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Comeback des Dreschflegel-Balletts

Erste Besuchergruppen nach Corona-Pause im Mitmach-Museum

Everswinkel

15 Monate waren die Tore geschlossen. Keine Vorführung, kein Rundgang, keine Besucher. Das Mitmach-Museum war zur Corona-Pause gezwungen. Nun kommt wieder Licht in die Schau der landwirtschaftlichen Technik-Dinosaurier und bäuerlichen Antiquitäten. Drei Verbundschulklassen waren jetzt die ersten Besuchergruppen und erhielten von Fred Heinemann Einblick in die schwere Erntearbeit von früher.

Von Klaus Meyer

Die Verbundschüler der Klasse 6d am Mitmach-Museum. Die Schulklassen am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag waren die ersten Besuchergruppen nach 15 Monaten Zwangspause für „Up‘n Hoff“. Foto: Klaus Meyer

Fred Heinemann ist ganz in seinem Element. Endlich wieder. In seinen Händen hält er zwei verschiedene Bündel Getreide, eine heller, eins dunkler. Weitere Exemplare wandern durch die Reihen der Besucher. „Schaut Euch das an. Was für ein Getreide ist das?“, blickt er in die Gesichter seiner jungen Zuhörer. Gemurmel, fragende Gesichter, und zwei Schüler versuchen sich lieber im Getreide-Fechtkampf. „Nicht damit schlagen! Ich bin gespannt, mit welchem Wissen Ihr hier auftrumpft“, versucht Lehrerin Anke Fritze die Schülerinnen und Schüler der Verbundschul-6d beim landwirtschaftlichen Präsenzunterricht im Mitmach-Museum gleichermaßen zu disziplinieren und zu motivieren. „Das ist Gerste!“, ruft Lina mit wissendem Gesichtsausdruck und dem Getreidebüschel in der Hand. „Gerste – das steht hier drauf.“ Gelächter. Lesen bildet eben.

Mitmach-Museum: Ein Schüler konnte sich auch einmal beim Dengeln, dem Schärfen der Sense, versuchen. Foto: Klaus Meyer

Verbundschüler der Klassen sechs und fünf zu Besuch im Museum am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Es sind die ersten Besuchergruppen seit März vergangenen Jahres. 15 Monate Corona-Zwangspause. „Es war ein bisschen anstrengend. Ich musste mich erst wieder etwas einarbeiten“, wird Heinemann später nach der Schulungseinheit „Ernteprodukte im bäuerlichen Betrieb“ sagen. Weitere Besuchergruppen sind bislang noch nicht in Sicht. Der Museumsbetrieb muss erst wieder anlaufen und sich herumsprechen.

Der Besuch der Sechstklässler „war im Prinzip jetzt eine Notlösung“, erzählt Anke Fritze. Die ist Lehrerin für Mathe und Sport und hat mit dem Erdkunde-Unterricht, in dem das Thema Landwirtschaft Jahr für Jahr behandelt wird, gar nichts zu tun. Aber da das Museum so lange geschlossen war, hat der mit dem Unterrichtsthema verbundene Museumsbesuch bislang nicht geklappt. „Deshalb machen wir das heute als Wandertag. Das war jetzt eine spontane Aktion“, so Fritze, die die Betreuung übernommen hat und das Museum zum ersten Mal von innen sieht. „Ich finde das sehr interessant“, lautet ihr persönlicher Eindruck, nachdem Fred Heinemann die Gruppe draußen begrüßt, die Regeln und den Ablauf erklärt, die Gruppe dann zunächst durch den unteren und dann den oberen Museumsbereich geführt und stationsweise Erklärungen geliefert hat. Webstuhl und das bäuerliche Wohnen vergangener Zeiten „fanden die Kinder wohl am interessantesten“. Und natürlich die gutmütige künstliche Kuh zu melken. Dies alles und die Technik-Dinosaurier sind zusammen ein Stück Heimatgeschichte zum Anfassen. „Den Kindern war gar nicht klar, dass früher fast alles nur mit Muskelkraft lief.“

Die Sechstklässler ließen auch die Dreschflegel tanzen, um das Korn von den Ähren zu trennen. Foto: Klaus Meyer

Das bekommen sie von Heinemann an diesem Morgen auf vielfältige Weise auch in einem Streifzug durch die historische Ernte und Verarbeitung des Getreides vermittelt. Das Mähen des Getreides mit Sense, Sichel und Sichte, das Dengeln (schärfen) der Klingen – man kann sich vorstellen, wie schweißtreibend das früher war. „So, meine Damen und Herren, jetzt kommt der Augenblick, wo die Körner aus den Ähren gelöst werden“, macht Heinemann seine Zuhörer ein Stück älter als sie sind, gewinnt damit aber die Aufmerksamkeit. Zumal jetzt die Schlaginstrumente zum Mitmachen zum Einsatz kommen – die Dreschflegel. Kurz erklärt er, wie auf das Getreide eingeschlagen werden soll. Nämlich abwechselnd, schön im Takt und nicht zu hoch ausholend – damit nur Körner rollen und keine Köpfe. Und dann legt das Dreschflegel-Ballett auch schon los mit der Schlag-Choreographie „Eins, zwei und drei“. Die Schüler geben ihr Bestes. „Das ist das Ergebnis. Das ist das, was Ihr rausgeschlagen hat“, präsentiert Heinemann die zusammengekehrte Körnermenge samt Strohfetzen.

Drehen, drehen, drehen: Die Wannemühle trennt die Spreu vom Weizen. Foto: Klaus Meyer

Um die Spreu vom Weizen zu trennen, kommt die sperrige Wannemühle zum Einsatz. Ein paar Schüler drehen munter am Rad, und unten springen die Körner in die Holzschale. „Darf ich mal auf die Toilette?“, fragt ein Mädchen, und Heinemann, der gerade den finalen Verarbeitungsprozess des Korns einläuten will, reagiert sofort. „Ja klar. Kein Problem. Da hinten, da ist alles da. Männer, Frauen, Licht ist da und auch eine Wickelauflage. Aber die braucht wohl keiner heute . . .“ Der Gag kommt an. Gebraucht werden jetzt aber ein paar Steine. Mit denen hat man nämlich früher der Körner zermahlen. Noch einmal ist mitmachen angesagt. Auf die Knie, fertig los. Nicht gerade leicht für die Kids. „Da könnt‘ Ihr mal sehen, wie schwer das war vor 100, 150 Jahren“, sagt Heinemann. „Wir sollten vielleicht ein paar Körner mitnehmen – als Strafarbeit“, kommentiert Leonie Hesse, Lehramtsstudentin und zurzeit im Praxissemester an der Verbundschule, schmunzeln die Szene mit Blick auf ein paar unruhige Schüler, deren Konzentration so langsam dahin ist. Kurz danach sind die 90 Minuten Ausflug in die landwirtschaftliche Historie aber auch schon vorbei. Lehrkräfte und Schüler bedanken und verabschieden sich, Fred Heinemann atmet durch. Geschafft. Das Museum läuft wieder.

Infos zum Besuch des Museums s auf der Homepage des Heimatvereins (http://bshv-everswinkel.de/heimatverein/), Anmeldung dort und im Verkehrsverein.

Letzter Arbeitsschritt: Mit Steinen wird das Korn gemahlen - eine mühselige Arbeit wie vor über 100 Jahren. Foto: Klaus Meyer
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