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Bauarbeiten für die neue Justizvollzugsanstalt

Der große „Steinkreis“ ist vollendet

Everswinkel/Wolbeck

Die Haftmauer für die neue Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster steht. 433 Mal war Millimeterarbeit gefragt, um die jeweils neun Tonnen schweren Beton-Elemente mit einem Kran in die exakte Position zu bringen. Die fertige Mauer ist über einen Kilometer lang und fünf Meter hoch. Und nun, was sind die nächsten Arbeitsschritte?

Von Markus Lütkemeyer

So soll das Pfortengebäude der neuen JVA einmal aussehen. Es wird von der Telgter Straße aus zu erreichen sein. Foto: BLB NRW / RKW Architektur Plus

Seit August verlegen die Stadtnetze Münster die Versorgungsleitungen für die neue JVA. Das Areal auf der sprichwörtlichen „grünen Wiese“ im Dreieck von Münster, Telgte und Everswinkel muss noch Strom, Wärme, Wasser, Internet und einen Telefonanschluss erhalten. Jüngst wurde dafür die Telgter Straße komplett für Autos und Radler gesperrt, mittlerweile fließt der Verkehr wieder. Die verbliebenen Leitungsarbeiten sollen pünktlich zum Baubeginn der Anstalt fertiggestellt sein.

Alles, was bisher an Bauarbeiten stattgefunden hat, waren im Grunde nur vorgezogene Maßnahmen. Dazu gehören auch Erdarbeiten, die voraussichtlich im Februar beendet werden. Zwei Entwässerungsgräben entstehen auf dem 18 Hektar großen Terrain. Es werden drei Hektar Überflutungsflächen angelegt, um Stauwasser auf angrenzenden Äckern zu vermeiden. Zwischendurch ähnelte die mit Erdhügeln übersäte Landschaft einer regelrechten Mondlandschaft. Da später einmal das Abwasser über das Pumpwerk Alverskirchen zur Kläranlage Everswinkel gelangen soll, sind auch hinsichtlich der Abwasserleitung noch Arbeiten zu erledigen.

BLB-Sprecherin

Parallel erarbeitet der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW) die Detailplanungen für die Außenpforte sowie die 13 weiteren Gebäude. Knackpunkt ist dabei natürlich die komplexe Sicherheitstechnik für das zukünftige Gefängnis. Die neue JVA bietet Platz für 640 Insassen im geschlossen Männervollzug. Der BLB will nach eigenen Angaben in diesem Jahr die Auftragsvergabe starten. Der Beginn der Bauarbeiten ist für Anfang 2024 geplant. Zu den Kosten, und ob sie angesichts der Baupreise steigen, macht der BLB zum derzeitigen Zeitpunkt keine Angaben.

Wolbecks Bezirksbürgermeister Peter Bensmann lobt die bisherige Bauplanung. Er habe bislang nur wenige Beschwerden von Anwohnern erhalten – und wenn doch, zum Beispiel mit der Ausschilderung oder den Anwohnerzufahrten, dann habe der BLB innerhalb weniger Stunden reagiert und nachgebessert. Zur Wahrheit gehört aber auch: Als die ersten grauen Beton-Elemente für die Haftmauer im vergangenen Sommer aufgestellt wurden, war der Schock für einige Wolbecker groß. Die WN-Redaktion erhielt dazu zahlreiche Anrufe und Nachrichten. Fünf Meter hohe Wände - das mussten viele erst einmal verdauen. Öffentlich äußern wollte sich damals niemand.

Zu den Maßnahmen im vergangenen Winter und Frühjahr gehörte allerdings auch die großzügige Eingrünung des gesamten Geländes. „Hierfür haben wir rund 13.000 heimische Bäume und Sträucher gepflanzt“, berichtet eine Sprecherin des BLB. Schon in einigen Jahren soll die Haftmauer hinter einer typisch münsterländischen Wallhecke verschwunden sein. „Durch die Anpflanzungen erreichen wir eine bestmögliche Anpassung an die Kulturlandschaft.“

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