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Wohnraum-Diskussion in der Stadtregion Münster

Die Masterfrage für die Zukunft

Everswinkel

Die Stadtregion Münster ist ein begehrter Lebensraum für mittlerweile mehr als eine halbe Millionen Menschen. Dazu ist sie ein prosperierender Wirtschafts-, Arbeits- und Ausbildungsraum. Eine zentrale Frage beschäftigt derzeit die Stadt Münster wie auch die angrenzenden Kommunen des Umlandes: Wie können die Kommunen in der Stadtregion besser und bedarfsgerechter der Wohnraumnachfrage entsprechen? Wie lässt sich der regionale Wohnungsmarkt weiterentwickeln? Dazu liegt nun eine detaillierte Wohnungsmarktbeobachtung vor, die auch in der Everswinkeler Politik diskutiert wird.

Von Klaus Meyer

Das Thema Wohnungsmarkt ist von der Stadt Münster und den Umland-Kommunen verschärft in den Blick genommen worden. Am Mittwoch beschäftigt sich der Planungsausschuss damit. Das Bild zeigt ein Beispiel für neuen Wohnraum in Alverskirchen. Foto: Klaus Meyer

„Wohnraum, gleichsam der ,Richtige‘ wie auch bezahlbar, ist essenziell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit eines Raumes. Er ist eine entscheidende Voraussetzung für das Wohlbefinden von Menschen (…). Wir alle brauchen ein ,Zuhause‘.“ Einleitende Bemerkung der Studie „Entwicklungsorientierte Wohnungsmarktbeobachtung in der Stadtregion Münster“, erarbeitet vom Büro „Quaestio-Forschung & Beratung“ aus Bonn. In der Studie geht es um Demografie, Wachstum, Bezahlbarkeit, Wohnbauland in der Region, öffentlich geförderten Wohnungsbau und die sich aus all diesen Beobachtungen und Analysen ergebenden Zielsetzungen.

Es ist ein Thema, das – wie ja der Titel schon vermuten lässt – neben Münster auch die umliegenden Kommunen im „Speckgürtel“ des Oberzentrums tangiert und brennend interessiert. Denn: Der Wohnungsmarkt ist längst nicht mehr unter lokalem Blickwinkel zu sehen, sondern unter einem regionalen. Diese zum ersten Mal angestoßene entwicklungsorientierte Wohnungsmarkbeobachtung mit belastbarer Datengrundlage sei ein „systematischer Handlungsansatz mit der Erwartung, dadurch die kommunalen baulandpolitischen Diskussionen für ihre zielgenauere Ausrichtung auf Nachfrage und Bedarfe zu unterstützen“, machen die Bürgermeister der beteiligten Kommunen deutlich. Regionales Denken, regionale Lösung von Aufgaben, die nicht an einer Stadtgrenze enden. Mit dabei sind Altenberge, Ascheberg, Drensteinfurt, Everswinkel, Greven, Havixbeck, Nottuln, Ostbevern, Münster, Senden, Sendenhorst und Telgte. Diese zwölf Städte und Gemeinden beschäftigen sich zwischen März und Mai mit dem Papier, beraten die wohnungspolitischen Herausforderungen jeweils in ihren Ausschüssen und Räten.

In Everswinkel geht’s jetzt am Mittwoch, 27. April, im Planungs- und Umweltausschuss los.

Everswinkels Bürgermeister Sebastian Seidel und Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe

„Bevölkerungswachstum und Wohnungsbau halten in der boomenden Stadtregion Münster nicht Schritt“, die Studie ermögliche Überlegungen und Weichenstellungen für die „dringend notwendige Weiterentwicklung des regionalen Wohnungsmarktes“, heißt es seitens der Gemeinde. Markus Lewe, Oberbürgermeister von Münster, und Everswinkels Bürgermeister Sebastian Seidel, Sprecher der Stadtregion, seien sich einig, dass die Kommunen bei der Thematik über den eigenen Tellerrand hinausschauen sollten. „Um mehr bedarfsgerechten und bezahlbaren Wohnraum in der Region schaffen zu können, müssen wir die kommunalen Ressourcen bündeln. Dann können wir die Stimme der Region, in der mehr als 500 000 Menschen leben, als Ganzes stärken.“

