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„Zwillinge“ begeistern bei Kulturwiesen in jugendlicher Frische

Als wäre die Zeit stehen geblieben

Alverskirchen

Im Münsterland sind die „Zwillinge“ schon lange echte Legenden. Bei den Kulturwiesen präsentierten sie sich mit ihre Band in jugendlicher Frische und begeisterten mit ihren selbst geschriebenen Songs.

Bei vierten Auflage der Kulturwiesen ging es noch einmal musikalisch ordentlich zur Sache: Die „Zwillinge“, eine Deutschrockcombo aus Münster, feierten am Samstagabend Premiere. Foto: Gabriele Grund

Seit den 60er-Jahren sind die „Zwillinge“ eine feste Größe in der Münsteraner Deutschrock-Szene. Erkennbar an ihren auffälligen Ringelshirts rockte das doppelte Lottchen, Richard „Ritschi“ und Gerd Bracht, zusammen mit drei, glänzend disponierten Musikern, am Samstag nun auch die Kulturwiesen in Alverskirchen. Eine Premiere, denn die Band war erstmals dabei. Rund 100 Besucher, darunter etliche Weggefährten und Fans der Zwillinge, hatten, trotz zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen im Umland, Lust auf einen rockig-gemütlichen Open Air-Abend. Eine gute Entscheidung, denn bei den Deutschrock-Altmeistern gab es die volle Portion Herz, Rock und Augenzwinkern aus einem Guss in einer ungezwungenen Atmosphäre.

Gerd Bracht, Zwillinge

Dabei freute sich besonders eine kleine, aber sehr rührige Ü50-Anhängerschaft über ein Wiedersehen, denn die durch ihre quer gestreiften Dalton-Shirts und den selbst komponierten deutschsprachigen Rocksongs bekannten Zwillinge Richard und Gerd Bracht (73) waren nicht nur Ende der 70er-Jahre mit ihrem Skiffle,- Jazz,- und Bigbandsound auf nahezu allen Bühnen des Münsterlandes und darüber hinaus präsent, sondern traten ab Mitte der 80er und zuletzt 2002 auch als „Die Zwillinge & Blechgäng“ bei Festivals und Festen aller Art auf.

Und als wenn die Zeit stehen geblieben ist, präsentierten Richard und Gerd Bracht auch bei den Kulturwiesen am Samstag leichtfüßige Rockkompositionen im Songwriter-Stil, wie „Sonne im Bauch“, Rosarote Wolken“, „Wir bleiben im Bett“, „Alkohol“ und „Farben Deiner Seele“ in gewohnt jugendlicher Frische. Begleitet von Uli Frank am Keyboard, Doc Heyne an der Gitarre und Jens Beckmann am Schlagzeug spielten und sangen sie Songs über die Liebe, das Leben, über die Freundschaft, ihre Mutter Waltraud und die Erkenntnis „Wir sind da, wo wir immer hin wollten“, mit dem sie den Konzertabend eröffneten.

Mit viel Beifall wurde auch die dynamische Rockballade „Sonnenaugen“ belohnt. Dabei reihten sich im Refrain „Sieh die Welt mit Sonnenaugen und die Welt wird sonnig sein“ nicht nur immer wieder begeisterte Mitsinger aus dem Publikum mit ein, Drummer Jens Beckmann beeindruckte auch mit starken Schlagzeugsolos. Begleitet von reichlich Tempo und Basslastigkeit offenbarten Richard und Gerd Bracht gesanglich zudem „Ich schicke meine Träume ins Exil“, um mit der melancholisch, aber dennoch flotten Rockblues „Nimm mich jetzt in den Arm“ wertvolle Tipps bei etwaigen Kennenlern-Hemmungen zu empfehlen. Und weil Plaudertäschchen Gerd Bracht gerade so schön im Redeschwall war, verriet er auch, dass die Ehe seines Bruders Richard nicht nachhaltig gewesen sei. „Und wenn sich gerade jemand trennen möchte, dann macht es so, wie es Lebensberater Ritschi in seinem Song ‚Kuss‘, mit dem Refrain „Gib mir noch nen Kuss, danach ist mit uns zwei endgültig Schluss“ vorschlägt“, schmunzelte Gerd Bracht.

Mit „So wie wir sehen Sieger aus“ stimmte Gerd Bracht eine Rockhymne mit echtem Ohrwurmcharakter an, nachdem er den Zuhörern erzählt hatte, dass sein Bruder auf dem Fußballplatz gewesen sei. „Allerdings nicht als Spieler oder als Torwart, sondern als Zuschauer mit Pommes und Bier“, ulkte er. Als echtes Dankeslied konnte der Rocksong „Lisa“ gewertet werden. Geschrieben habe ihn sein Bruder Richard, weil ihm eine ehemalige Nachbarin namens Lisa während der Abiturprüfungen 1966 zu einer 3er-Schulnote im Fach Französisch verholfen habe. „Mit seiner ursprünglichen 4 Minus wäre er nämlich niemals in die nächste Klasse versetzt worden“, neckte Gerd Bracht seinen Bruder zur Freude der Besucher.

Mit lautstarkem Beifall wurde auch „Bonjour“, eine sentimentale Rockballade über Lebenserinnerungen („Trink mit mir, so wie früher, so schön wird es nie wieder“) belohnt, die Richard Bracht solo in Begleitung von Keyboarder Uli Frank gesungen hat. Insgesamt ein entspannter Deutschrockabend, der deutlich mehr Besucher verdient hätte.

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