1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Everswinkel
  6. >
  7. Das ganze Dorf zog an einem Strang

  8. >

Kita St. Agatha: Wie vor 50 Jahren aus einem Wunsch Wirklichkeit wurde

Das ganze Dorf zog an einem Strang

Alverskirchen

Es war eine große Gemeinschaftsanstrengung damals. Ein eigener Kindergarten für eine Dorf der Größe Alverskirchens war in den 60er-Jahren alles andere als selbstverständlich. Doch das Zusammenwirken von Kirchengemeinde und politischer Gemeinde sowie das Engagement der Bürgerschaft ließen den Wunsch Wirklichkeit werden. Mittlerweile hat die Kita St. Agatha ihr 50-jähriges Jubiläum feiern können.

Seit nunmehr 50 Jahren gehört der Kindergarten St. Agatha zum Dorfleben in Alverskirchen. Dass er damals Wirklichkeit wurde, ist einer großen gemeinsamen Kraftanstrengung zu verdanken. Foto: Klaus Meyer

Der Alverskirchener Kindergarten ist seit nunmehr 50 Jahren eine bedeutsame Einrichtung fürs Dorf. Das wurde am vergangenen Sonntag auch gefeiert. Dabei war es seinerzeit gar nicht selbstverständlich, in so einem kleinen Dorf einen eigenen Kindergarten zu errichten.

Da aber Kirchengemeinde und politische Gemeinde mit Bürgermeister Ernst Tertilt an der Spitze an einem Strang zogen und sich das Pfarrkomitee sowie der Kirchenvorstand emsig für den Bau einer solchen Einrichtung einsetzten, konnte der langgehegte Wunsch tatsächlich verwirklicht werden, blickt Kita-Leiterin Sylvia Stasch auf die Geschichte zurück.

Ende der 60er-Jahre nahm das Projekt konkrete Formen an. Die Zusammenarbeit von Kirche und Gemeinde führte zur Gründung eines „Kuratoriums für den Neubau des Kindergartens“, dem neben Bürgermeister Tertilt und Pfarrer Ferdinand Brüning noch Elisabeth Freifrau von Twickel, Elisabeth Münstermann, Albert Lütke Holling und Karl Schulte angehörten unter dem Vorsitz des damaligen stellvertretenden Amtsdirektors Dr. Bernhard Löwenberg.

Die Planung des Neubaus wurde dem Architekten und Diplom-Ingenieur Stuckenbrock übertragen. Um das Projekt realisieren zu können, musste vor allem die Finanzierung gesichert sein. So wurden quer durch die Bürgerschaft die unterschiedlichsten Veranstaltungen durchgeführt, um Bausteine für den Kindergarten zu sammeln.

Gartengestaltungsaktion am St. Agatha-Kindergarten 2003. Foto: Ann-Kathrin Zurmühlen

Am 29. August 1971 war es soweit: Der erste Spatenstich erfolgte im Beisein vieler Ehrengäste. Die Bauarbeiten gingen zügig voran, und für die Handwerker aus Alverskirchen war es Ehrensache, gute Arbeit zu leisten und außerdem noch für den Neubau zu spenden. Baubetreuung und Finanzierung erforderten häufige Absprachen zwischen Pfarrer, Kirchenvorstand und Pfarrkomitee.

An jedem Montag trafen sich Heinrich Vogt (Kirchenvorstand) und Adalbert Abel (Pfarrkomitee) beim Pastor im Pfarrhaus, um die unterschiedlichsten Verwaltungsarbeiten zu erledigen. Dabei wurden sie von Toni Große Holz unterstützt. Briefe wurden ihr direkt in die Maschine diktiert, vom Pfarrer unterschrieben und noch am Abend in den Briefkasten geworfen. Teamarbeit.

Trotzdem übertrafen die Baukosten die Kalkulation. Im Verlauf der Bauzeit stellte sich heraus, dass die Kosten etwa 100.000 D-Mark höher würden als veranschlagt. Für alle Verantwortlichen war das ein großes Problem. Geschickte Verhandlungen ermöglichten aber eine Nachfinanzierung durch den Landschaftsverband, den damaligen Landkreis Münster, das Bistum Münster und die politische Gemeinde. Außerdem gab es erneut großzügige Bürger, die mit Spenden halfen. Die Finanzierungslücke war geschlossen.

Im Juni 2020 wurde die Erweiterung des Kindergartens fröhlich gefeiert. Foto: Benedikt Maas

Im Dezember 1971 war Richtfest, 1972 der Bau vollendet. Den Plan für die Außenanlagen fertigte Rudolf Horst honorarfrei, und Schüler der Gartenbauschule Wolbeck pflanzten Bäume und Sträucher, die von Bürgern aus Alverskirchen gekauft worden waren. Bei der Pflanzaktion blieb noch ein kleiner Betrag übrig, der für notwendige Anschaffungen in der Ausstattung des Kindergartens verwendet wurde. Blieb noch das Problem, geeignetes Personal zu finden. In Zusammenarbeit mit Heinrich Wiegand, Nachfolger von Amtsdirektor Löwenberg, gelang es, entsprechende Kräfte für den Dreigruppenkindergarten einzustellen. Am 1. September 1972 war Betriebsbeginn, die feierliche Einweihung erfolgte am 15. Oktober 1972. Nach einem Jahr Bauzeit konnten rund 75 Kinder in den Kindergarten gehen.

Startseite