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Wald-Säuberungsaktion

Der vergessene Müll in Schonungen

Everswinkel

„Es ist kein seltenes Bild in den Wäldern des Münsterlandes“, sagt Udo Wellerdieck, Naturgenuss-Führer des NABU Münsterland und beschreibt die Örtlichkeit so: „Ein Waldstück, die Bäume etwa 20 bis 40 Jahre alt, in angepflanzten Reihen stehend – eine in die Jahre gekommene Schonung.“

Der Großteil des Säuberungsteams mit Iris Weber, Carmen Weber, Gerd Niederkrüger, Michael Bünger, Dietmar Weber, Oliver Reckfort, Andreas Bondzio, Martin Gerdemann, Linus Gerdemann, Esther Minnebusch sowie Udo Wellerdieck vom NABU (v.l.).  Foto: Thomas Holzlehner

Die Bäume benötigen seit langer Zeit schon keinen Schutz mehr vor dem Verbiss durch Rehe oder Hasen. Aber überall liegen weiße, gelbe oder grüne Plastikspiralen zwischen den Bäumen auf dem Waldboden, die vor Jahrzehnten um die damals noch jungen Bäumchen gewickelt worden sind, um diese vor Verbiss zu schützen. Nun aber sinken die etwa 60 Zentimeter langen Plastikstücke immer tiefer in Laub und Humusschicht ein. Daneben finden sich Rollen dünnen Maschendrahts, der früher ebenfalls ein Schutz für die frisch gepflanzten Bäumchen war und nun in das Holz des Baumes eingewachsen ist oder in vielfacher Zahl auf dem Waldboden liegt, in ihrem Inneren hier und da die Reste eines vermoderten, umgestürzten Baumes.

„Auch Zaunanlagen, mit denen Schonungen eingegrenzt worden sind, verbleiben nicht selten über Jahrzehnte und weit über ihre Wirksamkeit hinaus vor Ort“, weiß Wellerdieck. Sie sind teils zusammengebrochen, heruntergerissen vom oberen Führungsdraht, liegen am Waldboden und versinken nach und nach in der Erde. „Leider wird der Vorschrift, diese Materialien nicht im Wald zu belassen, nicht immer genüge getan.“ Ob bei Münster im Kasewinkel, bei Everswinkel in Versmar oder in der Dorseler Heide bei Telgte – überraschend oft finde man die beschriebenen Szenarien vor. „Besonders die weniger von Erholungssuchenden frequentierten Wälder scheinen diese Probleme aufzuweisen“, bilanziert Wellerdieck.

Thomas Holzlehner zieht einen alten Maschendrahtzaun, der vor vielen Jahren um eine Schonung herum aufgestellt worden war, aus dem Waldboden.  Foto: Udo Wellerdiek

Jüngst hat sich eine Gruppe Freiwilliger zusammengetan, um einen betroffenen Wald bim Norden Everswinkels von derartigem Müll zu befreien. Die Freiwilligengruppe um Wellerdieck wurde dabei unterstützt vom Jagdpächter vor Ort, Martin Gerdemann. Gemeinsam bieten Wellerdieck und Gerdemann in diesem Wald im Norden der Bauerschaft Versmar einmal jährlich die Naturführung „Im Wald von Habicht und Dachs“ an – eine Kooperation der NABU-Naturschutzstation Münsterland mit dem Hegering Everswinkel und Münsterland-Safaris (Infos bei www.münsterland-safaris.de).

Insgesamt 14 Freiwillige, die zu den regelmäßigen Teilnehmenden der Führungen von Münsterland-Safaris gehören, haben mit angepackt. Dennoch wurden drei Stunden pausenlosen Zerrens und Schleppens sowie die Unterstützung zweier Traktoren benötigt, um den Wald von diesem speziellen Müll zu befreien. Insgesamt vier Radlader-Schaufeln Unrat – was einer Menge von etwa vier Kubikmeter n entspricht – wurden aus dem Wald gefahren.

Udo Wellerdieck an einem in die Jahre gekommenen Baum, der noch eine alte Plastikummantelung trägt.  Foto: Thomas Holzlehner

Dabei habe sich dann bei allen Mitwirkenden ein gutes Gefühl eingestellt. Draußen in der Natur zu sein, sich mit verschiedenen Charakteren zusammenzutun und gemeinsam in Aktion zu kommen, immer wieder Teilerfolge zu erreichen und auf diese Weise ein schönes Biotop gesunden zu lassen, das hat alle Anwesenden geradezu ausgelassen gemacht„, freut sich Wellerdieck über den Erfolg der Aktion. An der haben neben Wellerdieck und Gerdemann sowie dessen Sohn Linus noch Oliver Reckfort, Esther Minnebusch, Gerd Niederkrüger, Andreas Bondzio, Michael Bünger, Annette Gerhold, Thomas Holzlehner, Kornelius Krümpelmann, Dietmar Weber, Iris Weber und Carmen Weber mitgewirkt. Ein Einsatz für die gute Sache Wald.

Andreas Bondzio, Gerd Niederkrüger und Linus Gerdemann bei der Aufräumarbeiten im Wald.  Foto: Udo Wellerdieck

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