Ziele zur Baulandbereitstellung und Bauleitplanung flossen von Beginn an in die Studie ein. Die Stadtregion benötige ein „zukunftsfähiges Wohnraumangebot für alle Bevölkerungsgruppen mit Rücksicht auf lokale Standortqualitäten und gewachsene – dörfliche – Strukturen“. Da die steigenden Wohnkosten vor allem Geringverdiener-Haushalte belasten, setzen sich die zwölf Kommunen für bezahlbaren Wohnraum ein. Ferner wird die Wohneigentumsbildung vor allem für junge Familien „als zentrale Komponente der Wohnungsversorgung und der Alterssicherung unterstützt inklusive attraktiver städtebaulicher Lösungen der Innenentwicklung. Als zukunftsfähig und Lebensqualität bietend werden eine „attraktive Architektur in kompakten Siedlungsformen insbesondere vermehrt in bestehendem Siedlungsgefüge, unter Begrenzung der Flächeninanspruchnahme, mit leichtem Zugang zum ÖPNV und mit guter Anbindung an das Radverkehrsnetz sowie unter Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen und unter Berücksichtigung der Klimawandel-Vorsorge“ betrachtet. Dabei seien neue Strategien und Handlungsansätze gefragt. Stichworte in diesem Zusammenhang sind „interkommunale Innovationspartnerschaften“ und „gemeinsame Orientierungsrahmen“.

Im Zehnjahres-Zeitraum zwischen 2010 und 2020 ist die Stadtregion Münster um mehr als 40.000 auf nun 500.000 Einwohner gewachsen; ein Plus von neun Prozent. Münster und Greven haben mit 11,9 bzw. 8,8 Prozent die höchsten Zuwächse, Everswinkel gehört mit einem Plus von 2,4 Prozent zu den schwächer wachsenden Kommunen. Im genannten Zeitraum nahm die Zahl der Beschäftigten in der Region um 47.000 bzw. 25 Prozent zu, und gleichzeitig stieg die Zahl der Berufspendler innerhalb der Region um 17 Prozent. Diese Zahlen sprächen für eine „hohe Attraktivität der Region“. Eine Folge des Booms: Wohnungsmangel, steigende Boden- und Baupreise sowie nicht zuletzt steigende Mieten. Der Wohnungsbau hielt mit der Entwicklung nicht mit: Rund 5000 bis 6000 zusätzlichen Haushalten in der Stadtregion jährlich stand nur neuer Wohnraum für rund 2400 Haushalte gegenüber. Die Gutachter bilanzieren eine zunehmende Diskrepanz zwischen Einkommensentwicklung und Wohnkostensteigerungen. Weniger Geld in der Tasche führt letztendlich zu weniger Umsatz etwa bei örtlichen Geschäften, Dienstleistern oder in der Gastronomie. „Wer mehr fürs Wohnen ausgibt, muss in anderen Bereichen sparen.“ Eine (logische) Kettenreaktion.

Ein Fazit der Studie, die auch kompakte Steckbriefe aller 45 Orts- und Stadtteile der Stadtregion umfasst, lautet: „Baulandentwicklung und Grundstücksmobilisierung sollten – um Knappheiten und unnötige Preissteigerungen zu vermeiden – nachfragegerecht ausgeweitet und verstetigt werden. Um diese zu erreichen, ist eine gewisse Koordination zwischen den Städten und Gemeinden erforderlich. Gleichzeitig verdient das Segment des preisgünstigen und geförderten Wohnungsbaus mehr Aufmerksamkeit.“

Zu den Anregungen der Gutachter, die von den Verwaltungen der stadtregionalen Städte und Gemeinden als besonders wertvoll bewertet würden, gehören laut Gemeindeverwaltung der Aufbau einer regionalen Entwicklungsgesellschaft, die die Kommunen bei der Wohnbaulandaktivierung unterstützt, die Gründung einer interkommunalen Wohnungsbaugesellschaft, um den Bestand an gefördertem Wohnungsbau zu erhöhen und die Erarbeitung eines regionalen „Handlungskonzeptes Wohnen“.

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