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19-jähriger Aramäer startet Ausbildung als Industriemechaniker

Ein Traum geht in Erfüllung

Ahlen

Coronabedingt fand Petrus Ünesi ein Jahr lang nicht seine Traum-Ausbildung. Jetzt schon.

Von Angelika Knöpker

Petrus Ünesi (M.) freut sich auf den Ausbildungsplatz im August bei der Firma Renner, links Vorarbeiter Aziz Ünasi, seit 33 Jahren Schweißer bei dem Unternehmen, Matchingberater Michael Willems und rechts Geschäftsführer Jürgen Henke. Foto: Angelika Knöpker

„Es war sehr schwer, in Coronazeiten einen Ausbildungsplatz zu finden“, sagt Petrus Ünesi. Der 19-jährige Aramäer wartete seit Sommer letzten Jahres auf eine Chance, den Beruf des Industriemechanikers erlernen zu dürfen. Zum 1. August ging sein Traum in Erfüllung. Ermöglicht haben ihm die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik die Ahlener Firma Metallwerke Renner GmbH und die Bildungseinrichtung SBH West im Kreis Warendorf. „Eine Win-Win-Situation für beide Seiten“, sagt Matchingberater Michael Willems und blickt zurück auf die düsteren Corona-Zeiten im vergangenen Jahr bis zum Frühjahr diesen Jahres.

Petrus Ünesi

„Jobcenter und Agentur für Arbeit hatten ihre Türen geschlossen, Besuche in Schulen zur Berufsinformation mussten ausfallen, da hat NRW-Arbeitsminister Laumann Finanzmittel aus dem Europäischen Sozialfond zur Verfügung gestellt“, begrüßt er das neue Angebot. Bis Ende diesen Jahres können sogenannte Matchingberater Auszubildende vermitteln, aber auch Wünsche der suchenden Firmen aufnehmen.

„Wir haben uns an die Schulsozialarbeiter gewandt und natürlich auch die neuen Medien genutzt“, berichtet Michael Willems. Der Vorteil: „Wir kennen die Netzwerkpartner in der Region und begleiten im Bewerbungsverfahren.“

Bürokratie war keine Hürde

Einer der zehn vermittelten Jugendlichen von Mai bis heute ist Petrus Ünesi.

Jürgen Henke, Geschäftsführer der Metallwerke Renner GmbH, hatte von seinem Vorstandskollegen Thomas Schwarzrock beim Ahlener Industrie- und Wirtschaftsclub (AIWC) und Regionalleiter der SBH West von den neuen Vermittlungsmöglichkeiten erfahren und sofort um Unterstützung gebeten. „Ich war überrascht, wie schnell die Vermittlung zustande kam,“ sagt er. Im Mai absolvierte Petrus ein Praktikum, zum 1. August erhielt er eine Anstellung und verstärkt das Team der 68 Beschäftigten – davon 25 mit Migrationshintergrund und fünf Auszubildenden.

Die Firmenphilosophie seines Vaters Werner hat Jürgen Henke übernommen. „Wir zeichnen uns durch familienorientierte und soziale Personalpolitik aus. Daher beschäftigen wir uns schon lange mit den Themen Migration, mit Flüchtlingen und sozialen Problemstellungen.“ Leider sei die Anstellung sehr mit Bürokratie verbunden, wenn man Geflüchtete einstellen möchte, das schrecke viele Unternehmen ab. Ihn aber nicht, sagt er selbstbewusst und ist seit vielen Jahren im „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ organisiert. Er war als einer der ersten Unterzeichner der Charta der Vielfalt.

Geschäftsführer Jürgen Henke

„Wir sind der Meinung, dass Vielfalt die Toleranz erhöht. Verschiedene Kulturen können gerade in kleinen Unternehmen gut miteinander harmonieren“, ist der Geschäftsführer überzeugt, der immer ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter hat.

Das Wort „Arbeitskraft“ möchte er nicht benutzen. „Wir behandeln sie nicht wie eine Kraft. Denn sie sind ja nicht wie eine Kraft immer da, der Mensch steht für uns im Vordergrund.“ Auch diese Einstellung zählt zur Firmenphilosophie bei den Metallwerken.

Übrigens: Das Job-Matching ist sowohl für die Suchenden als auch für die Firmen individuell und kostenfrei. Termine können bei der SBH West für den Kreis Warendorf, Michael Willems unter

 0 23 82 / 88 999 38 oder

 01 60 / 3 48 02 20 und per Mail unter michael.willems@sbh-west.de vereinbart werden.

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