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Leinenweberei: Ausstellung im Museum erweitert und Weber-Gruppe gegründet

Das interessiert sogar die Ministerin

Everswinkel

„Vom Flachs zum Leinen“ – so lautet das Leitthema des Heimatvereins Everswinkel im Jubiläumsjahr 2019 fürs Mitmach-Museum „Up’n Hoff“. Und das nicht ohne Grund: Die Leinenweberei hatte in ihrer Blütezeit vor 200 Jahren eine große Bedeutung und war neben der Landwirtschaft die Haupterwerbsquelle. Das belegen alte statische Erhebungen. Jetzt wird diesem Umstand anschaulich und dauerhaft Rechnung getragen. Und das interessiert sogar die NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach.

wn

Kulturgut Leinenweberei: Die historischen Webstühle beeindruckten (v.l.n.r.):Bürgermeister Sebastian Seidel, Peter Scholz und Hubert Kortenbrede (beide Sparkasse), Maria Hamann, Hedwig Severt, Fred Heinemann, Marjolein van Dijk, Hildegund Richter, Josef Cremann, Markus Elberich, Günter Henrichs und Josef Beuck (alle Webergruppe und Heimatverein). Foto:

1825 gab es in Everswinkel 190 Weber, davon 89 „hauptberuflich“. Im Spitzenjahr 1859 waren 192 Webstühle registriert. Das Weber-Denkmal am Kirchplatz erinnert an diese Zeit. Auch im Mitmach-Museum ist ein denkmalgeschützter Webstuhl von 1709 ausgestellt. Ein Bild aus dem Jahr 1933 zeigt mit Bernhard Middendorf den letzten Hausweber aus Everswinkel. „Noch sehr lückenhaft waren bis vor kurzem die Gerätschaften rund um die Flachsbearbeitung bis zum fertigen Leinen“, erklärt Heimatvereinsvorsitzender Josef Beuck. „Somit war es ein Glücksfall, dass der Heimatverein im Zuge der Planungen, diese Abteilung im Museum zu erweitern, die Privatsammlung ,Bollweg‘ aus Bielefeld erwerben konnte.“

Neben Flachsbrechern, -schwingen und -hecheln, Haspeln und Garnwinden sowie vielen kleinen Sammlerstücken zur Flachsbearbeitung sind zwei alte, noch funktionstüchtige Webstühle die „neuen“ Prunkstücke in der neu eingerichteten Weberstube. Jetzt kann der Heimatverein Besuchern eine fast komplette Ausstellung anbieten und ihnen zeigen, wie Flachs aussieht, wie er angebaut wird, wie mühselig die vielen Schritte der Flachsbearbeitung sind und wie letztendlich die fertige ‚Linnenrolle‘ vom Webstuhl genommen werden kann. Diese Investition und Aufrüstung war nur möglich dank der großzügigen Förderung durch die Kulturstiftung der Sparkasse Warendorf.

Heimatvereins-Vorsitzender Josef Beuck

Es ist aber nicht bei der Ausstellung der Gerätschaften geblieben. Gemäß dem Motto des Mitmach-Museums wurde vom Heimatverein eine „Everswinkeler Hausweber-Gruppe“ ins Leben gerufen, um das alte Handwerk der Handweberei wieder zu erlernen. Sieben Frauen aus Everswinkel und Warendorf haben sich in den vergangenen Monaten sowohl in Lehrgängen als auch an den Webstühlen im Museum viel Fachwissen angeeignet. „Es kostet Zeit, Geduld und externe Unterstützung bis man die vielen Kleinigkeiten und Kniffe beherrscht“, so Beuck. Dennoch konnten sie den Vertretern der Sparkassen-Stiftung ihre ersten Fertigkeiten an den Webstühlen anlässlich der offiziellen Übergabe der Fördermittel zeigen. Nach einem Museums-Rundgang bedankten sich Bürgermeister Sebastian Seidel, Vorsitzender des Ausschusses Everswinkel der Kulturstiftung der Sparkasse Warendorf, und Peter Scholz, Vorstand der Sparkasse Münsterland Ost, beim Heimatverein: „Wo könnte man Geschichte zum Anfassen und Mitmachen besser erleben als im Mitmach-Museum Up’n Hoff.“ Die eindrucksvolle Arbeit an den historischen Webstühlen erwecke Geschichte auf anschauliche und unterhaltsame Weise wieder zum Leben. „Wir freuen uns, dass durch unsere finanzielle Förderung dieses Kulturgut für Groß und Klein erhalten bleibt.“

An bislang insgesamt sechs Aktionstagen wurden jeweils einzelne Schritte der Flachsbearbeitung im Museum vorgeführt. Eine komplette Demonstration folgt zum Saisonabschluss am Sonntag, 6. Oktober zu der alle Interessierten eingeladen sind. Die Festveranstaltung beginnt um 11 Uhr mit dem Erntedank-Gottesdienst in der Schützenscheune. „Um 12.30 Uhr erwarten wir die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ina Scharrenbach zur Feier unseres 30. Gründungstages und zur Demonstration all unserer Aktivitäten. Dabei steht die offizielle Inbetriebnahme unserer Webstühle im Vordergrund“, freut sich Beuck auf diesen Feiertag. Gleichzeitig findet an diesem Tag am Mitmach-Museum der Kreisheimattag statt.

Auf diesem alten, neu erworbenen Webstuhl wird am Sonntag wieder gewebt. Foto: Heimatverein
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