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Tag der offenen Tür an der Kläranlage

Abstecher zum Abwasser

Everswinkel

Sein zehnjähriges Bestehen feiert in diesem Jahr der Abwasserbetrieb TEO AöR. Hier bündeln sich die Kapazitäten für 47.000 Einwohner aus Telgte, Everswinkel, Ostbevern und Beelen. Für die Verantwortlichen Grund genug, die eigentlich für Publikumsverkehr gesperrten Anlagen zu präsentieren und über sie zu informieren.

Von Christopher Irmler

Tag der offenen Tür an der Everswinkeler Kläranlage. Foto: Christopher Irmler

So lud der Abwasserbetrieb am Sonntag an allen seinen Kläranlagen-Standorten zu einem Tag der offenen Tür ein. Am Boschweg empfing Dominik Hornung, Fachkraft für Abwassertechnik und stellvertretender Anlagenverantwortlicher, die Besucher zu einem informativen Rundgang. „Hier riecht gar nichts“, entgegnete er schmunzelnd einer Teilnehmerin, die ob der Gerüche an dem einen oder anderen Becken die Nase rümpfte. Schritt für Schritt erklärte Hornung die Funktionen der Anlage. Von der ersten groben Rechenanlage, die wie ein Sieb funktioniere, bis hin zum großen Faulturm.

Dominik Hornung

Nachdem zunächst sämtliche Feststoffe entfernt würden, nutze man natürliche Gegebenheiten. Da Fett leichter als Wasser sei, schwimme es an der Oberfläche, Sand hingegen sei schwerer und sinke entsprechend ab. In einem Sandwäscher werde daher die Fließgeschwindigkeit abgesenkt, um die Separierung voranzutreiben. Das Fett werde danach in einen Schacht geschoben und letztendlich in den Faulturm transportiert. Der Sand setze seine Reise in einer Art Waschmaschine fort. Der gereinigte Sand werde entsprechend geltender Grenzwerte auf Inhaltsstoffe untersucht und anschließend entsorgt.

„Die gesamte Anlage ist voll automatisiert“, berichtete Hornung. Lediglich drei Fachkräfte arbeiten am Standort Everswinkel. Auch Phosphate aus Waschmitteln müssten geklärt werden. Um dies zu erreichen, werde dem Wasser im Becken Sauerstoff entzogen. „Natürliche Gewässer reinigen sich auch selbst, aber in dieser Konzentration ist das nicht möglich.“ Im Nachklärbecken beruhige sich das Wasser, der Schlamm sinke auf den Boden. Am Ende der langen Kette stünden ein Faulturm und ein Silo.

Gekonnt ordnete Jonah zu, was durch die Toilette entsorgt werden darf und was eben nicht. Vanessa Brandes vom Abwasserbetrieb war zufrieden. Foto: Christopher Irmler

Anschließend werde dieser Schlamm von einer externen Firma gepresst, abgeholt, in Container verfrachtet und verbrannt. Das ausgepresste Wasser werde wiederum langsam dem Anlagenkreislauf zugeführt. „Es ist wesentlich stärker belastet als normales Abwasser.“ Generell sei das Klärwerk dank der 2007 gestarteten Umbaumaßnahmen auf der Höhe der Zeit. Eine vierte Reinigungsstufe für Arzneimittelrückstände sei gesetzlich noch nicht erforderlich, dürfte aber in Zukunft folgen, so Hornungs Prognose.

An ihre Grenzen komme die Anlage angesichts relativ stabiler Einwohnerzahlen längst nicht – das Klärwerk verfüge über Pufferkapazitäten. Auch das Thema Energie habe man im Blick. „Wir sehen genau, was wir verbrauchen und haben die Kosten im Blick.“ 300.000 Kilowattstunden seien es pro Jahr, die Hälfe davon steuere das Klärwerk dank des im Verwertungsprozess gewonnenen Gases selbst bei. Die Ausrüstung mit Photovoltaik-Anlagen sei in Planung.

Um den Arbeitsaufwand zu reduzieren und Störfälle vermeiden zu können, setzten die Verantwortlichen auch auf Aufklärung. Dass der tote Goldfisch, die benutzte Zahnseide und Medikamente nicht in die Toilette gehörten, sei grundsätzlich bekannt. „Im Großen und Ganzen wissen die Leute schon Bescheid, aber gerade in Sachen Feuchttücher liegen manche falsch“, schilderte Mitarbeiterin Vanessa Brandes ihre Eindrücke.

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