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Ökostrom, Ladesäulen und mehr

GWE steigen in die „Formel E“ ein

Everswinkel

Die Gemeindewerke Everswinkel (GWE) steigen voll die „Formel E“ ein. Angesichts von bis zu 15 Millionen prognostizierten E-Fahrzeugen bis 2030 bundesweit und einem möglichen rechnerischen Anteil von 500 bis 800 Fahrzeugen allein in der Vitus-Gemeinde will man in dieser Klasse mitspielen. „Dafür braucht man eine Infrastruktur“, betont Bernhard Feikus.

Von Klaus Meyerund

Die Zwei von der Ökostrom-Tankstelle: GWE-Geschäftsführer Bernhard Feikus (l.) und Bürgermeister Sebastian Seidel. Foto: Klaus Meyer

Der GWE-Geschäftsführer ist nah dran am Thema, fährt selbst ein E-Auto und „brennt“ für diese Zukunft. „Wir sind seit kurzem Besitzer der Ökostrom-Tankstelle am Rathaus“, erklärt er beim Ortstermin nicht ohne Stolz. Übernommen von der Eon-Tochter Innogy. Derzeit wird eine zweite Ladesäule an der anderen Seite des Rathauses auf der unteren Parkebene errichtet. Beide Säulen bieten an ihren Ausgängen 22 KW, sind für normale Ladevorgänge ausgelegt und keine Schnelllader. Eine Stunde Ladezeit schafft laut Feikus durchschnittlich eine Reichweite von 70 bis 80 Kilometern. Aber damit nicht genug. „Wir wollen ein ganzes Netz ausbauen in Everswinkel.“ So sind weitere Ladesäulen am Haus der Generationen, am Vitus-Bad und an der Waldorfschule in Vorbereitung. Zehn Ladesäulen sind das erklärte Ziel bis zum Jahr 2023. „Wir wuppen das mit der Gemeinde“, lacht Feikus. Bürgermeister Sebastian Seidel nickt zustimmend.

„Die E-Autos drängen auf den Markt“, weiß Seidel, und auch für die Kommunen ist das ein brandaktuelles Thema, weil auch gut gefördert. Der eigene Fuhrpark soll sukzessive umgestellt werden. Der Bogen spannt sich vom Dienstwagen für den Bürgermeister über Fahrzeuge für die Verwaltung, den Bauhof und gegebenenfalls auch für die Feuerwehr, wenn das für den jeweiligen Einsatzbetrieb möglich ist. „Wir sind dabei, Wagen zu beschaffen. Das Problem ist die lange Lieferzeit.“

Bernhard Feikus

Zu den GWE-Ladesäulen im öffentlichen Bereich werden verstärkt Ladesäulen im privaten Bereich dazu kommen, ist Feikus sicher. „Wir müssen uns auf dieses Thema vorbereiten.“ Die GWE liefern für diese E-Mobilität den Strom. Ökostrom. Der stamme zum überwiegenden Teil aus Norwegen und werde zu 99 Prozent aus Wasserkraft erzeugt. „Das ist der Akku Europas.“ Mit dem steigenden Anteil an Ökostrom könnten beachtliche Mengen an Treibhausgasemissionen eingespart werden. Laut Umweltbundesamt konnten schon 2019 durch die Nutzung der erneuerbaren Energien in Deutschland Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 203 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. „Jeder kann einen persönlichen Anteil schaffen“, betont Feikus. Die Grundlast, sprich die die erzeugte Strommenge, die im Tagesverlauf nie unterschritten wird und die vor allem durch Atom- und Braunkohlekraftwerke getragen wird, zu ersetzen, sei die große Herausforderung der Energiewende.

„Wir sind als GWE Teil der Energiewende. Wir sind mit dem Thema Ökostrom ganz weit vorne“, bilanziert Feikus die Ist-Situation. Am Wasserwerk in Raestrup wurde gerade eine eigene Photovoltaik-Anlage mit 30 KW Kapazität installiert, die 27 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr für die Eigennutzung produziert. „Das ist etwa so viel wie neun Haushalte pro Jahr.“ Nächsten Woche geht die Anlage in Dienst.

Strom eingespart hat die GWE auch beim Vitus-Bad. Zwangsläufig. Kaum ein Trost, denn siebeneinhalb Monate seit November war das Freizeit-Bad durch Corona und Lockdown geschlossen. Unterm Strich steht ein sechsstelliger Einnahmeverlust, für den es bislang keinerlei staatliche Hilfe gab. „Die Gemeinde muss das über den Haushalt kompensieren“, ist der Bürgermeister „not amused“. „Da muss sich das Land noch mal bewegen“, unterstreicht Seidel, sonst werde es landauf und landab das Problem geben, dass Bäder noch betrieben werden können.

Schwimmbäder sind allein schon fürs Schulschwimmen, fürs Schwimmenlernen und natürlich als Fitnesseinrichtung von Bedeutung. Seit eineinhalb Wochen ist das Vitus-Bad wieder geöffnet, hat sich „in den Markt hineingeschlichen“, umschreibt Feikus den Start ohne große PR. Mit maximal 60 Gästen gleichzeitig ging‘s los, und draußen stauten sich die Gäste. „Wir hatten Wartezeiten, die bei über zwei Stunden lagen.“ Mit dem Mix aus Hallen- und Freibad sei man in den Möglichkeiten begrenzt. Jetzt dürfen 100 Besucher gleichzeitig im Bad sein. 250 waren es insgesamt am vergangenen Wochenende. Anmeldung und Besucher-Zeitfenster gibt‘s nicht. „Das macht keinen Sinn. Wir können so mehr Gästen die Möglichkeit zum Schwimmen geben“, sagt Feikus. Das nächste Jahr ist ein besonderes Jahr. 40 Jahre alt wird das Freizeitbad dann, das damals, 1982, eines der ersten dieser Art im Lande war.

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