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Klagen über Gebühren am Recyclinghof

Auch der Müll hat seinen Preis

Everswinkel

Der Recyclinghof in Everswinkel wird von der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf (AWG) betrieben. Partner ist die Gemeinde Everswinkel. Einige Nutzer klagen derzeit über zu hohe Gebühren für die Entsorgung von einzelnen Gegenständen und kritisieren die Preisgestaltung. Bei der AWG kennt man solche Diskussionen, hat aber auch Antworten parat. Aufwand und Kosten der Müllentsorgung seien stetig gestiegen. Und wer Müll produziere - sprich abliefere - müsse auch dafür bezahlen.

Klaus Meyer

Der Recyclinghof am Boschweg in Everswinkel. Einige Nutzer beklagen hohe Kosten für die Entsorgung, und die Gebührentafel am Zaun ist offenbar veraltet. Foto: Klaus Meyer

Was er selbst als Privatmann für die Entsorgung eines Hockers oder einer Matratze am Recyclinghof bezahlen würde? Andreas Meschede muss nicht lange überlegen. „Ich würde es gar nicht dahin geben und eher zum Sperrmüll geben.“ Ansonsten würde er wohl etwa zehn Euro dafür „in die Hand nehmen“, sagt der Prokurist und Abteilungsleiter Dienstleistung bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf mbH (AWG). Grund für diese Frage an das Mitglied der AWG-Geschäftsführung: Klagen von Nutzern des Everswinkeler Recyclinghofes, die ihrem Unmut über Facebook Luft verschaffen.

„War gestern beim Bauhof; zehn Euro für ein Hocker, das ist sehr unverschämt“, schreibt ein Nutzer in der Everswinkeler Facebook-Gruppe und meint den von AWG und Gemeinde betriebenen Recyclinghof. „20 Euro für eine Matratze und eine kleine Lampe geht gar nicht bei denen. Preise total unverschämt“, schildert eine Nutzerin ihre Erfahrung. „Ist mir tatsächlich in der letzten Zeit auch aufgefallen. Zahle viel mehr als zuvor“, schließt sich eine andere in den Kommentaren an und beklagt sich zudem darüber, dass für Folienmüll gezahlt werden müsse, obwohl auf der am Zaun hängenden Preistafel „kostenlos“ stehe. Und eine weitere Nutzerin kommt zu dem Fazit, „vor zwei Jahren wurde noch ins Auto geguckt und drei Euro genommen“.

Andreas Meschede

Solche Diskussionen um Gebühren gebe es seit Jahren, sagt Andreas Meschede. „Wir klären das immer im Einzelfall vor Ort mit den Kollegen.“ Wenn nötig, werde noch einmal nachreguliert. „Es war immer unser Anliegen, ähnliche Gebühren an den Recyclinghöfen zu haben.“ Die Wirklichkeit sehe aber etwas anders aus, weil die Recyclinghöfe unterschiedlich betrieben würden. In Everswinkel sei die Gemeinde mit im Boot, die ihrerseits eine Entgeltempfehlung abgegeben habe. „Hier ist es eine Vorgabe von der Kommune, die wir haben.“ Im Übrigen seien die Gebühren ohnehin „nicht im vollen Maße kostendeckend“. Der Grünabfall beispielsweise verursache sehr hohe Kosten. Meschede verdeutlicht, „es soll dem Verursacherprinzip Rechnung getragen werden“. Mit anderen Worten: Wer den Müll produziert – oder besser: wer sich dessen entledigen will – soll dafür auch bezahlen.

Alternativ könnte man die komplette Annahme gebührenfrei halten. Kostenlos wäre sie damit aber längst nicht. Der AWG-Prokurist verweist auf das Beispiel Münster, das oft von Bürgern genannt werde. „Wir haben dort aber auch andere Müllgebühren, nämlich das Vierfache.“ Irgendjemand müsse die Entsorgung schließlich bezahlen, und die sei immer aufwendiger und kostspieliger geworden. Die Autoladung pauschal für drei oder fünf Euro – das war einmal. „Einen gewissen Ermessensspielraum haben die Mitarbeiter“, aber die benötigten auch eine „verlässliche Bemessungsgrundlage, sonst haben sie viel mehr Beschwerden“. Kostenlose Abgabe am Recyclinghof – „das würde ich niemals empfehlen“, betont Meschede, der verursachergerechte Gebühren als die gerechtere Art der Kostendeckung sieht. „Man muss einen vernünftigen Mittelweg finden, und ich denke, den haben wir.“ Dass die Gebührentafel am Zaun des Recyclinghofes offenbar veraltet ist, soll zügig behoben werden. Die Zeiten, als Folien kostenlos verwertet werden konnten, sind nämlich vorbei.

Die montierte Gebührentafel ist offenbar inzwischen überholt. Seitens der AWG will man sich darum kümmern. Foto: Klaus Meyer

Das grundsätzliche Problem wird indes wohl bleiben: „Für den Restmüll will einfach niemand etwas bezahlen – der soll einfach weg.“ Und die Müllmenge steigt, gerade auch jetzt in der Corona-Zeit. Mehr Sperrmüll, eine zunehmende Vermüllung von Container-Standorten und mehr Einwegverpackungen hat Meschede registriert. Mehr Renovierungen zu Hause, mehr Verpackungsmüll aus Online-Bestellungen, mehr Müll aus To-go-Verkäufen. Dazu der Elektro-Schrott, eine „enorme Menge an Elektro-Altgeräten“, die Meschede schon als „eklatant“ bezeichnet. Die Umlaufzeiten seien deutlich kürzer geworden; im Bereich EDV bzw. Computertechnik sei das noch gravierender.

Die AWG versuche „umzusteuern“ mit ihren Wiederverwertungsaktionen. Den Menschen beibringen, Dinge noch einmal in den Stoffkreislauf hineinzubringen, statt wegzuwerfen. Dazu passt auch die Kooperation mit dem Verein „Horizonte“, der vermeintlich Ausgedientes einer weiteren Nutzung bzw. Verwertung zuführt und mittlerweile 130 Menschen Arbeit bietet. Ein weiterer Baustein beim „Umsteuern“ ist die Umweltbildung. Die AWG bietet Führungen im Entsorgungszentrum Ennigerloh, Vorträge, Workshops für Erzieher und Lehrer sowie Lernpakete für Schulen und Unterrichtsbesuche in Schulen an. Denn früh übt sich, wer Müll vermeiden will. Es gehe ums Konsum- und Nutzerverhalten – „jeder Einzelne Konsument muss sich überlegen, ,wie lange will ich etwas nutzen‘“, sagt Meschede. So mancher Gang zum Recyclinghof könnte dann wohl vermieden oder zumindest verschoben werden.

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