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Pilot-Projekt „ANNA“ unterstützt Familien im SGB-II-Leistungsbezug

Erste Erfolge durch enge Begleitung

Everswinkel

Der Name ist einprägsam: „ANNA“. Alleinerziehende und ihren Nachwuchs nachhaltig aktivieren – das ist der Ansatz, der dahinter steckt. Dafür machen das Jobcenter des Kreises Warendorf und der Verein Chance e.V. aus Münster gemeinsame Sache. Zunächst als Pilot-Projekt in zwei Kommunen des Kreises.

Von Klaus Meyerund

Für Alleinerziehende im Leistungsbezug ist es meist noch schwerer, Anschluss an den Arbeitsmarkt zu finden. Foto: dpa

„Wir haben uns für Everswinkel und Ennigerloh entschieden“, erläuterte der Leiter des Jobcenters, Dr. Ansgar Seidel, im Familien- und Sozialausschuss. Es geht um die Unterstützung von 30 Bedarfsgemeinschaften, die Leistungen nach dem SGB II beziehen. In Everswinkel sind es zwölf Familien mit 22 erwerbsfähigen Leistungsbeziehern. Einen Migrationshintergrund haben sechs Familien. Acht Bedarfsgemeinschaften sind Alleinerziehende.

„Wir wollen jungen Menschen die bestmögliche Unterstützung bieten und damit auch den Erziehenden und besonders den Alleinerziehenden.“ Dabei gehe man neue Wege. „Wir wollen verschiedene innovative Methoden erproben, was wir in der Form noch nicht gemacht haben“, hob Seidel hervor. Daraus wolle man Erkenntnisse fürs Allgemeingeschäft ziehen. Das Projekt ist im August vergangenen Jahres gestartet und zunächst auf 27 Monate bis Oktober 2022 terminiert. „ANNA hat eine Fülle von interessanten Bausteinen“, so Seidel. Das Konzept wurde gemeinsam zwischen dem Sozialdezernat des Kreises, dem Jobcenter, dem Verein Chance sowie den beiden Kommunen entwickelt.

Rainer Wick

Zwei Hauptwerkzeuge nannte Rainer Wick, Geschäftsführer von Chance e.V. für den „ganzheitlichen Blick auf die Familie als soziales Konstrukt mit individuellen Bedarfen und Fähigkeiten“. Einerseits ein intensives Familiencoaching, andererseits die Erhebung von über 15 000 Datensätzen über Gespräche in den Familien. „Wir mussten tief in die Familien hinein und erst einmal Vertrauen gewinnen“, machte Wick klar. Ziel ist es, Vermittlungshemmnisse aus der Sicht der Familien zu ermitteln und Hilfsangebote transparent zu machen, die Familien eng zu begleiten und letztendlich an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heranzuführen. Dabei gehe es vor allem um Ermutigung und Motivation, um bisweilen hinderliche Denk- und Verhaltensmuster im Hinblick aufs Erwerbsleben nachhaltig zu verändern.

Nach der Halbzeit des Projekts können Wick und Seidel schon auf positive Ergebnisse blicken. Dazu gehören vier sozialversicherungspflichtige Anstellungen, vier Ausbildungen, acht Ausweitungen der Arbeitszeit, eine kontinuierliche Steigerung von Bildungs- und Teilhabe-Leistungen sowie drei erfolgreich aufgebaute Patenschaften. Im Fokus haben die Projektpartner vor allem noch die weitere Stärkung der Ressource „erweiterte Familie, Freunde und Bekannte“, die bislang „besonders gering ausgeprägt ist – das hat uns betroffen gemacht“, sagte Jobcenter-Leiter Seidel. Ansetzen wolle man da unter anderem mit der Förderung der positiven Familienzeit, mit dem Ausbau sozialer Kontakte außerhalb der Familie und verstärkt gemeinsamen Treffen statt Einzelberatungen.

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