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CDU-Gemeindeverband im Gespräch mit Staatssekretär und Landwirten

„Bio geht am Markt vorbei“

Alverskirchen

Nachdem Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser zurückgetreten war, musste die CDU-Ortsunion schnell Ersatz für die Podiumsdiskussion mit Landtagskandidat Markus Höner finden. Kurzerhand sprang Andreas Westermann, seit wenigen Wochen neuer Kreis-Vorsitzender des WLV ein.

Von Christopher Irmler

Auf reges Interesse stieß das Gesprächsformat auf Hof Gerbermann. So kam es zu einer interessanten und informativen Podiumsdiskussion. Foto: Christopher Irmler

Die Vorbereitungen für den Auftritt von Markus Höner liefen seit Wochen. Gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser und Landwirten aus drei Generationen sollte der CDU-Landtagskandidat des Südkreises am Freitagabend auf Hof Gerbermann diskutieren. Doch bekanntlich trat die Ministerin am Donnerstag aufgrund ihrer Mallorca-Reise während der Flutkatastrophe zurück. „Bei uns sind die Telefone heißgelaufen“, blickte Werner Lemberg, Vize-Vorsitzender der Everswinkler CDU, auf die Zeit danach zurück.

CDU-Vorsitzende Katrin Schulze Zurmussen

Nun hätte Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann die Runde komplettieren sollen. Doch daraus wurde nichts: Aufgrund seines Amtes sei ihm der aktive Eingriff in den Wahlkampf nicht möglich. Kurzerhand sprang Andreas Westermann, seit wenigen Wochen neuer Kreis-Vorsitzender des WLV ein. „Ich glaube, ich habe meinen Text zehnmal umgeschrieben, aber wir kriegen das hin“, eröffnete die örtliche CDU-Vorsitzende Katrin Schulze Zurmussen die Podiumsdiskussion. Als weitere Gäste begrüßte sie Bernhard Rotthege, Hausherr André Gerbermann und den 20-jährigen Christoph Rüping.

Die Landwirte unterschiedlicher Generationen formulierten ihrerseits Fragen an den ebenfalls aus der Landwirtschaft kommenden Landtagskandidaten und griffen dabei Themen wie Perspektiven des Berufsstandes, Bürokratie, Natur- und Umweltschutz oder Planungssicherheit auf. Rotthege befürchte, dass man in Folge des Ukraine-Kriegs – bei selbst ungenutzten Flächen – den Getreidemarkt zu Lasten etwa Afrikas leer kaufe. „Wir müssen eine ernährungssichernde Landwirtschaft haben“, unterstrich Höner. Dass aktuell vier Prozent der Flächen stillgelegt seien, sei ethisch nicht vertretbar. Auch Ideen, „kostbare Äcker“ für Photovoltaikanlagen zu nutzen, lehnte Höner ab. „Warum können wir keine PV über den Aldi-Parkplatz bauen?“ Auch in Gewerbegebieten seien große Flächen vorhanden.

CDU-Landtagskandidat Markus Höner

Gerbermann sprach unter anderem Tierwohl-Labels an und befand, Landwirtschaft müsse auch für einkommensschwächere Verbraucher produzieren. Rüping berichtete von zunehmender Bürokratie und immer neuen Auflagen für Stallbauten in Sachen Tier- und Naturschutz, obwohl alte Ställe noch nicht einmal abbezahlt seien. Dem pflichtete der Kandidat bei, er bekenne sich zum Bericht der Borchert-Kommission. Das Umstellen der Landwirtschaft auf bio sei keine Lösung, so Höner. „20, 30 Prozent bio – für wen? Ich glaube, das geht am Markt vorbei.“ Viele Konsumenten könnten sich die Wahl zwischen bio und konventionell schlicht nicht leisten. Wenn in Deutschland von den Landwirten höhere Standards erfüllt werden müssten als weltweit üblich, müssten landwirtschaftliche Erzeugnisse auf der anderen Seite entsprechend vergütet werden.

Während Höner sich mit diesen drei Landwirten recht locker die Bälle zuspielte und große Übereinstimmung herrschte, äußerte Westermann etwa mit Blick auf Nitratrichtlinien deutliche Kritik, besonders an der seiner Meinung nach zu langsam reagierenden Politik. Immer wieder formulierte Westermann selbst Fragen in Richtung Höner und wurde dabei mitunter deutlich. So etwa, als das Thema Tierwohl-Label angesprochen wurde. „Genug der Worte – jetzt müssen Taten folgen. Wir vergehen uns gerade an einer ganzen Generation junger, top ausgebildeter Landwirte.“ Abschließend berichtete der Bundestagsabgeordnete Henning Rehbaum kurz von seinem vergeblichen Versuch, Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir von einem Ortstermin in Oelde zu überzeugen, um sich die Situation der Schweinebauern vor Ort anzusehen.

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