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Serie: Ausbildung in heimischen Unternehmen

Präzi-Flachstahl AG: Azubi-Suche schwieriger geworden

Everswinkel

Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge bundesweit war jüngst rückläufig. Ebenso ist der Mangel an erfahrenen Fachkräften spürbar. In einer neuen Serie stellen die WN einige ausgewählte Everswinkeler Unternehmen und deren Ausbildungsangebote sowie die Lage bei den Fachkräften vor.

Von Klaus Meyer

Beim Unternehmen Präzi Foto: Klaus Meyer

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) gab es im Jahr 2020 insgesamt 1.288.962 Auszubildende in Ausbildungsberufen. Die Corona-Krise habe zu einem bislang einzigartigen Rückgang der Zahl neuer Ausbildungsverträge geführt. Insgesamt haben 2020 nur 465.700 Personen in Deutschland einen Ausbildungsvertrag in der dualen Berufsausbildung abgeschlossen – 47.600 Personen oder 9,3 Prozent weniger als 2019. „Die Zahl der Neuverträge befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Noch nie seit Beginn der Statistik vor über 40 Jahren hat es in einem Jahr weniger als 500.000 neue Azubis gegeben“, sagt Rotraud Kellers aus dem für die Berufsbildungsstatistik zuständigen Referat im Statistischen Bundesamt. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) verzeichnet für die Jahre 2018 bis 2020 einen Rückgang bei den Ausbildungsverträgen. Wie das Portal „statista“ vermeldet, blieben 2020 mehr als 59.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Laut DIHK seien ungeeignete Bewerbungen der Hauptgrund für die Nichtbesetzung von Ausbildungsplätzen. Im Rahmen einer Serie stellen die WN heimische Betriebe und ihre Ausbildungsplatz-Angebote vor. Darüber hinaus geht es um Fragen des Facharbeitermangels und der Standortqualität.

Jutta Krumkamp, Head of Human Resources Group bei Präzi

Schon seit nunmehr 60 Jahren fertigt das Unternehmen Präzi Flachstahl AG in Everswinkel hochwertige Präzisions-Flachstähle und besondere Kunden-Sonderanfertigungen. Ein Unternehmen mit speziellen Produkten, für die auch spezielle Fachkräfte benötigt werden. „Präzi engagiert sich schon über Jahrzehnte kontinuierlich in der Ausbildung“, erklärt Jutta Krumkamp, Head of Human Resources Group bei Präzi, gegenüber den WN. Ausgebildet werden Zerspanungsmechaniker, Industriekaufleute, Industriemechaniker sowie per Dualem Studium Betriebswirtschaftler und Wirtschaftsingenieure, (alle Ausbildungen für alle Geschlechter). Derzeit ist ein Azubi im Betrieb von Präzi Flachstahl im Gewerbegebiet an der B64 tätig.

Covid und Drang zum Vollzeitstudium erschweren die Lage

Die Suche nach Auszubildenden ist nicht leichter geworden. „Aufgrund der Covid-Situation ist es für uns als Unternehmen schwieriger, direkt mit interessierten jungen Menschen in Kontakt zu kommen. Das Angebot von Ausbildungsmessen ist eingeschränkt genauso wie die Möglichkeit des Angebotes von Praktika“, verdeutlich Krumkamp. Aber nicht nur die Pandemie-Situation ist ursächlich. „Das Interesse an einer Ausbildung im technischen Bereich ist grundsätzlich bei jungen Menschen rückläufig“, bilanziert Krumkamp. So seien die Entwicklungsperspektiven, verbunden mit den vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Ausbildung, „eher weniger transparent für die jungen Menschen. Der Drang ein Vollzeitstudium zu absolvieren dagegen nimmt zu.“

Auf die Frage, was vielleicht anders laufen müsste, skizziert Krumkamp einige Ideen. So sollten Schüler und Lehrer durch Projekte mit der Wirtschaft verbunden werden, und die Themen Wirtschaft, Technologien, Fertigungsprozesse, Digitalisierung in der Arbeitswelt sollten als Inhalte Eingang in den Lehrplan finden. Folgerichtig könnten die Themen auch zum Bestandteil der Lehramtsausbildung werden – etwa mittels Praktika in der Industrie – „um ein besseres Verständnis zu vermitteln“. Zudem gelte es, Ausbildungspläne innerhalb der Ausbildungsordnung kontinuierlich den veränderten Anforderungen aus der Wirtschaft anzupassen und „die Attraktivität der Ausbildung und des deutschen Ausbildungssystems zu promoten“.

Der Fachkräftemangel ist spürbar

Passende Auszubildende zu finden ist das eine Problem, der Fachkräftemangel ein anderes. „Der Fachkräftemangel ist real. Das Angebot von entsprechenden Stellen übersteigt den Bewerbermarkt“, weiß Krumkamp. Die Besetzung von Experten- und Spezialistenfunktionen sei zum Teil schwierig und verzögere sich, da entsprechend ausgebildete Interessenten mit der notwendigen Erfahrung nur eingeschränkt zu finden seien.

In diesem Jahr sind bei der Präzi Flachstahl AG Ausbildungsplätze zu besetzen für den Zerspanungsmechaniker sowie im Dualen Studium für Betriebswirtschaftler und Wirtschaftsingenieur.

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