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Bundestagswahltag in der Vitus-Gemeinde

CDU-Feier mit Ernüchterung

Everswinkel

Um 19.05 Uhr lief am Sonntagabend das erste Wahlergebnis ein. Die Wahlhelfer im Haus der Generationen sicherten sich den inoffiziellen Auszählsieg. Wenig überraschend für die Vitus-Gemeinde lag die CDU vorn vor SPD, FDP und Grünen. Es war die erste Trendmeldung am Ende eines Wahltages, zu dem knapp 7500 Wahlberechtigte in Everswinkel und Alverskirchen aufgerufen waren. Diese Trendmeldung offenbarte aber auch schon, was im Vorfeld prognostiziert worden war: Ein deutlicher Einbruch bei der CDU, ein erheblicher Sprung der Grünen nach oben und eine Erholung für die SPD.

Von Klaus Meyer

Everswinkel hat gewählt und seinen Beitrag zum neuen Bundestag beigetragen – natürlich traditionell wieder mit einer hohen Wahlbeteiligung. An der Verschiebung der politischen Kräfte wurde auch in der Vitus-Gemeinde mitgewirkt. Foto: Klaus Meyer

8,5 Prozentpunkte büßte die CDU auch hier vor Ort gegenüber der Bundestagswahl 2017 (43,5 Prozent) ein; 2013 hatte sie gar noch bei 48,9 Prozent gelegen. Die SPD erreichte nach dem Tief 2017 (21,4) mit 25,9 Prozent wieder das Niveau von 2013 (25,7). Die Grünen legten um mehr als neun Prozentpunkte zu (2017: 7,0). Und die „liberale Hochburg“? Sie bröckelte von jenen 15,1 Prozent 2017 um 3,6 Punkte ab. Was die Direktkandidaten anbelangt, so ließ Henning Rehbaum (CDU) mit 41,1 Prozent der Stimmen Bernhard Daldrup (SPD) deutlich hinter sich, der 26,4 Prozent erreichte.

Bis um 11.30 Uhr waren am Sonntag bereits 60,2 Prozent Wahlbeteiligung erreicht - dank der Briefwähler. Foto: Klaus Meyer

An dem sonnig-sommerlichen Herbsttag machten sich viele Wähler bereits am Vormittag auf den Weg zu den acht Wahllokalen der Gemeinde. Noch früher dran waren die Briefwähler, und die waren so zahlreich wie nie zuvor: 3361 an der Zahl; von 7480 Wahlberechtigten. Macht einen Anteil von 44,9 Prozent. Blieben noch 4119 Wahlberechtigte für den Sonntag. Bereits um 11.30 Uhr, als die einzelnen Wahlbezirke Zwischenmeldungen ans Rathaus schickten, hatten 28 Prozent der Urnenwähler ihre Stimme abgegeben. Insgesamt lag die Gemeinde damit zu dem Zeitpunkt schon bei 60,2 Prozent Wahlbeteiligung.

„Wir haben gut zu tun. Ich glaube, das gute Wetter lockt auch“, sagte Magdalene Wierbrügge, die zu den erfahrenen Wahlvorständen zählt. So, wie auch Bernd Schulze Zurmussen, der über die hohe Briefwählerzahl staunte. „Wenn man bedenkt, dass fast die Hälfte der Wahlberechtigten schon gewählt hat – und zwei Drittel, wenn man die übliche Wahlbeteiligung von etwa 75 Prozent nimmt.“ Dieser sich schon länger abzeichnende Trend dürfte irgendwann auch mal auf den Wahlkampf durchschlagen. Zumindest insoweit, als dass Wahlkampf-Veranstaltungen auf den letzten „Metern“ immer weniger Sinn machen, wenn die Entscheidung des Wählers immer früher fällt.

Im Rathaus hielt Amtsleiter Jens Linnemann die Stellung für die letzten Briefwähler. Foto: Klaus Meyer

Im Ratssaal hielt Jens Linnemann, Amtsleiter für Ordnungswesen, Soziales, Schule, Kultur und Wahlen, am Vormittag die Stellung, denn dort war der Anlaufpunkt für die letzten Briefwähler. Für einen Wähler, der mit seinen unausgefüllten Briefwahl-Unterlagen fragend in den Ratssaal kam, hatte Linnemann schnell eine Lösung: er öffnete sein Büro und ermöglichte unbürokratisch die ungestörte, geheime Wahl. Letztendlich wurde so ziemlich jedem geholfen. Der Familie, die ihre Wahlscheine weggeworfen hatte und nur mit Personalausweisen erschienen war ebenso wie dem Rentner, der seinen ausgefüllten Wahlschein mit der offenen Seite nach außen gefaltet hatte und schnell von Magdalene Wierbrügge gebremst wurde: „Bitte erst richtig falten, damit wir das nicht sehen.“ Und auch die Wählerin, die zunächst vergeblich auf ein Öffnen der Türen am vermeintlichen Wahllokal Feuerwehrgerätehaus gewartet hatte, erreichte ihr Ziel.

Briefwahl? Für Katrin Schulze Zurmussen, Listenkandidatin der NRW-CDU, gehört der Gang ins Wahllokal einfach zum Wahltag dazu. Foto: Klaus Meyer

Für Katrin Schulze Zurmussen, die sich jüngst noch für das CDU-Kandidatenticket im Nordkreis Warendorf beworben und Henning Rehbaum unterlegen war, war die Wahlentscheidung natürlich auch längst klar. Briefwahl macht sie dennoch nicht. „Für mich gehört einfach dieses Erlebnis, noch einmal mit dem Wahlschein loszugehen ins Wahllokal, mit dazu.“ Sie ist auch schon mehrfach Wahlhelferin gewesen. Am Sonntag sollte es mal ein freier Tag sein, weil sie auch Listenkandidatin ist, doch früh morgens ereilte sie ein Hilferuf aus dem Rathaus, ob sie wohl einspringen würde. Für die 26-Jährige – übrigens die jüngste Listenbewerberin der NRW-CDU mit Listenplatz 61 – kein Problem. Ob sie beim Kreuzchenmachen noch mal daran gedacht hat, dass auch sie hätte auf diesem Wahlzettel stehen können, wenn es mit der Nominierung geklappt hätte? „Das ist für mich absolut abgehakt. Wir haben einen starken Kandidaten. Für uns war alles klar, dass es um die CDU im Kreis Warendorf geht. Es war eine demokratische Entscheidung, und deshalb ist da heute kein weinendes Auge dabei.“

Die Kreis-CDU feierte ihre Wahlparty übrigens am späteren Wahlabend zusammen mit Kandidat Rehbaum im Gasthof Diepenbrock. Für die Liberalen war das auch die Adresse zum Après-Wahl-Meeting. Die Festhalle indes war kein Wahl-Magnet. Nur ein Dutzend Interessierte verfolgte um 19 Uhr die auf eine Leinwand gestreamten Bilder von TV-Übertragungen und lokalen Wahlergebnissen. Die Diskussionen über Gewinne, Verluste und Koalitionen fanden Sonntagabend ganz woanders statt.

Und los geht‘s: Kurz nach 18 Uhr wurden die Wahlurnen geöffnet und ausgekippt. Start für die Zählarbeit in acht Wahllokalen und drei Briefwahlbezirken. Foto: Klaus Meyer
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