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Bebauungsplan fürs Zentrum soll überarbeitet werden

Gewerbe und Wohnen als Spagat

Everswinkel

Wie soll der Everswinkeler Ortskern der Zukunft aussehen? Wird es bei einem möglichst attraktiven Mix aus Geschäften, Gaststätten und Wohnungen bleiben können? Oder droht ein weiterer Rückzug des Einzelhandels mit dem Verlust von Geschäftsflächen zugunsten von vermehrter Wohnnutzung – verbunden mit einem „Absterben“ des Zentrums? Interessante Fragen, die es jetzt anzugehen gilt. Es ist ein Thema aus dem Gemeindeentwicklungs-Konzept. Jetzt heißt es, die Weichen zu stellen.

Klaus Meyer

Bereich mit stetiger Veränderung: Blick in die Vitusstraße vor dem Umbau zu einem verkehrsberuhigten Bereich. Foto: WN-Archiv

Der Planungsausschuss stieg am Donnerstagabend in die Diskussion ein. Auf den Tischen der Kommunalpolitiker lag ein Beschlussvorschlag der Gemeinde, den Prozess zur Änderung des Bebauungsplans 17 „Alter Ortskern“ in Gang zu setzen. Die Frage, die im Laufe des Verfahrens ganz ober über allem stehen wird: Bleibt es beim Kerngebiet mit dem Ziel des Geschäftsbesatzes im Erdgeschoss rund ums Historische Viereck oder wird diese bisherige Zielvorgabe aufgeweicht und die Tür für Nutzungsumwandlungen geöffnet?

Wie gehe man mit dem Kerngebiet um; denn „es gibt den einen oder anderen Wunsch“, spielte Bau- und Planungsamtsleiter Norbert Reher auf bereits formulierte Anfragen zur Umwandlung von Geschäfts- in Wohnraum an. „Man muss politisch abwägen, was man will“, unterstrich Bürgermeister Sebastian Seidel die Bedeutung des Prozesses. Und der werde nicht einfach. Im Unterschied zu einem neuen Baugebiet, wo man angefangen bei Null alles planen und festlegen könne, seien die Gebäude in diesem Fall schon da. Es gelte zu überlegen, wie man das zukunftsgerichtet hinkriege.

Dr. Wilfried Hamann, SPD

Der gültige Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1978 und hat bislang 22 Änderungen erfahren. Er regelt, dass Wohnnutzungen nur vom ersten Obergeschoss an zulässig sind. Im Zuge der Bürgerbeteiligung am Gemeindeentwicklungs-Konzept war angeregt worden, eben diese Festsetzung für ausgewählte Bereiche aufzuheben. Zudem liegen der Gemeinde „mehrere Bauabsichten durch private Eigentümer vor“. Für die weitere gesamtheitliche Betrachtung des Zentrums soll die südliche Bebauung der Vitusstraße, die bislang zum Geltungsbereich des ebenso alten Bebauungsplans 15 „Vitusstraße“ gehört, dem Plan Nr. 17 hinzugefügt werden. Insgesamt umfasst das Plangebiet etwa 16,3 Hektar.

Die Vitusstraße in heutiger Zeit. Foto: Klaus Meyer

Für SPD-Fraktionsführer Dr. Wilfried Hamann war die vorgelegte Beschlussformulierung nicht eindeutig genug. In der sollte verankert sein, „dass es eben nicht das Ziel ist, vorhandenen Geschäftsraum in Wohnraum umzuwandeln“, und dies müsse auch dem zu beauftragenden Planungsbüro gleich am Anfang mit auf den Weg gegeben werden. Hamann warnte davor, nicht durch Ausnahmeregelungen zur Umwandlung von Geschäfts- in Wohnraum einen Präzedenzfall zu schaffen – „dass man einmal diesen Schritt geht und dann nicht mehr zurück kann“.

CDU-Ratsherr André Gerbermann sah es weniger eilig. „Wir steigen ja mit dem Tagesordnungspunkt erst in eine Diskussion ein.“ Man werde sich intensiv über die Thematik unterhalten, die Einbeziehung der Vitusstraßen-Südbebauung sei sinnvoll. Gerbermann gab gleichzeitig zu bedenken, „wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen, dass es auch Veränderungen gibt.“ Hamann legte nach. Man sollte deutlich machen, ein künftiges Gleichgewicht herzustellen zwischen dem Erhalt des Gewerbes und dort, wo es keine Möglichkeit für dessen Erhalt gebe, über eine Umwandlung in Wohnraum nachzudenken. Die tragfähige Beschlussempfehlung lieferte letztendlich Andreas Franitza von den Grünen. Ziel der Bebauungsplanänderung solle sein, einen „lebendigen Ortskern mit einer Mischung aus Gewerbe und Wohnen“ zu sichern.

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