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Spiegelkugel demontiert für Werkstattaufenthalt

Generalüberholung fürs Wahrzeichen

Everswinkel

Abschied von einem Wahrzeichen: Seit der Skulpturen-Ausstellung „Stille Winkel“ 2010 thronte die Spiegelkugel von Künstlerin Sandra Silbernagel über der großen Kreuzung Bergstraße/Hoetmarer Straße und war weithin sichtbar. Gestern wurde sie demontiert. Aber nicht für immer. Nach über zehn Jahren ist das Kunstobjekt überholungs- und renovierungsbedürftig geworden.

Susanne Müller

Nach der Demontage wird die Spiegelkugel vorsichtig auf den Transporthänger gehoben. Foto: Susanne Müller

Wer erinnert sich nicht an die beeindruckende Skulpturen-Ausstellung „Stille Winkel 2010“ und die durchgängig positive Resonanz, die der verantwortliche Arbeitskreis Bildende Kunst im Kulturkreis Everswinkel erfahren konnte? Ein im doppelten Sinn herausragendes Kunstwerk war damals die Spiegelkugel der Bildhauerin Sanda Silbernagel aus Münster. Die zunächst namenlose Skulptur erhielt rasch aus der Bevölkerung die sich geradezu aufdrängenden Spitznamen „Discokugel“ oder „Everswinkels Funkturm“. Schnell wurde klar, dass der Publikumsliebling die Gemeinde nicht wieder verlassen sollte. Das Objekt wurde schließlich zum neuen Wahrzeichen des Vitus-Dorfes.

Herbert Schulze und Marjolein van Dijk vom Arbeitskreis Bildende Kunst erreichten noch 2010 nach intensiven Gesprächen den Ankauf durch den veranstaltenden Kulturkreis, der sich über die großzügige finanzielle Unterstützung der Sparkassenstiftung und des Unternehmens RWE freuen konnte. Seit Jahren ziert die Silberkugel als Erkennungszeichen den Ortsplan der Gemeinde, sie dient den von Hoetmar oder Sendenhorst Anreisenden am Tage und in der Nacht als Orientierung.

Schaut man heute im Internetportal nrw-skulptur.net unter „Orte“ nach, so entdeckt man von A(achen) über K(öln) und M(ünster) bis Z(ülpich) unter dem Buchstaben „E“ erfreulicherweise Everswinkel. Sandra Silbernagels Beitrag zu der Ausstellung befindet sich somit in einer jurierten „Auswahl herausragender Kunst im öffentlichen Raum in NRW aus der Zeit nach 1945“. Die Skulptur aus GFK, Spiegelglas und Leuchtstofflampen wird so beschrieben: „Tagsüber reflektiert die Spiegelkugel ihre Umgebung, fächert sie in zahlreiche Facetten auf und fügt sie zu einem stets neuen, von Wetterlage und Beleuchtung abhängigen Bild zusammen. Nachts scheint sie wie ein zweiter Mond über der Verkehrsinsel zu schweben, die damit zu einem ganz besonderen, etwas romantischen oder auch glamourösen Ort wird.“ Jetzt, elf Jahre später, ist allerdings das Licht für eine Weile ausgegangen.

Eva Brockmann

Die Bewohner des Vitus-Dorfes werden für etwa zwei Wochen auf den Anblick des Kunstobjektes verzichten müssen, heißt es seitens des Arbeitskreises Bildende Kunst. Die Beleuchtung muss ersetzt werden, die alten, teilweise defekten Leuchtstoffröhren werden gegen moderne, energiesparende LED-Leuchten ausgetauscht. In einer hervorragend organisierten konzertierten Aktion aller Beteiligten und bei herrlichem Sonnenschein erfolgte die Abnahme der Silberkugel am gestrigen Dienstag – übrigens dem Gründungstag des Kulturkreises vor genau 25 Jahren – durch die Firma Roggenland. Ein Hubsteiger und ein Kran waren dafür erforderlich. Sandra Silbernagel ließ es sich nicht nehmen, in der Gondel in luftige Höhen zu steigen und mit anzufassen.

Zuvor hatten Mitarbeiter des Bauhofs die Hoetmarer Straße einseitig gesperrt und für die Sicherheit des Verkehrs gesorgt. Die Reparatur findet in der Halle der Elektrofirma Hermann Brück in Münster statt. In diesem Zusammenhang unterzieht die Künstlerin ihre Skulptur einer abschließenden Generalüberholung. Natürlich blieb die Maßnahme vorbeifahrenden Autofahrern und der Nachbarschaft nicht verborgen. Immer wieder wurde, so auch durch Anliegerin Eva Brockmann, die bange Frage gestellt, ob die Kugel etwa auf Dauer abgebaut würde. „Ich musste unbedingt schauen, was hier los ist. Meine beiden elfjährigen Jungen haben fast geweint, als sie sahen, was passierte. Jetzt bin ich ganz erleichtert, dass die Silberkugel bald wiederkommt.“

Die Gemeinde und der Kulturkreis haben sich im Vorfeld darauf verständigt, die nicht unerheblichen Kosten gemeinsam zu tragen. Sie appellieren aber darüber hinaus an alle Freunde der Silberkugel, ebenfalls einen Beitrag zu leisten und so ihre Verbundenheit mit dem Wahrzeichen Everswinkels zu zeigen. „Jeder Euro hilft“, ist das Motto der Spendenaktion. Dafür steht ab sofort in den Räumlichkeiten des Verkehrsvereins eine Miniaturnachbildung, die für die Aufnahme der, so hoffen die Verantwortlichen, zahlreichen Münzen oder gar Scheine eigens geschaffen wurde. Voraussichtlich Ende April können sich dann alle seine Fans wieder an dem „zweiten Mond über der Verkehrsinsel“ erfreuen.

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