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Hobby-Imkerei Gerwinat wieder für Qualitäten belohnt

Fünfmal Gold in schwierigem Jahr

Everswinkel

Bei einem Buchmacher hätte man schlechte Karten. Wenn man auf Gold-Auszeichnungen der Everswinkeler Hobby-Imkerei Gerwinat wetten würde, gäb‘s wohl nur eine ganz miserable Quote. Zu eindeutig ist die Favoritenrolle, zu sicher die Bank.

Von Klaus Meyer

Wieder erfolgreich: Martin Gerwinat (Mitte) erhielt mit seinen Honigen drei Gold-Auszeichnungen, Mutter Angelika zwei. Carlheinz Gerwinat präsentiert stolz die Urkunden. Foto: Klaus Meyer

Bei einem Buchmacher hätte man schlechte Karten. Wenn man auf Gold-Auszeichnungen der Everswinkeler Hobby-Imkerei Gerwinat wetten würde, gäb‘s wohl nur eine ganz miserable Quote. Zu eindeutig ist die Favoritenrolle, zu sicher die Bank. Seit 43 Jahren tritt die Familie beim NRW-weiten Leistungsvergleich an, seit 43 Jahren nimmt sie goldene Auszeichnungen entgegen. In diesem Jahr gleich fünf. Und dazu kommt noch der Ehrenpreis des Landes. Martin Gerwinat hat ihn mit der Sorte „Frühjahrsblüte“ und den 6. Platz bei der besonderen Ehrung der zehn Landesbesten je Kategorie in Münster erhalten.

Das Gerwinat-Trio ist ein bestens eingespieltes Team. Während sich Carlheinz Gerwinat inzwischen in die zweite Reihe zurückgezogen hat, stellen sich seine Ehefrau Angelika und Sohn Martin weiter den strengen Augen der Bewertungsrichter und überzeugen mit makelloser Qualität. Neben der Frühjahrsblüte zogen bei Martin Gerwinat noch die Sorten Sommerblüte kandiert und Sommer flüssig, und Angelika Gerwinat holte sich die Gold-Ehren mit ihren Sorten Sommerblüte und Waldhonig flüssig.

Martin Gerwinat

„Es sind in diesem Jahr deutlich weniger Honige ausgestellt worden“, erzählt Martin Gerwinat. Waren es zuvor 1200 Lose, kamen jetzt nur noch 730 auf den Tisch. 318 Mal wurde Gold vergeben, 168 Mal Silber und 62 Mal Bronze. 182 Imker-Honige waren nicht preiswürdig. Von den 47 Losen auf Kreiseben wurden 18 mit Gold versehen – fünf davon entfallen auf Gerwinats Produkte. Die geringere Beteiligung ist natürlich kein Zufall, sondern Resultat der Witterung. „Bei vielen ist die Frühtracht ausgefallen, in Süddeutschland haben sie nicht mal Waldhonig bekommen“, während das Sauerland noch relativ gut dabei weggekommen sei. Im Frühjahr war es zu kalt, „die Völker konnten sich nicht entwickeln“, verhungerten teilweise, um im Sommer war‘s zu feucht – „das Klima passte nicht zur Natur“.

Martin Gerwinat begutachtet ausgeschleuderte Honigwaben. Foto: Klaus Meyer

„Von den letzten 44 Jahren war es das schlechteste“, bilanziert Gerwinat, der mit der elterlichen Imkerei aufwuchs, 2016 selbst einstieg und 2017 den Familienbetrieb übernahm, die diesjährige Ertragsmenge. Ein Blick auf die Zahlen belegt es. Laut Landwirtschaftskammer NRW trug ein Bienenvolk 2020 durchschnittlich 36,6 Kilogramm Honig ein. In diesem Jahr waren es 27,1. Die Witterung begünstigte zudem die Varroa-Milben, die sich als Parasiten in Bienenstöcken einnisten, ganze Bienenvölker schwächen und im schlimmsten Fall vernichten können. Wenn der Winter nicht kalt genug ist, brütet die Biene durch, und die Varroa-Milbe benötigt die Brut, um sich ernähren zu können, erklären Angelika und Martin Gerwinat. „Die Belastung war höher als in anderen Jahren.“

Dabei wittert die Biene selbst schon die Gefahr. „Sie erkennt, wo die Milbe drin ist und schmeißt dann alles raus“, schildert Angelika Gerwinat den natürlichen „Hausputz“ im Stock. Imker dürfen die Milbe nur in der Zeit bekämpfen, in der die Bienen keinen Honig produzieren. Also im späteren Sommer nach dem Abschleudern und mit Nachbehandlungen im Herbst und Winter. „Die Imker werden viel zu tun haben“, ist sich Martin Gerwinat sicher.

Die Everswinkeler Imker-Familie hat in all den Jahren allen Unwägbarkeiten getrotzt und mit Begeisterung ihre Gold-Qualitäten erzeugt. „Ich habe es lang genug gemacht. Aber ich sehe ja, dass es sehr gut weiterläuft“, blickt Carlheinz Gerwinat in Richtung Sohn. Der investiert rund 20 Stunden Zeit pro Woche in die Hobby-Imkerei. „Im Sommer mehr, im Winter weniger“, wie er sagt. Rund 1000 Stunden pro Jahr. „Die Imkerei ist schon viel Arbeit“, nickt Vater Carlheinz. Ja. Und Leidenschaft.

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