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Überraschend wie faszinierend

Ausstellungseröffnung mit Werken von Antonia Lasthaus

Everswinkel

Noch bis 23. Oktober können Kunstinteressierte im Rathaus eine außergewöhnliche Ausstellung bewundern. Antonia Lasthaus präsentiert 47 Exponate, die zum Teil ganz unterschiedlich in Technik und Material, aber meistens von der Natur inspiriert sind.

Von Marion Bulla

Knapp 50 sehenswerte Exponate der Künstlerin Antonia Lasthaus zieren seit Freitag das Everswinkeler Rathaus. Foto: Marion Bulla

„Warum nach Kassel reisen, wenn das Gute liegt so nah“, bemerkte Ronald Fernkorn am vergangenen Freitagabend nicht ohne Stolz und mit Blick auf die 47 sehenswerten Exponate, die noch bis zum 23. Oktober im Rathaus präsentiert werden. Der Kulturkreis-Vorsitzende freute sich, dass die junge Künstlerin Antonia Lasthaus, die Wurzeln in Everswinkel hat, auf Einladung des Arbeitskreises „Bildende Kunst“ ihre Werke in ihrem Heimatort ausstellt. „Die Werke stehen dem Rathaus außerordentlich gut“, strahlte Fernkorn.

Nun ist das Rathaus also erneut ein Ort der Kunst. Antonia Lasthaus präsentiert ihre Werke zum ersten Mal in einer Einzelausstellung. Es seien Werke des einsamen Schaffens, weil sie im heimischen Rahmen in den vergangenen drei Jahren, also während der Pandemie, entstanden seien, berichtete Dr. Christoph Miething, der in die Ausstellung einführte. „Sie werden heute Zeugen des Ergebnisses eines in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Schaffensprozesses“, versprach Miething in Richtung der zahlreichen Gäste, die zur Vernissage gekommen waren.

Den eigenen Körper als Werkzeug verwendet

Die Ausstellung ist einen Besuch absolut wert. Sie umfasst Skulpturen, groß- und kleinflächige Gemälde und Grafiken. Die Werke unterscheiden sich nicht allein durch die verschiedenen Materialien, sondern darüber hinaus hat Antonia Lasthaus ganz unterschiedliche Techniken angewandt. „Für das Verständnis bildender Kunst sind drei Elemente entscheidend: der Raum, die Zeit und der privilegierte Sinn. Malerei und Grafik privilegieren das Auge, die Skulptur hingegen die Hand, das Haptische, das Fühlen des Raums“, erklärte Miething, der ein ausgesprochener Kunstfreund ist.

Die großformatigen Bilder sind zumeist in Ölfarbe auf Leinwand gemalt und ohne Rahmen, also mit offenem Horizont. Kräftige Farben werden hier zu dynamischen, aber eher abstrakten Feldern und Gebilden. Ein Werk ist mit „Große Flamme“ betitelt. Es zeigt einen Wust aus Farben, die dennoch harmonieren. Lasthaus lässt sich von der Natur inspirieren. Das Pflanzliche, das Vegetabile bildet ihr Leitmotiv.

Präsentiert ihre Werke: Künstlerin Antonia Lasthaus (l.), hier mit Ideengeberin der Ausstellung Steffi Bause. Foto: Marion Bulla

Wie die Künstlerin die Farbe auf die Leinwand bringt, ist außergewöhnlich. Die 24-Jährige verwendet weder Pinsel noch Spachtel, sondern malt mit den Fingern, den Handflächen oder ihren Armen und setzt so ihren eigenen Körper als Werkzeug ein. „Spontaner kann Bildgestaltung nicht sein“, bemerkte Miething bewundernd dazu und ergänzte, dass bei dieser Künstlerin das Überraschende wie Faszinierende sei, dass sie das Wilde des eigenen Farblebens nicht immer, aber zuweilen doch auch grafisch banne. Sie lasse die Ölfarbe trocknen, um anschließend mit dem Kohlestift den ursprünglichen Farbfluss in Richtungen und Figuren zu lenken. Auf eine Formel gebracht, könne man das Besondere in den ausgestellten Werken als Verknüpfung von Spontaneität und Reflektiertheit benennen, so der Professor weiter. Das Spontane sei das Privileg des jungen Lebens. Umso eindrucksvoller sei es, wie Antonia Lasthaus in dieser Direktheit der Bildsprache das Gedankliche integriere, fügte er an.

Neben groß- und kleinflächigen Exponaten gibt es zudem interessante Skulpturen zu bewundern. Foto: Marion Bulla

„Die Kunstwerke kommen nicht nur aus mir heraus, sondern ich werde sehr stark unterstützt. Es gibt bei mir auch Selbstzweifel, doch Ihr habt gesagt, mach‘ weiter. Das ist toll“, zeigte sich Lasthaus dankbar. Zudem bedankte sich die Künstlerin bei Steffi Bause. Sie habe erst die Idee einer Ausstellung mit dem Kulturkreis gehabt.

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