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Arrogante Kritik am Betreuungsgeld

Entmündigung der Eltern

Mal wurde es als „Herdprämie“ geschmäht, mal als „Glucken-Gehalt“. Und jetzt sollen sich diese Befürchtungen bewahrheiten: Gerade die Kinder, die am besten in der Kita aufgehoben wären, kommen dort nicht an.

wn

Schuld ist das Betreuungsgeld! Denn Migrantenfamilien und „bildungsferne Eltern“ stecken ihr Geld angeblich lieber in den Flachbildfernseher oder versaufen es, statt ihr Kind in die Kita zu schicken. Welche Arroganz, Eltern so zu entmündigen. Wo bleibt der Aufschrei, weil Migranten in einem Atemzug mit „bildungsfern“ genannt werden?

Auch das Kreisjugendamt befürchtet keineswegs, dass das Betreuungsgeld nicht bei den Kindern ankommt (obwohl es das im Einzelfall geben mag). Zahlen, die diese These belegen könnten, werden im Übrigen gar nicht erhoben. Das Deutsche Jugendinstitut und die Uni Dortmund hatten lediglich gut 100 000 Eltern mit Kindern unter drei Jahren befragt. Mit solchen Studien sollte man vorsichtig umgehen. Der Familienbericht 2012 verwies auf eine Studie des Allensbach-Instituts, nach der ein Drittel aller Mütter ihre Arbeitszeit gerne ausweiten würden. Deswegen müssten mehr Krippenplätze her. Was der Familienbericht verschwieg: Zwei Drittel der Mütter würden ihre Arbeitszeit zugunsten ihrer Kinder gerne reduzieren. Das stand auch in der Studie.

Viele Eltern wollen oder brauchen einen Krippenplatz. Es ist Aufgabe der Politik, das zu ermöglichen. Aber Eltern, die sich entscheiden, ihr Kind in den ersten Jahren selbst zu erziehen, sollten frei sein, das zu tun. Sie werden mit lächerlichen 150 Euro im Monat abgespeist, während der Krippenplatz im Schnitt 1200 Euro pro Kind kostet. Aber dafür sollen die Kinder frühkindliche Bildung erhalten. Im Kreis Warendorf ist der Betreuungsschlüssel im U3-Bereich vergleichsweise gut, dennoch betonen die Verantwortlichen, man müsse die Qualität verbessern.

Mit Blick auf die Migrantenkinder wird immer wieder betont, in der Kita sollten sie gutes Deutsch lernen. Dabei liegen Erkenntnisse vor, dass Kinder zunächst ihre Muttersprache gut beherrschen müssen, bevor sie eine andere Sprache lernen. Wer sollte besser in der Lage sein, die Sprachkompetenz von Kindern zu fördern als Mütter? Schon deswegen, weil sie sich auf ihr Kind konzentrieren können und nicht eine ganze Gruppe im Blick haben müssen. Wer Betreuungsgeld für sein Kind beantragt, braucht sich dafür wirklich nicht zu schämen. Beate Kopmann

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