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SPD fragt nach mehr gemeindlicher Unterstützung beim privaten Winterdienst

An Handarbeit geht kein Weg vorbei

Everswinkel

Die enormen Schneemengen, die im Februar vergangenen Jahres auch über Everswinkel herabfielen, haben die SPD-Fraktion veranlasst, die Gemeindeverwaltung nach mehr Unterstützung für den privaten Winterdienst der Bürger zu fragen. In einer Stellungnahme machen Bürgermeister und Umweltberater deutlich, was die Gemeinde beim Winterdienst bereits schon leiste und dass an der vereinten Kraftanstrengung in solchen Ausnahmesituationen kein Weg vorbei führe.

Von Klaus Meyer

Der Wintereinbruch am 8. und 9. Februar vergangenen Jahres hat den Mitarbeitern des Bauhofs, den beauftragten Landwirten und auch den Bürgern einiges abverlangt. Foto: Klaus Meyer

Es war für hiesige Breiten gewaltig, was da am ersten Februar-Wochenende vergangenen Jahres an Schneemassen vom Himmel fiel. Rund 48 Zentimeter Neuschnee binnen zwei Tagen. Die „weiße Pracht“ legte den Verkehr teilweise lahm, erforderte große Räumungsanstrengungen seitens der Gemeinde, die am Ende rund 60.000 Euro kosteten, und forderte den Bürgern einiges ab. Die Schneeräumungspflicht in den Wohnstraßen wurde zum immensen Kraftakt. Für die SPD-Fraktion Anlass genug, nach Entlastungsmöglichkeiten für die Bürger zu suchen.

Fraktionsführer Dr. Wilfried Hamann hat offiziell eine Anfrage an die Gemeindeverwaltung gestellt, wie die Gemeinde den Haushalten bei der Bewältigung des privaten Winterdienstes helfen könne. Er verweist auf die auch hier spürbaren Auswirkungen des demografischen Wandels und einen steigenden Altersdurchschnitt in den Haushalten. Somit würde es „für immer mehr Menschen unserer Gemeinde schwieriger, die Aufgaben des Winterdienstes auf und vor ihren Grundstücken durchzuführen.“ Das habe sich schlagartig im vergangenen Jahr gezeigt.

„Hinzu kommt, dass nach Auskunft von Betroffenen kaum noch Dienstleister zu finden sind, die bereit sind, weiterhin einen Winterdienst anzubieten“, so Hamann. Zudem sei zu berücksichtigen, dass in heutiger Zeit vielfach mehr Mitglieder eines Haushaltes berufstätig und tagsüber gar nicht zu Hause seien, so dass die Erledigung des zeitnahen Winterdienstes ein Problem sei. Die SPD-Fraktion hofft auf Hilfe der Gemeinde bei der Lösung dieser Probleme. So stellt die SPD die Frage, ob die Verwaltung bei der Suche nach Dienstleistern helfen könne – beispielsweise „bei einer Ausschreibung für eine Anzahl gebündelter Haushalte“. Alternativ wird nach dem Angebot einer Winterdienst-Leistung über den Bauhof gefragt.

Bürgermeister Sebastian Seidel und der Abteilungsleiter für Umwelt und Tiefbau, Bernd Schumacher, haben sich nun intensiv mit der Thematik beschäftigt. Der Umweltberater spricht von „außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen“ an jenen zehn Tagen im Februar 2021, die „einiges abverlangt“ hätten, aber auch eine Ausnahme in hiesigen Breiten gewesen seien. „Der Bauhof arbeitete da permanent unter Volllast, und ich habe kurzfristig mehrere Firmen und Landwirte beauftragt, die mit Radladern und schweren Lkw bzw. Zugmaschinen hunderte von Tonnen Schnee aus dem Ort geschaffen haben.“

Umweltberater Bernd Schumacher

„Auf diesem Wege war es zumindest möglich, alle Erschließungsstraßen und überörtliche Straßen benutzbar zu halten. Das war ein höherer Standard als üblich, wie mir dies aus einigen benachbarten Kommunen berichtet wurde.“ Trotz der kostspieligen Sonderleistung auch in Wohnstraßen habe es weiter Behinderungen durch die Schneemengen gegeben, doch mehr sei auch unter Einsatz aller verfügbaren Kräfte nicht möglich gewesen. Schon wegen der beengten Platzverhältnisse sei ein Maschineneinsatz unwirtschaftlich und vielfach nicht möglich. „Es geht meiner Meinung nach kein Weg daran vorbei, Wohnstraßen und Bürgersteige in Handarbeit zu räumen.“

Deshalb, und weil die Gemeinde ohnehin bei Schnee- und Eisglätte nicht binnen kurzer Zeit alle Straßen, Wege und Plätze räumen könne, gebe es die Winterdienstpflicht der Anlieger für die Gehwege. Damit werde die Räumpflicht auf viele Schultern verteilt. Die Gemeinde könne nicht Räum-Probleme von Bürgern lösen, die sich aus nachlassender körperlicher Kraft oder mangelnder Zeit aufgrund beruflicher Tätigkeit ergäben, machen Seidel und Schumacher klar. Eine zusätzlich buchbare Winterdienstleistung des Bauhofs sei nicht möglich, weil dessen Mitarbeiter schon „mehr als ausgelastet“ seien und die Gemeinde nicht Dienste wie ein gewerblich Tätiger anbieten könne. Ebenfalls nicht praktizierbar sei eine gebündelte Ausschreibung für Anwohner. Die Datenerhebung und Abstimmung sei nicht leistbar. „Die Verwaltung hat nicht die Kapazität, eine solche Aufgabe für eine Vielzahl von Straßen und unterschiedlicher Fallkonstellationen zu organisieren.“ Schumacher empfiehlt, „dass sich ,soziale Straßengemeinschaften‘ bilden, die sich gegenseitig unterstützen – zum Beispiel jüngere Anlieger unterstützen ältere.“

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