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Friedens-Demo von allen vier Schulen

Beeindruckendes Zeichen gesetzt

Everswinkel

Eine Kolonne bis zu Horizont: Rund 1200 Schüler aller vier Everswinkeler Schulen fanden sich am Donnerstagvormittag zusammen, um gemeinsam vor das Rathaus auf den Magnusplatz zu ziehen und für den Frieden zu demonstrieren. Ein gewaltiges Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen in der Ukraine. Jede der vier Schulen trug bei der Kundgebung einen eigenen Programmpunkt vor. Und alle riefen gemeinsam laut: „Wir wollen keinen Krieg!“

Von Klaus Meyer

Fast 1200 Schülerinnen und Schüler der vier Schulen nahmen am Donnerstag an der Friedens-Demo teil und versammelten zu einer Kundgebung mit Programm auf dem Magnusplatz. Foto: Klaus Meyer

Es war ein Tag fürs Everswinkeler Geschichtsbuch. Für die wohl größte Demo aller Zeiten in der Vitus-Gemeinde sorgten am Donnerstagmorgen fast 1200 Schülerinnen und Schüler der beiden Grundschulen, der Verbundschule und der Waldorfschule. Gemeinsam zogen sie von der Zufahrt Waldorfschule/Sportpark zum Magnusplatz, um ein großes Zeichen zu setzen. In den Händen selbst gefertigte Plakate, auf den Lippen Rufe wie „Wir wollen Frieden!“ oder „Stopp den Krieg!“.

Die natürliche Kulisse passte perfekt zum Anlass. Ein blauer Himmel und eine ungetrübte gelbe Sonne. Die ukrainischen Nationalfarben über den Köpfen von Hunderten Schülern. Demo statt Deutsch, Marschieren statt Mathe, Engagement statt Englisch. Der Donnerstagvormittag galt der Solidaritätsbekundung und des Mitgefühls für die Menschen in der umkämpften Ukraine. Ein lauter Friedensruf gegen den Krieg, gegen die Gewalt der russischen Armee, gegen das grausame Vorgehen von Präsident Putin. Erst am Montag war die Idee geboren worden. Christina Westemeyer vom Leitungsteam der Verbundschule hatte die Fäden in der Hand, holte die anderen Schulen für die gemeinsame Sache an Bord. „Ratz-fatz“ sei das gegangen und einfach nur „großartig“.

Christina Westemeyer, Organisatorin der Schüler-Demo

„Ich kriege eine Gänsehaut“, gestand sie auf dem Magnusplatz, als der lange Tross – verkehrlich abgesichert durch die Polizei – eingelaufen war. „Wir haben das große Glück, dass wir in Deutschland seit 70 Jahren in Frieden leben und die Freiheit haben, unsere Meinung zu sagen. Ganz viele Menschen auf der Welt haben das nicht. Wir sind uns einig – wir wollen alle Frieden für die ganze Welt.“

Jede Schule hatte einen Beitrag vorbereitet. Alverskirchener Grundschüler trugen Wünsche vor wie „wir möchten in einer Welt leben, in der Kinder die Möglichkeit haben, in Frieden aufzuwachsen“, Viertklässler der Grundschule Everswinkel trugen selbst verfasste Friedensgedichte vor, von der Waldorfschule wurden Zitate berühmter Persönlichkeiten gegen den Krieg vorgetragen, und die Verbundschule präsentierte einen musikalischen Beitrag. Mit Musiklehrer Heiko Kraft am E-Piano und einer Schülergruppe wurde der Song „From a distance“ von Bette Midler angestimmt und sorgte vor allem durch die Solostimmen für einen Gänsehaut-Moment.

Bürgermeister Sebastian Seidel war sichtlich beeindruckt von der Schülermenge mit ihren Plakaten. „Das ist ein schönes Bild, wenn der Anlass nicht so traurig wäre.“ Mit dem Angriff Putins auf die Ukraine sei „uns allen schlagartig bewusst geworden, wie kostbar und wie wenig selbstverständlich der Frieden ist, in dem wir in Europa bisher lebten“. Zerbombte Städte mit Toten und Verletzten und Millionen Menschen auf der Flucht – „Menschen, für die das Leben nie wieder so wird, wie es einmal war.“ Hierzulande könne man nur für das Ende des Krieges beten, was er auch selbst jeden Abend mache. „Ein Krieg hat nur Opfer. Wir stehen an der Seite der Opfer. Wir stehen an der Seite der Ukrainer.“ Seidel mahnte aber auch, bei der Verurteilung Putins nicht jene Russen mit in den Topf zu werfen, die in Deutschland oder auch in Russland selbst die Kriegstreiberei verurteilten. „Ich bin sehr froh, dass Ihr heute alle hier seid. Das ist ein so starkes Zeichen“, lobte er die Schülerschaft. Ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Demokratie.

Gänsehaut auch noch einmal ganz zum Schluss: Mit dem gemeinsam gesungenen israelischen Friedenslied „Hevenu shalom alechem“ („Wir wollen Frieden für alle“) endete um 11 Uhr dieses eindrucksvolle Statement der Everswinkeler und Alverskirchener Jugend. „Super! Ich bin so stolz auf Euch, dass Ihr alle hierhingekommen seid und mitgemacht habt“, freute sich Christina Westemeyer, bevor sich die „Schul-Züge“ in Bewegung setzten. Denn Deutsch, Mathe, Englisch und Co. waren auch noch eingeplant an diesem so besonderen Tag.

Stellvertretend für alle vorgetragenen Texte und Gedichte zum Schluss die Zeilen der Everswinkeler Grundschülerin Annabelle:

„Ich wünsche, es wäre so einfach, dass alle haben sich gern.

Ich wünschte, es wäre so einfach, wütende Menschen zu belehren.

Ich wünschte, es wäre so einfach, die Menschen zu vereinen.

Ich wünschte, es wäre so einfach, sie nicht weiter zu entzweien.

Ich wünschte, es wäre so einfach, dass Liebe wird zur Macht.

Ich wünschte, es wäre so einfach, dass sie uns alle glücklich macht.“

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