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Energieeinspar-Bemühungen der Gemeinde

Die dicke Rechnung kommt noch

Everswinkel

Die Frage der Energieversorgung im Herbst und Winter und der Kosten dafür beschäftigt viele Menschen - auch die Gemeindeverwaltung. Schon vor der Energieeinsparverordnung wurden Maßnahmen überlegt, die nun umgesetzt werden. Nicht verhindern lässt sich allerdings, dass der gemeindliche Haushalt finanziell schwer belastet wird durch die Kostenentwicklung.

Von Klaus Meyer

Bürgermeister Sebastian Seidel in der Heizungszentrale des Rathauses an einem Temperaturmesser. In den Büros wurde die Temperatur bereits auf 19 Grad gedrosselt. Dazu kommen diverse Maßnahmen in den 29 gemeindlichen Gebäuden. Foto: Klaus Meyer

Der „dunkle Herbst“ rückt unaufhaltsam näher. Und damit ist weniger das schwindende Tageslicht gemeint, sondern vielmehr die bedrohliche Lage im Hinblick auf die Energieversorgung und zugleich die Angst vor nicht mehr zu stemmenden Energiekosten. Viele private Haushalte befürchten, dass sie von einer Kostenwelle erdrückt werden. Es steht wohl der teuerste Winter aller Zeiten vor der Tür. Aber auch die Gemeindeverwaltung muss sich mit der Frage beschäftigen, was man als Kommune im Hinblick auf mögliche Einsparungen machen kann. Zudem ist nun ja auch Handlungszwang durch die Regierung in Form der Energiesparverordnung vorgegeben.

Bürgermeister Sebastian Seidel

Gasmangel und explodierende Preise, während in Russland derzeit das überschüssige Gas einfach abgefackelt wird. „Durch das Drehen am Gashahn will der russische Präsident einen Keil in unsere Gesellschaft treiben. Das ist Teil seiner Kriegsführung“, ist auch Bürgermeister Sebastian Seidel überzeugt. „Dabei bereitet es mir Sorge, dass wir nicht wissen, was er als nächstes tut.“ Wichtig sei es deshalb, weiterhin zusammenzustehen. „Mir ist dabei aber bewusst, dass uns die nächsten Wochen und Monate auf eine harte Probe stellen werden. Denn nicht nur für jeden einzelnen ist die Lage ernst, sondern auch für die Wirtschaft“, sagt Seidel, der im dritten Entlastungspaket der Bundesregierung einen „großen Block“ mit Hilfen für die Wirtschaft vermisst.

Auch die Debatte um die noch im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke quittiert der Bürgermeister mit Kopfschütteln und versteht nicht, warum Wirtschaftsminister Habeck die Kraftwerke nicht weiterlaufen lasse, wie es auch die Netzbetreiber befürworten würden. Wenn man weniger Gas verstromen wolle, bleibe derzeit halt nur Kohle und Atomkraft. „Wir müssen doch so realistisch sein, dass wir uns über den kommenden Winter nicht mit noch zu errichtenden PV-Anlagen und Windrädern retten können. Die müssten doch jetzt alle schon stehen, ganz abgesehen von der Tatsache, dass wir im Netz natürlich eine Grundlast benötigen und dies in den Monaten mit der sogenannten ,Dunkelflaute‘ schwierig werden dürfte.

29 gemeindliche Gebäude inklusive der Sporthallen, für die die Gemeinde größtenteils die Bewirtschaftungskosten trägt, stehen zu Buche. 29 Adressen für Energieeinsparungen. Die Gemeindeverwaltung habe bereits vor der Bundesverordnung einen Maßnahmenkatalog entwickelt, der viele Dinge der neuen Regeln schon beinhaltete. Die 19 Grad Raumtemperatur in den Büros sind klar. An den Handwaschbecken wurde das Warmwasser abgestellt. „Wir flankieren das noch dadurch, dass wir unsere Belegschaft zum Energiesparen sensibilisieren.“ Eine Veränderung der Gleitzeiten und damit verbundene Verringerung der Anwesenheitszeiten der Verwaltungsmitarbeiter sei bislang nicht vorgesehen. Zwischen Weihnachten und Silvester bleibt das Rathaus aber an den vier Werktagen geschlossen.

„Weiterhin sind wir mit den Sportvereinen im Gespräch, dass wir zumindest in einer Halle pro Ortsteil kein warmes Duschwasser mehr vorhalten.“ Die Temperatur in den Hallen sei ebenso reduziert worden. Seidel konstatiert eine große Kooperationsbereitschaft der Sportvereine in dieser Sache. Temperaturanpassungen habe es ebenso in den Feuerwehrgerätehäusern und beim Bauhof gegeben, in den Übergangs-Wohnheimen ist die Mindesttemperatur eingestellt; und auch dort seien die Bewohner zum Energiesparen sensibilisiert worden.

Geringfügig kühler – nämlich um ein Grad Celsius – wurde bereits das Wasser des Vitus-Bades. „Es könnte natürlich im weiteren Verlauf des Jahres sein, dass wir dazu kommen, die Temperatur noch weiter zu reduzieren“, warnt der Verwaltungschef schon einmal vor. „Weitere Ansatzpunkte sind eine reduzierte Weihnachtsbeleuchtung sowie eine frühere Nachtabsenkung der Straßenbeleuchtung. Inwieweit Letzteres mit wenig Aufwand möglich ist, prüfen wir gerade.“

Die Mitgliedsstaaten der EU haben vereinbart, mindestens 15 Prozent Gas und Strom im Vergleich zum Durchschnittsverbrauch der letzten fünf Jahre einzusparen. Unterm Strich werden dennoch massiv höhere Ausgaben stehen. Auch beim Haushalt der Gemeinde wird das spürbar durchschlagen. „Es wird nach alledem, was wir jetzt schon wissen, den Gemeindehaushalt im höheren sechsstelligen Bereich zusätzlich belasten“, blickt Seidel sorgenvoll auf die Finanzen.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund wie auch der Deutsche Landkreistag prognostizieren schon zu erwartende Einschränkungen bei den freiwilligen Leistungen vieler Kommunen und Gebührensteigerungen. Die kann auch der Bürgermeister nicht ausschließen. „Denn wenn die finanziellen Mittel enger werden, müssen wir uns alle gemeinsam die Frage stellen, wie wir damit umgehen.“

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