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Eigenständigkeit läuft aus

Grundschule Alverskirchen künftig im Verbund mit Everswinkel

Everswinkel/Alverskirchen

Das Thema stand gar nicht auf der Tagesordnung. Bürgermeister Sebastian Seidel verkündete die Nachricht unter dem Punkt „Bericht der Verwaltung“ am Ende der Hauptausschusssitzung am Dienstagabend: Die Eigenständigkeit der Alverskirchener Grundschule ist nicht mehr zu halten.

Von Klaus Meyer

Im März 2016 ist der Anbau der Alverskirchener Grundschule Als Baumaßnahme für die Schulzukunft eingeweiht worden. Dies und auch die zusätzlichen Schüler aus Everswinkel und Wolbeck konnten aber nicht verhindern, dass die Schule ihre Eigenständigkeit aufgeben muss und künftig mit der Grundschule Everswinkel einen Verbund bildet. Foto: Klaus Meyer

Nach Gesprächen mit der Schulaufsicht des Kreises, der Bezirksregierung und der Schulministerin war klar, dass ein Grundschulverbund gebildet werden müsse. Laut Paragraf 86 des Schulgesetzes NRW können „Grundschulen mit weniger als 92 und mindestens 46 Schülerinnen und Schülern nur als Teilstandorte in einem Grundschulverbund geführt werden“. Zum Start des laufenden Schuljahrs waren es 92 Schüler in Alverskirchen, aber die Zahl wird sinken. Schulrätin Martina Linnenbrink-Linnemann sei nun jüngst auf die Gemeinde zugegangen.

Im Herbst vergangenen Jahres gab es dann ein längeres klärendes Gespräch bei Regierungspräsidentin Dorothee Feller, an dessen Ende die Aufforderung stand, einen Grundschulverbund zu bilden. Die Gemeinde habe aber erreicht, „dass ein Grundschulverbund erst zum Schuljahr 2023/24 gebildet werden muss und wir noch genügend Zeit haben, den Prozess hin zu einem gemeinsamen Grundschulverbund der beiden Ortsteile zu gestalten. Das ist sowohl den Schulleitungen als auch Rat und Verwaltung sehr wichtig“, erläutert Seidel auf Anfrage der WN.

Ein zusätzliches Telefonat mit Schulministerin Yvonne Gebauer Ende November sowie eine größere Video-Konferenz unter anderem mit dem Schulamt, der Bezirksregierung und Vertretern der Ratsparteien hätten viele Fragen und ebenso viele Antworten erbracht, so Seidel. Die Schulministerin sei „sehr gut über die Situation informiert“ gewesen und habe aufgezeigt, dass es keine Ausnahmemöglichkeit gebe. Dafür zeigt Seidel auch Verständnis. „Eine Ausnahmelösung wäre gegenüber anderen Grundschulverbünden, die über drei oder sogar vier Standorte gehen, kaum vertretbar zu kommunizieren gewesen.“

Bürgermeister Sebastian Seidel

Wichtig sei es nun, „dass alle an einem Strang ziehen“. Inzwischen sind die beiden Lehrerkollegien informiert worden, am vergangenen Montag gab es eine virtuelle Schulkonferenz der Grundschule Everswinkel, und am Dienstag ging ein informeller Brief an die Eltern der Alverskirchener Grundschüler. „Wir werden jetzt den Weg gemeinsam gestalten“, betonte Seidel im Hauptausschuss. Entsprechende vorbereitende politische Beschlüsse sind in den nächsten Monaten ebenfalls noch zu fassen. „Wir werden auch noch Elternabende durchführen“, kündigte Seidel an.

Vorteile für Vertretungssituationen

Das künftige Konstrukt Grundschulverbund sieht eine Schulleitung, eine Stellvertretung, ein Kollegium und eine Schulkonferenz vor, die gemäß ihrer Verantwortlichkeiten über pädagogische Schwerpunkte, Aktionen, Angebote und mehr entscheiden. „In welchen Klassen die Lehrerinnen und Lehrer unterrichten, ist dann Angelegenheit der Schule. Der Grundschulverbund bietet den Vorteil, dass zum Beispiel Vertretungssituationen besser abgefedert werden können; denn es gibt ein größeres Kollegium“, zeigt Seidel gegenüber den WN auf. „Bei einem Grundschulverbund bekommt die Schulleitung mehr Stunden für die Leitungsaufgaben zugestanden, gerade weil sie für mehr als einen Standort verantwortlich ist.“ Wie bisher hätten Eltern auch künftig die Möglichkeit, bei der Schulanmeldung einen Standortwunsch anzugeben, der möglichst erfüllt werde. Niemand müsse sich sorgen, bislang sei es immer gelungen, genügend Schüler für eine Eingangsklasse in Alverskirchen zu bekommen.

Bei der Teilstandortlösung wird es dann wohl auch bleiben – selbst wenn Alverskirchen weiter wächst. Das Schulgesetz sehe bei einer „Wiedergründung“ einer eigenständigen Grundschule die Regeln wie bei einer Neugründung vor, erklärt Seidel. Und die geben zwei Parallelklassen pro Jahrgang vor. „Das gibt die Raumsituation in Alverskirchen gar nicht her. Ich habe deshalb schon vor einigen Jahren den Hinweis in den politischen Raum nach Düsseldorf gespielt, dass für eine Wiedergründung andere Regeln gelten müssten als für eine Neugründung.“ Die Alverskirchener Grundschule sei stets einzügig gewesen. Eine solche Gesetzesänderung sei aber gar nicht in Sicht. „Sie würde uns erst einmal auch nicht helfen, weil die Gesamtschülerzahl in Alverskirchen in den nächsten Jahren stetig sinken wird.“

Mindestschülerzahl

Hauptamtsleiterin Iris Peveling, die auch für den Bereich Schule in der Gemeinde zuständig ist, sieht in der Entscheidung nun auch eine Sicherheit für alle Beteiligten. „Man kann gemeinsam gestalten, und das ist ja auch eine Chance“. Und die wichtigste Botschaft liefert sie gleich mit: „Es ist wichtig, dass wir weiter dort eine Schule haben.“

Das Problem der dauerhaft zu geringen Schülerzahl war ja schon länger bekannt und ein Thema. Bereits in der Schulausschusssitzung im Dezember 2014 machten der damalige Bürgermeister Ludger Banken und der damalige Schulamtsleiter Thomas Stohldreier auf die sich abzeichnenden sinkenden Schülerzahlen in Alverskirchen aufmerksam. „Wir werden jetzt mit Schulentwicklung beginnen müssen. Schulentwicklung heißt, dass wir den Eltern sagen müssen, was auf sie zukommt“, so Banken seinerzeit.

Bereits für das Schuljahr 2016/17 kündigte sich ein Unterschreiten der Mindestschülerzahl an. Klar war seinerzeit aber auch schon die Meinung von Gemeindeverwaltung und Kommunalpolitik, den Schulstandort Alverskirchen unbedingt erhalten zu wollen. „In Alverskirchen würde sonst ein Identifikationspunkt fehlen, und Alverskirchen würde ein Stück weit ausbluten.“ In den folgenden Jahren verhalfen neue Schüler aus Everswinkel und Wolbeck der Schule zu zeitweilig besseren Zahlen.

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