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Pontifikalamt mit Altarweihe nach 15-monatiger Renovierungsphase

Eine fantastische Bauleistung

Everswinkel

„Gott ist Feuer und Flamme für uns. Auch wir dürfen uns von ihm entzünden lassen.“ Was Bischof Dr. Felix Genn zunächst mit Worten auf den Punkt brachte, wurde am am Sonntag in der St.-Magnus-Kirche sichtbar: Mit einem „heiligen Spiel“ aus Feuer und Flammen weihte der Bischof während eines Pontifikalamtes den neuen Altar der Kirche ein, die nach 15-monatiger Sanierungsarbeit in neuem Glanz erstrahlt.

Marion Bulla

Bischof Dr. Felix Genn und Pfarrer Pawel Czarnecki entzünden bei der Altarweihe die Dochte mit dem Feuer der Osterkerze und verbrennen als Symbol für die Wunden Christi an fünf Stellen auf dem Altar Weihrauch.  Foto: Marion Bulla

Die Glocken kündigten ihn an, den ganz besonderen Gottesdienst, der am Sonntag in der St.-Magnus-Kirche abgehalten wurde. 15 Monate lang war das Gotteshaus saniert und renoviert worden. Jetzt erstrahlt die Kirche in neuem Glanz. 60 geladene Gäste, darunter Vertreter aus Politik und Gesellschaft sowie Mitwirkende an der Renovierung, Spender und Vertreter von Vereinen und Gremien, durften unter anderem miterleben, wie der von dem heimischen Steinmetz und Bildhauermeister Stefan Lutterbeck erstellte Altar gesalbt und geweiht wurde.

Der Altar – auch als „Tisch des Herrn“ bezeichnet – ist das Herzstück einer Kirche. Erst nachdem er geweiht ist, kann ein Altar auch als solcher genutzt werden. Um dies zu zelebrieren, war Bischof Dr. Felix Genn aus Münster angereist. Diesem außergewöhnlichen Ereignis hätten sicher noch viel mehr Gläubige gerne beigewohnt. Doch die Besucherzahl war durch die Pandemie begrenzt. Dennoch konnten sie an dem Pontifikalamt teilhaben, wenn auch nur digital über eine Live-Übertragung.

„Heute findet die Vollendung im bautechnischen, aber vor allem im geistlichen Sinne statt“, begrüßte Pfarrer Pawel Czarnecki, der erstmals einen Gottesdienst in der St.-Magnus-Kirche feierte, die Gäste. Als der Geistliche im Februar 2020 eingeführt wurde, war die Pfarrkirche bereits eine Baustelle. Es sei „eine fantastische Bauleistung“ und „ein Geschenk an Sie alle“, fügte Czarnecki aus.

Anschließend folgte das erste Ritual der Weihe. Bischof Genn besprengte sowohl das Taufbecken, den neuen Ambo als auch die Gläubigen und den Altar mit dem Weihwasser der Taufe. Ein weiteres wichtiges Zeremoniell der Altarweihe ist die Beisetzung der Reliquien. Hier waren es die der beiden Pfarrpatrone, des heiligen Magnus und der heiligen Agatha, sowie weiterer Heiliger, die in den Altar eingelassen wurden.

Bekleidet mit einer schützenden Schürze goss der Bischof kostbares Chrisam-Öl auf den Altartisch und salbte ihn. Dann erfüllte der Geruch von Weihrauch die Kirche. Gemeinsam mit dem Pfarrer hatte der Bischof auf dem Altar an fünf Stellen, die an die Wundmale Christi erinnern sollten, Weihrauch mit der Flamme der Osterkerze entzündet. Anschließend wurde die erste Eucharistie an dem neu geweihten Altar gefeiert. „Der Altar ist die Quelle der Einheit für die Kirche und die Mitte unseres Lobens und Dankens“, so Bischof Genn.

„Die Sanierung einer so alten Kirche ist ein riesiges Projekt – spirituell und gestalterisch“, sagte Pawel Czarnecki und lobte nachfolgend die großartige Arbeit von Monika Göddeker. „Sie ist eine kreative Architektin mit einer einfühlsamen Reife in ihrem Denken. Es macht ihr offensichtlich Spaß Christin zu sein und dies auszudrücken“, bemerkte der Pfarrer beeindruckt.

Die Architektin konnte dieses Kompliment nun an die Handwerker weitergeben: „Zwölf von 15 Monaten unter den Beschränkungen der Pandemie zu arbeiten, ist eine besondere Herausforderung und hat manch schlaflose Nacht gekostet. Vieles musste virtuell passieren. Meine Handwerker sind Meister und bringen ihr ganzes Fachwissen und Fertigkeiten ein. Aus einem Entwurf wird durch geschickte Handwerker ein Werk.“ Auch Agnes Franke zeigte sich begeistert von dem Ergebnis der Sanierung. „Es war ein intensiver, spannender und manchmal auch ein mühseliger Weg. Aber er hat sich gelohnt“, sagte die Pfarreiratsvorsitzende, die für viele der aktiven Unterstützer ein Geschenk mitgebracht hatte. Stefan Lutterbeck hatte aus Teilen der alten Altarplatte Kerzenhalter gefertigt, die sie nun verteilte. „Für mich ist diese Kirche ein Stück Heimat“, erzählte Sebastian Seidel. Ob Taufe, Kommunion oder Hochzeit – all dies habe er hier erlebt, so der Bürgermeister weiter. „Die Kirche bedeutet für uns alle Heimat. Hier ist etwas geschaffen worden, das in unserer Gemeinde seinesgleichen sucht.“ Am Ende der knapp zweieinhalbstündigen Liturgie musste Pfarrer Czarnecki noch etwas loswerden. Es gebe das Gerücht, dass der Gemeinde das Geld ausgegangen sei, weil an der Decke der Kirche nur einfache Glühbirnen als Lichtquelle dienten. „Wir warten auf die Lieferung, die irgendwo stecken geblieben ist“, stellte er klar.

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