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Hilfe aus Everswinkel und Münster

Aryams unerträgliche Odyssee

Everswinkel

Der Münsteraner Ulrich Coppel und der Everswinkeler Arzt Isayas Bairu  engagieren sich für notleidende Menschen in Eritrea. Vor allem das Schicksal der erst elfjährigen Aryam liegt beiden am Herzen.

Von Marion Bulla

Ulrich Coppel (l.) und der Everswinkeler Arzt Isayas Bairu stellten die Kontakte her, die der elfjährigen Aryam wohl das Leben retteten. Foto: Marion Bulla

Das Mädchen leidet an einem Hodgkin Lymphom und kann nur mit Hilfe einer aufwendigen Chemotherapie vor dem sicheren Tod gerettet werden. Die ersten Schritte dazu sind getan. Doch zuvor erlebten das Kind und ihre Mutter eine wahre Odyssee voller Leid.

 Die elfjährige Aryam und ihre Mutter Abeba sind glücklich über die Hilfe aus Deutschland. Foto: privat

Alles fing damit an, als Aryam bemerkte, dass ihre Lymphknoten in der Leistengegend langsam aber stetig anschwollen. Hinzu kamen Fieberschübe, die sich keiner erklären konnte. Dann im Mai des vergangenen Jahres stellten Ärzte des „Medical Board“ im Orotta Hospital der eritreischen Hauptstadt Asmara eine Verdachtsdiagnose. Sie vermuteten, das Kind leide am „Hodgkin Lymphom“, einer bösartigen Erkrankung des lymphatischen Systems, die unbehandelt zum Tod führt. Auch wenn dringend eine lebensrettende Therapie nötig war, wurde Aryam nicht weiter behandelt. Es sei keine Behandlung möglich, so hieß es im Befundbericht. Die Ärzte empfahlen, ins Ausland zu gehen.

Dringend benötigte medizinische Behandlung

Doch erst im September 2022 lagen alle erforderlichen Dokumente für eine Reise nach Addis Abeba, wo sie nun therapiert werden sollte, vor. Aryam flog mit ihrer Mutter in die äthiopische Hauptstadt, um dort gesund zu werden. Doch was folgte, war mehr als enttäuschend. Es gibt nur wenig Ärzte, die auf Krebserkrankungen bei Kindern spezialisiert sind. Aryams Diagnose war zudem noch nicht bestätigt worden. Dies ergab sich erst im November bei einer Gewebeprobe.

Die Familie Aryams lebt in Eritrea in ärmlichen Verhältnissen. Hinzu kommt, dass der Lebensunterhalt in Addis Abeba, und die bis dahin stattgefundenen Untersuchungen teuer waren und das Geld nicht ausreichte. Der Verein „Aktion Eine Welt“, der seit 1996 bereits viele Projekte in Ostafrika angestoßen und realisiert hat, wurde eingeschaltet.

Arzt Isayas Bairu

Die Gründerin Dorothea Graf setzte sich mit dem engagierten Musiker Ulrich Coppel in Verbindung. Sie wusste, dass er in der Vergangenheit mehrfach schon eritreischen Menschen lebensrettende medizinische Behandlungen in Deutschland vermittelt hatte. „Es ist unfassbar, wie lange Aryam und ihre Mutter mit ihrer Angst und den Schmerzen ausharren mussten“, ist Ulrich Coppel noch heute entsetzt. Ulrich Coppel wandte sich an den befreundeten Everswinkeler Arzt Isayas Bairu, der selbst aus Eritrea ist und dort studiert hatte. Aufgrund dessen Sprachkenntnisse war zumindest dies kein Problem mehr.

„Ich dachte, es kann doch nicht möglich sein, dass das Mädchen dort nicht therapiert werden kann“, ist auch Isayas Bairu  sprachlos. Und Coppels erste Recherchen in großen medizinischen Datenbanken nährten den Verdacht, dass eine Behandlung für Aryam in Äthiopien sehr wohl möglich sei. Eine  Behandlung in Deutschland würde hingegen aufgrund der aufwendigen Formalitäten unnötigen Zeitverlust bedeuten. Auch würde die Behandlung in Deutschland um ein Vielfaches teurer sein. Man sprach von 200 000 Euro im schlimmsten Fall.

Warten voller Schmerzen und Angst

Im Dezember, drei Tage vor Weihnachten,  konnte endlich mit der medizinischen Behandlung begonnen werden. Ghennet Bokretzion Ghedde, eine enge eritreische Freundin Coppels war nach Addis Abeba gereist und hatte erreicht, dass Aryam im Lancet Hospital therapiert werden konnte. „Aryam hatte Glück. Die Krankheit war in einem frühen Stadium, sonst hätte sie die lange Wartezeit wohl nicht überlebt“, weiß Isayas Bairu. Nun schöpften sie und die ganze Familie Hoffnung. Doch die nächsten Monate werden schwierig, denn Aryam muss während der Chemotherapie ein halbes Jahr in sehr hygienischen Verhältnissen leben. Jede kleine Infektion könnte für sie lebensgefährlich werden.

Darum ist es unbedingt erforderlich, für sie und ihre Mutter eine entsprechende Wohnung in der Nähe des Krankenhauses zu finden. Doch das kostet Geld. Die Kosten für die komplette Behandlung und den Lebensunterhalt werden auf etwa 25 000 Euro geschätzt.

Der Verein „Aktion Eine Welt“ ist bereits mit 3500 Euro in Vorleistung gegangen.  Mit Spenden an den Verein zur Finanzierung von Behandlung kann Aryam mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder ganz gesund werden. Das Deutsche Kinderkrebsregister beziffert die Langzeit-Überlebensrate bei Kindern nach einer Hodgkin-Lymphom-Therapie auf seiner Homepage mit 97 Prozent.

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