, dass der Verein kürzlich zum freien Träger der Jugendhilfe ernannt wurde. „Dadurch haben wir jetzt eine enge Kooperation mit dem Jugendamt“, freut sich Erol Kaplan. Auch die Finanzierungsmöglichkeiten würden sich so verbessern, denn allein aus Mitgliedsbeiträgen ließen sich die Angebote des Vereins nicht bezahlen. „Für die Sprachkurse, die wir durchführen, bekommen wir staatliche Zuschüsse“, sagt Hatice Kaplan, die als Projektleiterin bei „WeBiKul“ tätig ist.

Erol und Hatice Kaplan (v. l.) führen den Verein „WeBiKul“, der sich für bessere Integration stark macht. Foto: Beate Kopmann

Gegründet wurde der Verein im Jahr 2013. Seine Ziele basieren auf den drei Grundprinzipien Bildung, Erziehung und Aufklärung. „Wissen und Bildung sind der Schlüssel für erfolgreiche Integration“, hebt Erol Kaplan hervor. „Deswegen gehören Sprachkurse zu unseren Standard-Angeboten“. Daneben gebe es Veranstaltungen zu Berufsbildung und Bewerbungstraining. Auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Salafismus fördert „WeBiKul“.

Und natürlich gehören Freizeitaktivitäten zum Programm des Vereins. Sie werden nach Geschlechtern getrennt angeboten: So gibt es eine Jungen- und eine Mädchengruppe. „Die Interessen sind unterschiedlich“, erklärt Hatice Kaplan das Vorgehen. Sprachkurse für Jugendliche würden dagegen koedukativ durchgeführt.

Erfolgreich sei auch ein Sprachkursus, der 14-täglich für Frauen angeboten werde, inklusive Kinderbetreuung.

Für die Zukunft wünschen sich die Kaplans, dass noch mehr deutsche Kinder und Jugendliche an den Bildungsangeboten teilnehmen. Derzeit funktioniere das am besten über Theaterprojekte. Die meisten Jugendlichen, die „WeBiKul“ betreut, stammen derzeit aus der Türkei, Syrien, Irak und den Balkan-Staaten.

Ideen für neue Angebote insbesondere für Frauen hat Hatice Kaplan noch viele: „Häusliche Gewalt, Hinweise auf Beratungsstellen, freie Kleiderwahl oder Meinungsfreiheit“, nennt sie einige Beispiele. Diese Themen sollenden Frauen helfen, die deutsche Gesellschaft besser zu verstehen und sich dadurch leichter einzuleben.

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