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Bürgermeister legt Haushaltsplan-Entwurf für 2021 vor

Finanzen kräftig durchgeschüttelt

Everswinkel

Die Haushalte der Jahre 2020 und 2021 werden in der Chronik der Gemeinde eine Sonderrolle einnehmen, so viel steht schon fest. Mindereinnahmen und Mehrausgaben – ausgelöst durch die Corona-Pandemie – schütteln alle finanziellen Planungen kräftig durcheinander. Im Ergebnis wird das laufende Jahr 2020 für die Gemeindekasse deutlich schlechter abschließen als prognostiziert, und auch das nächste Jahr wird mit schmerzlichen Einbußen verbunden sein.

Klaus Meyer

Bürgermeister Sebastian Seidel und Kämmerin Susanne Nerkamp prüfen das Druckergebnis des Zahlenwerks im Keller des Rathauses. Am Donnerstag wurde das Papier dann den Mitgliedern des Gemeinderates übergeben. .. Foto: Klaus Meyer

Bürgermeister Sebastian Seidel bediente sich beim Einstieg in seine Haushaltsrede am Donnerstagabend ein wenig des Galgenhumors: „Corona – bis vor einigen Monaten war das für die humanistisch gebildeten Menschen das lateinische Wort für Krone und für die Weltenbummler unter uns eine mexikanische Biermarke. Für einige war es vielleicht sogar beides. Wer hätte gedacht, dass ein Virus dieses Namens unser Leben so durcheinander wirbelt. Das Wort Pandemie kannten die meisten doch nur aus den Geschichtsbüchern.“

Jetzt kennt es die Gemeindeverwaltung auch durch sich arg verschiebende Haushaltsdaten. Der „unsichtbare Gegner“, der „nicht greifbare Gegner“ tangiere alle Bereiche des Lebens. Soziale Kontakte würden darunter leiden, beliebte Feste würden ausfallen, die Situation verändere die Menschen und die

Bürgermeister Sebastian Seidel

Kontaktbeschränkungen hinterließen zum Teil tiefe Spuren. „Aber wir müssen da durch. Genau wie wir das am Anfang der Pandemie geschafft haben, müssen wir das nun ein weiteres Mal schaffen.“ Seidel appellierte an alle, „vernünftig“ zu bleiben. „Nicht alles, was die Regelwerke erlauben, muss auch getan werden.“ Etwa wechselnde Treffen von zwei Haushalten; das sei wenig sinnvoll. Freiheit bedeute Verantwortung, „und wenn die Verantwortung nicht jeder einzelne von uns selbst übernehmen kann, dann übernimmt der Staat sie für uns und das bedeutet eine staatliche Einschränkung unserer Freiheit“. Man könne nur hoffen, dass bei der Zahl der Neuinfektionen „in den nächsten Tagen oder Wochen der Knick nach unten kommt“. Seidel lobte die Bürger und die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung fürs Mitwirken, für „Vernunft, Tatkraft und vor allem Zusammenhalt“.

Der Bürgermeister zeigte auch andere Folgen dieser außergewöhnlichen Krise auf. So sei etwa #supportyourlocal nicht irgendein Hashtag in den Weiten der sozialen Medien, sondern werde konkret vor Ort mit Leben gefüllt. Der lokale Einzelhandel mit seinen Arbeitsplätzen vor Ort sowie schnellem und komfortablem Service erlebe eine Renaissance – „das schafft kein Internetversand dieser Welt“. Ein weiteres Beispiel: Home-Office und Home-Schooling. Beruf und Bildung seien zeitweilig in die privaten vier Wände gewandert. Hier gelte es anzusetzen, um zukunftssicher zu sein. Heißt: Den Digipakt an den Schulen, der in Everswinkel mit dem Schulserver „IServ“ für Netzwerk und Webportal sowie der Bestellung von Endgeräten für Lehrer und Kinder schon eingestielt sei, weiter voranzutreiben. Und in der Gemeindeverwaltung soll grundsätzlich die Möglichkeit des Home-Office implementiert werden.

Ferner gelte es Versorgungssicherheit im Bereich der Energie zu schaffen durch dezentrale und regenerative Versorgung. Dies werde mit der angepeilten Nahwärmeversorgung im künftigen Baugebiet „Bergkamp III“ ebenfalls schon praktiziert. Weitere Ansätze sind die Stromerzeugung durch PV-Anlagen auf den Dächern und die (schon beschlossene) sukzessive Umstellung des gemeindlichen Fuhrparks auf alternative Antriebsformen.

In einem schnellen Ritt durch den seitenstarken Etat-Entwurf stellte Seidel die Eckdaten fürs kommende Jahr vor. Einige davon stehen unter Vorbehalt, da der frühe Haushalt – „just in time“ erarbeitet – mit sich teilweise noch verändernden Finanzdaten (Steuern) in Bewegung bleibt.

Ziemlich sicher ist, dass das laufende Jahr 2020 mit einem deutlich größeren Defizit enden wird als erwartet, und dass das nächste Jahr ein weiteres dickes Minus bescheren wird (siehe weiteren Bericht zu den Haushaltszahlen). Aber es wird auch investiert in Bestehendes zur Erhaltung und in Neues für die Zukunft. Es bleibt also spannend. Auch für die neu gewählten Ratsmitglieder, die die Etatposten nun in den kommenden Wochen beraten und beschließen werden.

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