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70 Jahre Kolpingfamilie

Ein Aktivposten in der Gemeinde

Everswinkel

Es war eine Besonderheit bei den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen der Kolpingsfamilie in St. Magnus: Ein Bildnis Adolph Kolpings, dass Albert Reinker im Gründungsjahr 1951 gemalt und kurze Zeit vor seinem Tod noch restauriert hattet, schmückte den Altar.

Ein Bildnis Adolph Kolpings, dass Albert Reinker im Gründungsjahr 1951 gemalt und kurze Zeit vor seinem Tod noch restauriert hattet, schmückte den Altar Foto: Kolpingsfamilie

In einem festlichen Gottesdienst beging die Kolpingfamilie Everswinkel in der St.-Magnus-Kirche ihr 70-jähriges Bestehen. Die Vorsitzende Sabina König begrüßte laut einer Kolping-Mitteilung die Gründungsmitglieder Albert Kemker und Ewald Stumpe und erinnerte an den langjährigen Vorsitzenden Willy Leuer und den Kunstmaler Albert Reinker. Von ihm war ein besonderes Vermächtnis am Altar aufgestellt: Ein Bildnis Adolph Kolpings, dass er im Gründungsjahr 1951 gemalt und kurze Zeit vor seinem Tod noch restauriert hatte.

Lange Jahre hatte es im Saal Diepenbrock gehangen und soll einen Ehrenplatz im Pfarrheim erhalten. Aufgrund der aktuellen Lage war das geplante gesellige Zusammensein im Anschluss an den Gottesdienst nicht möglich, erläuterte Sabina König. Dabei hätte sicherlich auch die aus 3000 Bildern ausgewählte Bildersammlung großes Interesse gefunden. Man werde die Präsentation auf dem Sommerfest nachholen.

Die Bibelstellen des Sonntags verband Werner Schniedermann in seiner Einführung mit dem Lebenswerk Adolph Kolpings. Am zweiten Advent riefen die Propheten Jesaja und Johannes der Täufer zu einem andern Lebensstil und Engagement für eine bessere Welt auf. In der bildhaften Sprache des vorderen Orients hieße es: „Kehrt ums! Was krumm ist soll gerade, was uneben ist, soll ebener Weg werden. Dafür gewährt Gott die Früchte der Gerechtigkeit und des Friedens.“

Daran habe auch der Seelsorger und Sozialreformer des 19. Jahrhunderts, Adolph Kolping, geglaubt. Seine Vision vom echten Christentum, dass sich um das Elend vieler Menschen kümmere, sei gerade in der Krise der Kirche aktuell. Es würde darauf ankommen, „das Christentum dem Geiste und der Praxis nach ins wirkliche Leben zu holen“.

An diesen Gedanken knüpfte Pfarrer Czarnecki an. Er würdigte die Kolpingfamilie als eine großen Aktivposten in der Gemeinde. Im sei bekannt geworden, dass Kolpingmitglieder vor Jahren beim Umbau des Pfarrhauses zum Pfarrheim und bei anderen baulichen Maßnahmen ihr handwerkliches Können zur Verfügung gestellt hätten.

Der Erlös aus den zahlreiche Veranstaltungen eines jeden Jahres wie Tannenbaumaktion, Kolpingkarneval, Plattdeutsches Theater oder Sommerfest sei regelmäßig caritativen Einrichtungen wie „Familie in Not“ oder Hospizen gespendet worden. Zuletzt sei in echter Solidarität ein namhafter Betrag an Kolpingfamilien in den Hochwassergebieten der Ahr überwiesen worden.

Besonders beeindruckt habe ihn aber die Zähigkeit und westfälische Beharrlichkeit beim zur Zeit wichtigsten Engagement der Kolpingfamilie: der Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Nicht nur in der Fleischindustrie sondern in vielen andern Dienstleistungsbereichen wie Transport und Logistik seien vor unserer Haustür Menschen mit Lohndumping in den Niedriglohnsektor gedrückt worden. Inzwischen seien es in Deutschland zehn Millionen Menschen in ganz normalen Berufen.

Czarnecki: „Elf Jahre lang nervten Sie die Bundespolitiker vor Ort, bedrängten Minister und Sozialpolitker in Berlin und Düsseldorf, verbündeten sich mit der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und hatten so sicher Anteil daran, dass die Stärkung des Tariflohns gegen Lohndumping im frischen Koalitionsvertrag der kommenden Bundesregierung steht. Das verdient großen Respekt.“

Pfarrer Czarnecki gratulierte der Kolpingfamilie, dankte für ihr Engagement und gab ihr für die Zukunft ein Zitat von Adolph Kolping mit auf den Weg: „Lassen wir niemals die Ohren hängen und arbeiten mit Zuversicht am Werk Gottes, auch wenn der ganze Plunder um uns durcheinander purzelt“.

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