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Vorbeugen statt untergehen

Gemeinde geht Problematik der Starkregen-Ereignisse an

Everswinkel

Die Einschläge kommen immer näher, und sie erfolgen immer häufiger. Was vor Jahren noch sogenannte Jahrhundertereignisse waren, ist zur bitteren Realität vor der eigenen Haustür geworden. 

Von Klaus Meyer

Wenn es wie aus Kübeln gießt Foto: Klaus Meyer

Stürme und Starkregen fegen mittlerweile das ganze Jahr über – im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter – übers Land. Und es mutet an wie ein Lotteriespiel, ob ein Dorf, eine Gemeinde oder eine Stadt von so einem Ereignis getroffen wird. Die Gemeinde Everswinkel will nun den möglichen Folgen von Starkregenereignissen vorbeugen.

Eine Hochwasserkatastrophe wie jüngst an der Ahr ist zwar weit weg, doch Ereignisse wie der „Jahrhundertregen“ vom 28. Juli 2014 in Münster mit 292 Litern Regen pro Quadratmeter oder das schwere Hochwasser vor 20 Jahren in Ahlen, als binnen 40 Minuten 800 Häuser in der Zechensiedlung sowie in den den Ortsteilen Dolberg und Vorhelm überflutet wurden, belegen, dass das Unwahrscheinliche sehr wahrscheinlich geworden ist. In Everswinkel will man sich nun dem Thema verstärkt widmen.

Bürgermeister Sebastian Seidel

Endlich, mag man beim Ortsverband der Grünen denken. Schon vor vier Jahren hatte man seitens der Fraktion beklagt, dass die Gemeinde für Starkregen-Ereignisse nicht gewappnet sei und forderte eine vorsorgende Flutplanung und Erarbeitung einer Risikogefahrenkarte, die gemeindliche Schwachstellen aufzeigt. Bürgermeister Sebastian Seidel zeigte sich damals noch skeptisch. „Einfach mal zu beschließen, wir machen das, so einfach ist das nicht“, damit sei ein erheblicher Aufwand verbunden, erwiderte er im Planungsausschuss. Inzwischen ist die Formulierung eine andere. „Wir müssen uns dem Thema nähern“, die Gemeinde habe diesbezüglich schon mit dem Abwasserbetrieb TEO gesprochen, erklärte er jüngst im Gemeinderat. „Es kann uns auch jeden Tag ereilen“, blickte er auf die gewaltigen Regenmengen mancherorts. „Wir gehen selbst in die Offensive.“

Der nächste Starkregen kommt garantiert

Ziel sei es, ein Oberflächen-Abflussmodell zu erarbeiten, um zu sehen, welche Regenmengen abfließen und welche Gebäude gefährdet sind. Zusammen mit der Feuerwehr soll nach Lösungen gesucht werden. Zudem wolle die TEO AöR für die Bürger beratend tätig werden, um Hausbesitzern aufzuzeigen, was sie an ihrer Immobilie vorbeugend tun können. Auch eine Bürger-Informationsveranstaltung ist angedacht. „Das wird alles eine gewisse Zeit dauern, um das vorzubereiten“, bat Seidel um etwas Geduld. Dabei vergaß er nicht den Hinweis, „eine 100-prozentige Sicherheit werden wir nicht erreichen“. Sicher ist nur: Der nächste Starkregen kommt garantiert.

Blick nach Ahlen

Die Stadt Ahlen hat aus dem Hochwasser vom 3. Mai 2001, als sich eine Gewitterzelle über dem Dreieck Beckum-Ahlen-Dolberg entladen hatte, die Werse und auch kleinere Bäche zu reißenden Strömen wurden und die Bilder von der bis zu 1,80 Meter hoch überfluteten Zechenkolonie in der Tagesschau wie auch im Magazin „Stern“ gezeigt wurden, ihre Lehren gezogen. Seitdem wurden bis heute rund 20 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert – unter anderem in ein Drosselbauwerk an der Werse, Rückhaltebecken, Erdwälle, Winkelstützmauern. Und ein Ende der Maßnahmen ist noch nicht erreicht.

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