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Orgel-Konzert in der St.-Magnus-Kirche

Die „Königin“ kann auch dienen

Everswinkel

Die Fleiter-Orgel von St. Magnus gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Die Konzertgäste konnten sich nun von der Kraft des renovierten Instruments überzeugen.

Von Andreas Hasenkamp

Thomas Kraß, Sandra Botor, Claudia Lawong und Svenja Beumers (v.l.) zeigten mit verschiedenen Musikstücken deutlich, dass die Fleiter-Orgel noch nicht zum alten Eisen gehört. Foto: Andreas Hasenkamp

Sich erneut zu bewähren – dafür trat die renovierte Fleiter-Orgel von St. Magnus an, nun auch außerhalb eines Gottesdienstes. Viele Neugierige waren gekommen. Von Schimmel befallen von oben bis unten sei sie gewesen, erläuterte der Orgelbauer Stefan Linke von der Firma Fleiter vor dem Konzert. Das war nur eines der Probleme, dazu Undichtigkeiten und Staub. Für den Balg seien 15 bis 18 Schaf-Felle benötigt worden. Nach diesen Ausführungen luden Linke und Kantor Thomas Kraß zur Hörprobe.

Das Prinzipal erklang, eines von 23 Registern, als Gegenstück die höchsten Töne – „wenn sie das noch hören können, ist das sehr gut“, so Linke. Es folgte der abgründige 16-Fuß-Bass. Nach diesem Auszug aus dem ursprünglichen Klangspektrum der Orgel von 1883 kamen einige, die deutlich später hinzukamen: Die feine Eolienne, ein sphärisch klingendes Register, die Posaune 16‘. So zeigte die Orgel den Ohren etwas von dem Spektrum, auf das sich Pfarrer Pawel Czarnecki bezogen hatte, als er zur Begrüßung von der Orgel als „Königin der Instrumente“ sprach.

Ursprünglicher Zustand

Ein „Denkmal der Orgelbau-Kunst jener Zeit“ vor 140 Jahren sei sie, nun zurückversetzt in ihren ursprünglichen Zustand. Diese Zeit habe ein Zurück zu einfacheren Formen der Gotik angestrebt, davon zeuge auch die Schnitzkunst von Hochaltar und Orgel selbst. „So wurde unsere Kirche zu einem neugotischen Juwel, wie es im Münsterland selten anzutreffen ist.“ Auch technisch sei sie etwas Besonderes, so funktioniere ihre Mechanik zur Not auch ohne Strom.

Insbesondere als Begleitung werde die Orgel in diesem ersten Konzert einer Trilogie zu hören sein, versprach Kraß. Die Fleiter-Orgel werde „noch lange nicht zum alten Eisen“ gehören.

Präzise Abstufung

Verhalten und meditativ hob das Konzert in den ersten drei Stücken an: Karl Jenkins‘ Meditation mit Orgel und dem Alt von Sandra Botor, Ennio Morricones „For Love One Can Die“ mit Claudia Lawongs Sopran und eine Orgel-Improvisation von Kraß. Dieser Auftakt stimmte die feinen Sinne ein und zeigte die wiedergewonnene Präzision der Abstufung und die Kraft der Orgel. Bei Leonard Bernsteins „A Simple Song“ mischte sich dann der Sopran von Claudia Lawong ein. In Dvoráks „Largo“ aus „Aus der neuen Welt“ wusste die Oboe Dynamik zu setzen, sekundiert von der hier in den Tiefen gleichmäßig präzisen Orgel – die „Königin“ diente. Wie auch im „Stabat Mater“ von Pergolesi, dem geistlich vielleicht tiefsten Werk des Konzerts, das ein erstes Duett von Alt und Sopran einsetzte. Auf Bachs bekannt rasante Toccata D-Moll und Händels „Süße Stille, sanfte Quelle“ – er entführte mit Oboe und Sopran in eine ferne Sprach-Welt – folgte ein modernes, tief anrührendes Werk von Bob Chilcott, das „Kyrie“ und das „Agnus Die“ aus der „Peace Mass“. Was hier zusammenwirkte, war die Kraft der Orgel mit zwei Stimmen, die zum mühelosen Mithalten in der Lage war, um Stärke etwa in das „Qui tollis peccata mundi“ zu treiben. Dann noch religiöse Gesänge vertont von Rheinberger, gesungen von Botor: Nach diesen Leistungen ließ Kraß die Orgel in einer weiteren Improvisation nicht triumphal, aber sehr selbstbewusst erklingen.

Weitere Konzerte geplant

Dann konnte das Publikum mit über 80 Zuhörern endlich applaudieren, es tat es stehend. Und erntete ein „Nun ruhen alle Wälder“.

Auf den Start der Trilogie von Konzerten folgen ein adventliches Konzert und ein weihnachtliches mit Trompete, am 12. Dezember beziehungsweise am 2. Januar.

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